Köln - Da sage noch einer, im RheinEnergieStadion gäbe es keine Spektakel. Mehr Spektakel als beim 3:2-Sieg des 1. FC Köln gegen die TSG 1899 Hoffenheim (Spielbericht) gab es statistisch gesehen in dieser Spielzeit noch nicht. Das Spiel riss die Zuschauer von ihren Sitzen und bescherte ihnen Highlights im Minutentakt. 42 Abschlüsse bedeuteten einen neuen ligaweiten Saisonrekord.

Dieses Spiel hatte alles, was der geneigte Fan sehen will. Es gab fünf Tore, zwei Elfmeter, einen Platzverweis, ein Traumtor von Jonas Hector nach einem Sprint übers halbe Feld, bei dem sechs Hoffenheimer nicht mitkamen (Topdaten zum Spiel). Es gab Emotionen, Spannung und herrlichen Kombinationen. Es war Fußball total.

Köln macht spielerische Fortschritte

Von den Hoffenheimern war man solche Auftritte ja schon gewohnt, vom 1. FC Köln bislang eher weniger. Doch auch die Domstädter haben sich weiter entwickelt. Die letzten Heimspiele gegen Frankfurt (4:2), Bremen (1:1) und nun auch gegen die Kraichgauer haben gezeigt, dass der Aufsteiger auch spielerische Fortschritte gemacht hat und durchaus auch technisch zu gefallen weiß.

Mit den sieben Punkten aus diesen drei Heimspielen und nun insgesamt 33 Zählern auf dem Konto sieht es in Sachen Klassenerhalt sehr gut für den 1. FC Köln. Aus dem Heimkomplex ist in den letzten vier Monaten sogar eine gewisse Heimstärke erwachsen. Seit sieben Partien vor eigenem Publikum ist der FC nun ungeschlagen. Jetzt zeigt sich, dass die Mannschaft von Peter Stöger eben doch auch aus den vielen Unentschieden ihre Sicherheit gewonnen hat. Mehr noch, der FC geht auch verstärkt Risiken ein.

18 Torabschlüsse verbuchte die Geißbock-Elf gegen Hoffenheim, vorher waren es nur durchschnittlich elf pro Spiel. Schon bei der letzten Auswärtspartie in Freiburg waren es 19 gewesen. Die Mannschaft traut sich etwas zu und wird dafür belohnt. "Wenn sie punkten muss, ist die Truppe in dieser Saison immer da gewesen", freute sich FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke über den Dreier gegen den Europa-League-Kandidaten. "Wir haben nicht nur gut verteidigt, sondern auch gut nach vorne gespielt."

Starke Japaner beim FC

Der Schachzug des Trainers, gegen Hoffenheim die beiden Japaner Kazuki Nagasawa und Yuya Osako von Beginn an zu bringen, entpuppte sich als Volltreffer. "Osako war überragend. Jetzt hat auch der Letzte erkannt, was für ein fantastischer Fußballer der Junge ist", verteilte Schmadtke ein Extra-Lob. Der Japaner holte den Elfmeter heraus, der zur 1:0-Pausenführung durch Matthias Lehmann führte. Nach dem Seitenwechsel legte er Anthony Ujah das 2:0 maßgeschneidert auf.

Getoppt wurde das Ganze aber noch durch das wunderschöne Tor zum 3:1 von Jonas Hector, der sich an der Mittellinie die Kugel schnappte und das Hoffenheimer Tor ansteuerte. "Ich bin immer weiter gelaufen und kam dann aus der Nummer nicht mehr raus", lachte der Jungnationalspieler nach dem Spiel. Fünf Hoffenheimer Feldspieler plus Torwart konnten den Antritt Hectors nicht bremsen, der beim Abschluss auch noch das Glück des Tüchtigen hatte. Seinen Schuss fälschte Hoffenheims Verteidiger Ermin Bicakcic unhaltbar ab.

Auch Jonas Hector hat in der Rückrunde noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. "Man wächst an seinen Aufgaben", sagt der dreifache Nationalspieler durchaus selbstbewusst. "Ich will mehr Verantwortung auf und außerhalb des Platzes übernehmen." Solche Worte und vor allem Taten hört und sieht sein Trainer gerne. Noch ist der Klassenerhalt zwar nicht perfekt. Doch es fehlen nur noch drei, vier Punkte, um sicher gehen zu können. Bei der Konstanz, mit der die Kölner seit Wochen ihre Leistung abrufen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die kommende Bundesliga-Saison definitiv geplant werden kann.

Tobias Gonscherowski