Bayerns prominenter Neuzugang Xabi Alonso dirigierte bereits in seinem ersten Spiel für die Münchner seine Mitspieler (© imago)
Bayerns prominenter Neuzugang Xabi Alonso dirigierte bereits in seinem ersten Spiel für die Münchner seine Mitspieler (© imago)
Bundesliga

FC Bayern: Lernen mit Xabi Alonso

Köln - Xabi Alonso sagte nach der Partie gegen den FC Schalke, dass er in den wenigen Stunden die er in Deutschland ist, schon einige Dinge von Pep Guardiola gelernt hat. Der FC Bayern wiederum hat Alonso vor allem deswegen geholt, weil Pep Guardiola etwas gelernt hat.

Warum nicht Toni Kroos behalten?

Dieser Artikel ist der Auftakt der Serie "Guardiolas Bayern", die am Dienstag fortgesetzt wird.

Er hat aus seiner Zeit bei Barcelona gelernt und aus seinem ersten Jahr bei den Bayern. In einem exzellenten Artikel in der "Zeit" wird beschrieben, wie Guardiola in einem Münchner Restaurant über seine Spielidee philosophiert. Dass er möchte, dass seine Spieler "über Außen das Spiel öffnen um nach innen zu flanken. Nicht um direkt aufs Tor zu schießen, sondern um den gegnerischen Abwehrversuch auszunutzen und den zweiten Angriff zu starten, den wirklich gefährlichen."

Der häufig erwähnte "absichtliche Ballverlust", den Guardiola beim FC Barcelona praktiziert haben soll, wird so auf ein neues Level gehoben. Eine gefährliche Situation dient dazu eine noch gefährlichere zu erzeugen. Und dafür gibt es wenige, die besser geeignet wären als Xabi Alonso.

Kurzpass-Spiel ist kein Selbstzweck

Er spielt tiefer als Kroos, robuster als sein Nachfolger bei Real, der gleichzeitig sein Vorgänger bei Bayern ist. Kroos fiel selten in der Defensive auf. Sein Abwehrverhalten könnte den Ausschlag gegeben haben, dass Guardiola nicht mehr auf ihn setzte. Zwar hat der FCB mit Bastian Schweinsteiger einen Spieler mit ähnlichen Eigenschaften, wie Alonso im Kader. Aber der Weltmeister plagte sich zuletzt häufig mit Verletzungen.

Was die beiden verbindet ist unter anderem hohe taktische Intelligenz und hohe Energie bei der Bereitschaft Räume eng zu machen und Passwege zu erahnen. Guardiola möchte, dass die Spieler eng beieinander stehen, damit sie den Ball nach einem abgewehrten Angriff sofort wieder erobern können. Im Erobern von Bällen im Mittelfeld sind Schweinsteiger und Alonso herausragend. Der dritte Spieler, der in diese Richtung geht ist Javi Martinez, der aber vor seiner Verletzung für die defensive Dreierkette vorgesehen war.

Und Pep Guardiola hat noch mehr gelernt. Er hat bei Barca auf die überragende Offensive gebaut. Die Defensivabteilung war immer mehr ein Mittel zum Zweck um Lionel Messi und Co. abzusichern. Der Ball zirkulierte, der Gegner hatte kaum eine Chance, ihn zu bekommen. Aber die Pässe sind kein Selbstzweck. "Das ist genau das, was ich hasse, sich den Ball einfach nur zuspielen", sagt Guardiola in der "Zeit". "Man muss den Ball in einer bestimmten Absicht in den eigenen Reihen halten, in der Absicht nämlich, vors gegnerische Tor zu kommen und Schaden anzurichten." Dafür ist er bereit, ein höheres Risiko einzugehen.

Alonso kann alleine auf der Sechs spielen

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Die Bayern haben mehrere kleine, spielerisch orientierte Spieler für das zentrale Mittelfeld. Die Umstellung auf eine Dreierkette wird Philipp Lahm wohl wieder mehr Einsätze als rechter Verteidiger bescheren. Alonso bringt eine andere Spielweise mit, als die meisten Sechser der Bayern. Er kann die Position zudem auch mit nur drei Spielern hinter ihm alleine ausfüllen, wenn das nötig ist. Die Bayern können durch diese Umstellungen mit mehr Leuten angreifen, weil sie sich einen Mann in der Abwehr sparen. Und weil sie auf der Sechs ebenfalls mit nur einem Spieler gut besetzt sind.

Der erste Angriff ist damit also eine Attacke mit sechs Spielern. Sechs Akteuren, die alle in der Lage sind, ein Tor zu schießen. Und sieben Spielern, die sich sofort auf den Gegner stürzen, wenn dieser den Ball trotzdem erobern sollte. Das ist die Idee. Das ist es, was die Spieler lernen müssen. Das ist, was Xabi Alonso lernen wird. Wenn er es nicht sowieso schon beherrscht.

Sebastian Stenzel

Tüftler hinter verschlossenen Türen

Guardiola - ein ganz eigener Kopf