Mönchengladbach - Nach vier Bundesligaspielen ohne Punkt und dem Aus im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach hat Eintracht Frankfurt mit einem Überraschungscoup am Niederrhein den Abwärtstrend gestoppt. Durch den 3:1-Erfolg beim bis dato zuhause ungeschlagenen Tabellendritten Mönchengladbach hat sich die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf wieder etwas Luft zur Abstiegsregion verschafft. Die Hessen präsentierten sich dabei gegenüber den vorigen Partien wie verwandelt.

So machte schnell die Formulierung "spielerische Wiedergeburt" in den Katakomben des Borussia Parks die Runde. "Keine Ahnung. Ich werde bei Ihnen nachlesen, woran es lag", sagte Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen scherzhaft in Richtung eines Journalisten, der ihn gefragt hatte, wie er sich die "Leistungsexplosion" erklären würde. Ein wichtiger Faktor war in jedem Fall die Rückkehr zum selbstbewussten und attraktiven Fußball. "Wir wollten früh auf den Gegner draufgehen und mutig nach vorne spielen. Es hat uns gut getan, die Initiative zu ergreifen", erklärte Stürmer Alexander Meier die taktische Marschroute.

Plötzlich klappte alles

Dabei ließen sich die Hessen auch von einem frühen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. "Wir haben uns am Anfang etwas schwer getan, dann aber immer besser ins Spiel gefunden", meinte Stefan Aigner. Vor allem die vielen gewonnenen Zweikämpfe sah er als Schlüssel für steigendes Selbstbewusstsein. Während die Gäste vor der Pause noch an Gladbachs Keeper Yann Sommer scheiterten, klappte nach dem Wechsel plötzlich fast alles.

Mit einem Doppelschlag drehten die Gäste das Spiel. Erst schlenzte Youngster Marc Stendera, der kurz zuvor noch eine Großchance vergeben hatte, den Ball zum Ausgleich in die Maschen, dann staubte Alex Meier in klassischer Mittelstürmer-Manier zur Führung ab. "In Gladbach zu gewinnen ist einfach fantastisch. Heute hat alles zusammengepasst", sagte Stendera, der sich im 16. Spiel über sein erstes Bundesliga-Tor freuen durfte. "Natürlich träumt man als Spieler von seinem ersten Tor. Dass es ein so wichtiges ist, freut mich umso mehr", meinte der 19-Jährige.

Potenzial weiter herauskitzeln

Wie es scheint, hat Trainer Thomas Schaaf in der Länderspielpause die richtigen Hebel angesetzt. "Wir sind nicht blind und naiv. Wir sehen unsere Fehler ganz genau und wissen, dass wir uns erheblich verbessern müssen", hatte er angesichts der drohenden Ergebniskrise gesagt. Nach starkem Saisonstart (12 Punkte nach 7 Spielen) hatte die Eintracht zuletzt glücklos agiert und sah sich wachsender Kritik ausgesetzt.

Der Sieg in Mönchengladbach kam nun genau zur rechten Zeit. Schaaf wird nun wieder ruhiger arbeiten können und versuchen, das große Potenzial, das er in seinem Team sieht, weiter herauszukitzeln. In Gladbach habe man wieder gesehen, zu was die Mannschaft fähig ist, sagte Schaaf, der die Hessen im Sommer übernommen hatte.    

Bei den "Fohlen" jedenfalls präsentierten sich die Frankfurter weder blind noch naiv, sondern hellwach und clever. Durch konsequentes Pressing zwangen sie den Gegner immer wieder zu Fehlpässen und nutzen ihre Chancen eiskalt aus. "Die Bayern haben hier kein Tor gemacht, wir machen drei. Das ist nicht so schlecht", stellte Bastian Oczipka fest.

"Auch gegen Dortmund etwas mitnehmen"

"Es ist ja nicht so, dass wir das Fußballspielen verlernt haben", sagte Stefan Aigner, der sein Team nun auch für die kommende schwere Aufgabe gegen Borussia Dortmund gut gerüstet sieht. "Wir dürfen uns nun nicht ausruhen. Wenn wir so spielen wie heute, dann können wir auch gegen den BVB etwas mitnehmen." Insgesamt könnte die Leistungssteigerung ein Brustlöser für den weiteren Saisonverlauf sein. Immerhin die Eintracht hat nach zwölf Spieltagen nun schon genauso viele Punkte auf dem Konto (15) wie in der letzten Saison nach der kompletten Hinrunde.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann

 

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