Augsburg - Halil Altintop sprach sogar schon von der Königsklasse. "Wenn wir nicht so viele Auswärtsspiele gehabt hätten, stünden wir jetzt auf einem Champions-League-Platz", sagte der 31-Jährige - allerdings im Scherz. So abwegig die Aussage in Bezug auf den FC Augsburg auf den ersten Blick auch klingen mag, steckt in ihr auch ein Funke Wahrheit.

Mit dem souveränen 2:0-Erfolg gegen den SC Freiburg feierte der FCA bereits den vierten Saisonsieg - so viele Dreier hatten die Fuggerstädter nach neun Spieltagen noch nie auf dem Konto. Und die jetzt drei Heimsiege in Serie zeugen von wiederentdeckter Stärke.

Chancenverwertung als Manko

Nur auswärts lief es zuletzt nicht nach Wunsch. Dabei waren sowohl in Mainz (1:2) als auch in Wolfsburg (0:1) jeweils Punkte möglich. "Wir haben in den letzten beiden Auswärtsspielen gezeigt, dass wir in der Lage sind, überall etwas zu holen", meinte Altintop. Doch es haperte vor allem an der Chancenverwertung.

Gegen die Freiburger zeigten sich die bayerischen Schwaben zunächst allerdings alles andere als verschwenderisch, denn gleich der erste Torschuss saß. Paul Verhaegh verwandelte seinen fünften Elfmeter in seiner Karriere zur frühen Führung in der elften Minute. In der Folge wurde das Manko jedoch deutlich. Die Hausherren erspielten sich gegen überforderte Breisgauer zahlreiche Möglichkeiten, ließen diese aber ungenutzt.

Daniel Baier scheiterte an der Latte, Tim Matavz am Außennetz und der sehr aktive Alexander Esswein gleich mehrfach am eigenen Übermut. "Die kleinen Details haben noch gefehlt", sagte der Vertreter des gesperrten Tobias Werner. Wegen eines Kniescheibenbruchs verpasste Esswein einen Großteil der Vorbereitung und den Saisonauftakt. Nach einigen Kurzeinsätzen in den vergangenen Wochen feierte der Neuzugang vom 1. FC Nürnberg sein Startelf-Debüt für Augsburg und war "fürs Erste sehr zufrieden".

Esswein überzeugt als Vorbereiter

Dass Esswein schließlich den entscheidenden zweiten Treffer von Halil Altintop vorbereitete, rundete seinen gelungenen Auftritt ab. Lob gab es auch von Trainer Markus Weinzierl, der aber vor allem den Torschützen hervorhob. "Halil hat ein sehr gutes Spiel gemacht und er hat sich und uns dann belohnt", sagte Weinzierl.

Mit seinem ersten Saisontor beendete Altintop seine persönliche Durststrecke - rechtzeitig vor der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Von 2006 bis 2010 spielte der gebürtige Gelsenkirchener für den FC Schalke 04 und bereits am Freitag kommt es zum Auftakt des 10. Spieltags zu einem Wiedersehen.

Augsburg winkt Europa-League-Platz

In der Vorsaison verlor der ehemalige türkische Nationalspieler beide Spiele gegen die Königsblauen. Nun soll mit den Augsburgern auf Schalke der zweite Auswärtssieg der Saison gelingen - und der erste FCA-Sieg gegen die Knappen überhaupt. "Wenn wir effektiver werden, können wir auch auf Schalke etwas mitnehmen", sagt Altintop. "Man hat gesehen, wozu wir fähig sind. Leider hat das in den letzten beiden Auswärtsspielen nicht so geklappt."

Gelingt es dem Tabellenneunten, die zuletzt gezeigten Leistungen zuhause auch beim Tabellenzwölften abzurufen, ist sogar der vorübergehende Sprung auf einen Europa-League-Platz möglich. Dennoch bleibt für Altintop der Klassenerhalt das oberste Ziel. "Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen", mahnt der Offensivspieler. "Wenn wir am Saisonende auf Platz 15 stehen, sind wir auch zufrieden."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz