Zusammenfassung

  • Die BVB-Offensive läuft derzeit auf Hochtouren

  • Marco Reus bremst die Euphorie rund um den ungeschlagenen Tabellenführer

  • Jadon Sancho hat mit seinen Kollegen "noch einiges vor"

Stuttgart - Kreativ, dominant, effizient – Borussia Dortmund hat beim VfB Stuttgart einen klasse Auftritt hingelegt. Nun wartet Atletico Madrid. Ein Topspiel, vor dem die Borussia nicht zittern muss. Auch wegen ihrer glänzenden Offensive.

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Nach der Partie gaben die Dortmunder dann doch noch einmal richtig Gas. Es galt, die immer stärker aufkommende Euphorie ein wenig einzudämmen. So sprach Nationalstürmer Marco Reus, der die armen Stuttgarter zuvor 90 Minuten lang schwindelig spielte, von einer zweiten Halbzeit, in der er einige Schwächen sah. "Man merkt schon, dass wir trotz der guten Ergebnisse taktisch noch einiges zu tun haben", so der Torschütze beim komplett ungefährdeten 4:0-Erfolg. Auch Trainer Lucien Favre sprach in der Pressekonferenz davon, mit den in der zweiten Halbzeit taktisch veränderten Stuttgartern nicht optimal klar gekommen zu sein.

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Aber mal ehrlich: Letztlich zeigten die Dortmunder, die die Tabelle weiterhin ungeschlagen anführen, in Stuttgart einen von Beginn an dominanten, spielerisch kreativen und vor dem gegnerischen Tor effizienten Auftritt. Auch wenn die Stuttgarter, bei denen der neue Trainer Markus Weinzierl spätestens jetzt viel Arbeit vor sich hat, nach Wiederanpfiff einige gefährliche Chancen kreierten, der Sieg der Westfalen hätte bei totaler Konzentration auch höher ausfallen können.

So aber schonte sich der BVB – und zwar aus gutem Grund. Schon am kommenden Mittwoch kommt in der Champions League das große Atletico Madrid, ein Festakt, auch für Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung: "Jeder kennt diese Mannschaft. Körperlich präsent, sehr stark in der Defensive, aber auch in der Offensive mit viel Qualität und einem Antoine Griezmann – es wird ein intensives Spiel werden. Aber wir alle, auch die Zuschauer, freuen sich riesig darauf."

Paco Alcacer trifft per Heber zum 3:0 © gettyimages / Matthias Hangst

In der Tat ein echtes Highlight. Da verwunderte es dann auch nicht, dass Trainer Favre seinen leicht angeschlagenen Torjäger Paco Alcacer in der Halbzeit vom Platz nahm. Zuvor hatte der Spanier seine schier unglaubliche Torquote auf sieben Treffer im erst vierten Einsatz für die Dortmunder erhöht. Auch für Spanien traf er drei Mal in den letzten beiden Partien. In Stuttgart erzielte er das entscheidende 3:0 mit einem Heber, der in seiner Genialität beinahe an eine Unverschämtheit grenzte. Fast logisch, dass die Dortmunder weiter großes Interesse daran besitzen, Alcacer fest vom FC Barcelona zu verpflichten.

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Allein das Fehlen von Akanji macht sich bemerkbar

Überhaupt die Dortmunder Offensive. Reus und Alcacer grandios, aber was ein Jadon Sancho auf den schwäbischen Rasen zauberte, war ebenfalls aller Ehren wert. "Ich bin froh, Teil dieses Teams zu sein. Ich fühle mich sehr wohl, wir haben noch ein einiges vor", sagte der frisch gebackene englische Nationalspieler nach dem Sieg in Stuttgart. Reus, Alcacer, Sancho, das ist Qualität hoch drei. Tempo, Tempo, Tempo – und jede Menge Torgefahr.

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Und auch der Rest des Dortmunder Kaders überzeugt. Allein ein Blick auf die Ersatzbank am Samstagnachmittag lässt aufhorchen. Da saß zu Beginn mit Mario Götze,  Mahmoud Dahoud, Maximilian Philipp oder Christian Pulisic enorme Qualität, Trainer Favre ist immer in der Lage, gefährlichen Entwicklungen auf dem Platz entgegen zu steuern. Einzig das verletzungsbedingte Fehlen von Abwehrchef Manuel Akanji machte sich bemerkbar, in einigen Situationen wackelte die BVB-Abwehr.

Aber dennoch: Dortmund ist gewappnet. Und das ist hilfreich, schließlich warten auf die Schwarz-Gelben schwere Aufgaben. Atletico ist der Auftakt für drei englische Wochen, die am 10. November mit dem finalen Showdown gegen den Erzrivalen FC Bayern München enden. Dortmund muss wahrlich nicht bange sein.             

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer