München - Im rot-weiß-goldenen Konfettiregen stemmte Kapitän Philipp Lahm als Erster die Meisterschale in den Münchner Himmel. Es war der Startschuss für einen wahren Partymarathon, den der FC Bayern München anlässlich seines 25. Deutschen Meistertitels, 24 davon in der Bundesliga, veranstaltet. Davon dass es am Ende statt des erhofften Triples "nur" ein Titel geworden ist, ließen sich die Bayern ihre Feierlaune nicht verderben. (XL-Galerie: Übergabe der Meisterschale)

"Dass wir uns mehr erhofft und mehr vorgenommen hatten, ist klar. Aber das heißt nicht, dass man eine Deutsche Meisterschaft kleinreden muss", betonte Lahm nach einer Saison, die für den Rekordmeister mit dem 2:0-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 einen versöhnlichen Abschluss fand. Mit zehn Punkten Vorsprung vor Verfolger VfL Wolfsburg gewannen die Bayern souverän zum dritten Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft. "Auch das muss man groß feiern, weil es ein großer Titel ist", unterstrich Lahm.

"Vom ersten Tag an dafür gekämpft"

Der Ärger über die beiden verpassten Endspiele im DFB-Pokal und in der Champions League war auch bei Jerome Boateng längst verfolgen. "Heute ist Berlin nicht mehr das Thema, das können wir nicht mehr ändern. Heute ist das Thema Meisterschaft. Vom ersten Tag an haben wir dafür gekämpft, und heute feiern wir", sagte Boateng.

Als nach der Übergabe der Meisterschale durch Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball und dem offiziellen Meisterfoto die überdimensionalen Weißbiergläser auf dem Spielfeld die Runde machten, schnappte sich Boateng gleich ein volles und machte Jagd auf Trainer Pep Guardiola. Wie schon im Vorjahr verpasste der Abwehrspieler dem spanischen Meistertrainer die obligatorische Weißbierdusche. "Es war nicht so einfach, weil er sich noch besser versteckt hat, als letztes Mal", gestand Boateng

Guardiola trägt Weißbierdusche mit Fassung

Das "Opfer" trug es mit Fassung. "Das ist für mich kein Problem, das ist eine große Tradition", sagte der frisch geduschte Guardiola auf der Pressekonferenz. Derweil ging die Party der Spieler weiter. Die Brasilianer Dante und Rafinha hatten sich ein Banjo der Band Imagine Dragons, die nach dem Schlusspfiff mit einem kleinen Konzert für beste Stimmung sorgten, ausgeliehen und die Feier in den Kabinentrakt verlegt.

In schicker Abendgarderobe zogen die Spieler einige Augenblicke später an den Journalisten vorbei. Viel Zeit für Interviews blieb nicht, schließlich wartete schon die nächste Etappe der Meister-Feierlichkeiten. Im Münchner Postpalast stand die teaminterne Feier auf dem Programm. "Wir wissen ungefähr, was vom offiziellen Rahmenprogramm her auf uns zukommt, deswegen werden wir nicht überrascht sein", sagte Thomas Müller. Anschließend durften es die Bayern dann aber noch mal krachen lassen. "Wenn es in den inoffiziellen Teil übergeht, werden wir sicherlich einige Glanzpunkte setzen", kündigte Müller an.

Enthronter Torjäger Lewandowski feiert trotzdem

Die Saison der Bayern war jedenfalls reich an sportlichen Glanzlichtern. Bayerns-Toptorjäger Robert Lewandowski hatte sogar noch die Möglichkeit mit dem Gewinn der Torjägerkanone einen persönlichen Erfolg zu feiern und seinen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen. Drei Tore hätte er im letzten Spiel noch gebraucht, um Frankfurts Stürmer Alexander Meier einzuholen - letztlich reichte es gegen Mainz nur zu einem Elfmetertor. "Ich bin nicht traurig", sagte der Pole. "Ich hatte eine kleine Chance zu gewinnen. Wenn nicht in dieser Saison, dann vielleicht nächste Saison."

Auch sein Trainer, der als einer der letzten die Arena verließ, blickte bereits voraus und kündigte an: "In der nächsten Saison werden wir stärker zurückkommen." Zuvor liegt jedoch der volle Fokus auf dem krönenden Abschluss der Meisterfeierlichkeiten am Sonntagnachmittag auf dem Marienplatz.

Aus München berichtet Maximilian Lotz