Frankfurt/Köln - Der deutsche Fußball stellt sich geschlossen gegen den Beschluss des Bremer Senats, nach dem die DFL künftig die Polizeieinsätze in Bremen bezahlen soll. Dabei investieren Ligaverband, DFB und die 36 Proficlubs schon jetzt jährlich mehr als 25 Millionen Euro in Sicherheit und präventive Fanarbeit.

"Der Bremer Alleingang ist mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar. Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist allein Aufgabe des Staates, zumal Fußball-Vereine und -Verbände keinesfalls Verursacher oder Veranlasser von Gewalt sind“, sagt Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball zu dem Bremer Gesetzesvorschlag.

Laut der Bremer Gesetzesvorlage soll die DFL als Veranstalter der Bundesliga künftig in Bremen bei Risikospielen mit höherem Polizeiaufkommen die Kosten für den Einsatz der Beamten bezahlen. Ein Vorstoß, den unter anderem auch Innenminister Dr. Thomas de Maizière kritisiert. "Die Probleme im Zusammenhang mit Fußballspielen können im Kern nicht dem Veranstalter, sondern müssen in erster Linie den Gewalttätern zugerechnet werden. Infolgedessen ist eine Kostenpflicht für Veranstalter nicht zielführend und lenkt vom eigentlichen Problem ab“, sagt der CDU-Politiker.

Sicherheit ist Aufgabe des Staats

"Aus unserem Verständnis wird an den Grundfesten der Aufgaben- und Rollenverteilung in Deutschland gerüttelt, was das Thema Sport und Sicherheit betrifft“, sagt Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach fügt an: "Gerade der Fußball spült Jahr für Jahr Millionenbeträge in die öffentlichen Kassen und soll nun zusätzlich belastet werden für Leistungen, die ursächlich Angelegenheit der öffentlichen Hand sind. Faktisch ist dies eine Doppel- und Dreifach-Besteuerung.“ Zumal sich das Land Bremen mit seiner Entscheidung gegen gemeinsam getroffene Absprachen von Ligaverband und DFB mit der Innenministerkonferenz der Länder stellt und die in großen Teilen bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen des Fußballs zur Prävention und Einzeltäter-Aufklärung offenkundig ignoriert.

Bereits im April 2010 hatten Ligaverband, DFL und DFB bei einem gemeinsam mit dem Bundesminister des Innern initiierten Runden Tisch unter Teilnahme von Landesinnenministern und hochrangigen Polizei-Vertretern den "Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit im Fußball“ präsentiert. Seitdem wurden die in Berlin vorgestellten und in Abstimmung mit der Innenministerkonferenz der Bundesländer im Mai 2013 erweiterten Maßnahmen konsequent umgesetzt.

11 Mio. Euro für Fanarbeit

Der Zehn-Punkte-Plan setzt unter anderem auf eine Verbesserung der Kommunikation zwischen allen am Fußball beteiligten Parteien und einen intensiven Dialog mit den Fans. Zudem wurde die Fanarbeit in den Clubs durch die verbindliche Einführung hauptamtlicher Fan- und Sicherheitsbeauftragter sowie Qualifizierungsmaßnahmen für die Fanbeauftragten deutlich verbessert.

Ferner wurde eine deutliche Anhebung der Ausgaben für präventive Fanarbeit durch DFB und Ligaverband auf mehr als elf Millionen Euro jährlich beschlossen. Zusammen mit den Ausgaben der Clubs für die privaten Ordnungsdienste, die in den Stadien für Sicherheit sorgen, gibt der Fußball insgesamt mehr als 25 Millionen Euro pro Jahr in diesem Bereich aus. Zahlreiche Clubs haben zudem ihre Infrastruktur verbessert und in technische Hilfsmittel zur besseren Täteridentifizierung wie Videokameras mit spezieller Zoom-Einrichtung vor Fankurven oder im Außenbereich investiert.

Sport ist bedeutender Wirtschaftsfaktor

Sportveranstaltungen bedeuten auch für die Kommunen und den Staat einen immensen Wirtschaftsfaktor. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey sorgt die Bundesliga unter anderem bei Verkehrsbetrieben, Gastronomie, Hotels oder  Sportartikelherstellern jährlich für eine Wertschöpfung von fünf Milliarden Euro in Deutschland. Die Deutsche Sporthochschule in Köln hat ermittelt, dass rund 1,8 Millionen Menschen hierzulande einen Arbeitsplatz durch sportbezogene Aktivitäten haben. Der Staat nimmt, laut der Studie, jährlich fünf Milliarden Euro mehr durch den Sport ein als die öffentliche Hand für diesen ausgibt.

Ein gesellschaftliches Ereignis

Fußball ist vor allem auch ein gesellschaftliches Ereignis. Jährlich kommen mehr als 17 Millionen Menschen allein zu den Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga. Bei großen Turnieren wie zuletzt der Weltmeisterschaft in Brasilien sorgt der Fußball für ein einmaliges Gemeinschaftserlebnis, wenn Millionen Fans zusammen vor den Bildschirmen mitfiebern oder auf den Straßen feiern.

"Der Fußball, insbesondere die Bundesliga, hat eine große gesellschaftliche Bedeutung und trägt damit auch große Verantwortung“, sagt Rauball. "Dem versuchen Clubs und Liga mit einer Vielzahl an Maßnahmen gerecht zu werden. Das wird dokumentiert durch viele öffentlichkeitswirksame Aktionen beispielsweise gegen Rassismus, für Fairplay, gegen den Hunger in der Welt. Wir unterstützen andere Sportarten, die weniger privilegiert sind. So, wie dies in der Kooperation der Bundesliga-Stiftung mit der Deutschen Sporthilfe gemacht wird.“ Die Clubs, die Bundesliga-Stiftung und Stiftungen von Spielern setzen hierfür freiwillige Mittel im Wert von 20 Millionen Euro pro Jahr für soziale Projekte ein.

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