
"Es kann jeder vor uns Angst haben"
Im letzten offiziellen Test auf deutschen Boden vor der Abreise in die USA weiß die DFB-Elf beim 4:0-Erfolg über Finnland zu überzeugen, insbesondere die jungen Spieler stechen dabei heraus. Und dann wäre da natürlich noch Deniz Undav, der jenseits des Atlantik vielleicht doch mehr sein könnte als ein Rollenspieler.
Zwar rieb sich Deniz Undav unmittelbar nach dem 4:0-Erfolg der DFB-Elf über Finnland im Interview am Sonntagabend einmal kurz die Augen, wirklich müde wirkte der Stürmer des VfB Stuttgart aber nicht. Dabei hatte der 29-Jährige im letzten Testspiel vor der Reise in die USA - anders als noch im Vergleich mit Ghana (2:1) - in der Startelf gestanden und sich bis zu seiner Auswechslung nach einer knappen Stunde überaus erfolgreich in jeder einzelnen Situation abgerackert.
Am Ende reichte es für zwei Treffer (34. und 57.), eine Vorlage beim Tor von Florian Wirtz (48.) und die Genugtuung, Bundestrainer Julian Nagelsmann gezeigt zu haben, dass er eben doch mehr sein kann als ein Rollenspieler von der Bank. Er hat auch die Power für ein Spiel von Beginn an. "Wenn du zwei Tore machst und einen vorlegst, spielst du dich nicht aus der Mannschaft", ließ der Bundestrainer hinterher jedenfalls verlauten. "Ich finde Deniz war sehr gefährlich und hat ein gutes Spiel gemacht."
"Es kann jeder vor uns Angst haben"
Ein gelungener Auftritt also von Undav, der selbst von einem "10/10-Abend", sprach, Bedenken wegen seiner Auswechslung aufgrund von Problemen in der "unteren Arschbacke" zur Seite wischte und eine klare Ansage in Sachen Ziel bei der Weltmeisterschaft machte: "Den Pokal holen, den WM-Titel."
Den würden auch gerne andere Spieler aus der Mannschaft einheimsen, gerade die junge Fraktion in der Nationalelf wirkte beim Test in Mainz heiß auf Erfolge und wusste Eigenwerbung zu betreiben. "Wir Jungen sind gierig und haben Bock zu zeigen, was wir draufhaben. Das haben wir Jungen heute gut hinbekommen und die Alten unterstützen uns dabei. Wir haben ein gutes Miteinander", fasste Bayern Münchens Aleksandar Pavlović zusammen und strahlte wie Undav Selbstbewusstsein aus: "Es kann jeder vor uns Angst haben."
Eben jene Angst hat Pavlovićs Münchner Teamkollege Lennart Karl eben nicht, wenn er auf dem Platz in die Zweikämpfe mit den Gegenspielern geht. Wie schon in der Liga, drehte der 18-Jährige auch gegen Finnland auf und wusste das Mittelfeld auf dem Weg nach vorne immer wieder schnell zu überbrücken. "Frech Fußballspielen und sich nichts scheißen", sei sein Motto, so Karl. "Ich will den Spielwitz von meinem Jugendfußball übertragen.
Der Konkurrenzkampf passt
Das klappte am Sonntagabend schon einmal sehr vorzüglich, wodurch letztlich auch die Fans auf den Tribünen mitgenommen wurden und ihr Team stimmungsvoll auf die Reise über den Atlantik in Richtung Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko schickten.
Dort soll dann Wiedergutmachung betrieben werden für die vergangenen beiden - aus deutscher Sicht - verkorksten Ausgaben. Eine ordentliche Truppe scheint Nagelsmann dafür zusammengestellt zu haben, wie auch der in Mainz auffällige Frankfurter Youngster Nathaniel Brown noch einmal bestätigte: "Wir haben einen offenenen Konkurrenzkampf. Es ist gut, dass wir uns einfach pushen." Dann kann sie ja beginnen, die Jagd nach dem "American Dream" vom fünften deutschen WM-Titel.


