Hannover - Als Wolfgang Stark die Partie in Hannover mit dem letzten Pfiff der Saison beendete, dauerte es nur einen Augenblick - im wahrsten Sinne des Wortes - bis die Spieler des Sport-Clubs Freiburg enttäuscht und traurig zu Boden sanken. Fünf Minuten hatte der Schiedsrichter nachspielen lassen, aber mehr als eine Ergebniskorrektur auf 1:2 exakt 100 Sekunden vor dem Abpfiff durch Nils Petersen sprang für die Gäste aus dem Breisgau nicht heraus. Auf den anderen Plätzen war zu diesem Zeitpunkt bereits Schluss, und so genügte den Spielern dieser eine Blick Richtung Bank um zu begreifen, dass fremde Hilfe ausgeblieben war. Der baden-württembergische Konkurrent VfB Stuttgart (2:1) hatte seine Partie in Paderborn ebenso gewonnen wie der Hamburger SV (2:0) gegen Schalke 04.

Ausgangsposition nach zwei Minuten Makulatur

Dabei hatte der SC dank des überraschenden 2:1-Erfolgs über Rekordmeister FC Bayern München am 33. Spieltag neben Hertha BSC im Abstiegskampf die besten Karten. Bereits ein Remis bei Hannover 96 hätte den Klassenerhalt bedeutet. Doch diese Konstellation war bereits nach zwei Minuten und neun Sekunden Makulatur. Hiroshi Kiyotake köpfte im Duell des Rückrunden- gegen den Vorrunden-Letzten die 96er, die einen Dreier zum Klassenerhalt benötigten, in Führung.

"Symptomatisch für eine total verkorste Saison"

Ein Eigentor von Pavel Krmas, von dessen Körper der Ball nach einer Glanzparade seines Keepers Roman Bürki ins eigene Tor zurückprallte, brachte in der 84. Minute die Vorentscheidung zu Gunsten der Gastgeber. Spätestens in diesem Moment begann das Schielen der Breisgauer darauf, was die Konkurrenz machte. "Das war symptomatisch für eine total groteske Saison", so ein enttäuscher Christian Streich auf der abschließenden Pressekonferenz. Den Freiburger Coach konnte auch das Kompliment seines Gegenübers nicht trösten. "Es ist nicht so, dass hier heute die bessere Mannschaft gewonnen hat", analysierte Michael Frontzeck. "Es tut mir Leid für die Freiburger. ich hatte dort zwei glückliche Jahre", so der 96-Coach, der von 1997 bis 1999 zwei Jahre für den SC die Stiefel geschnürt hatte.

"Freiburg ist ein großer Verein"

"Der SC Freiburg ist ein großer Verein, ein kleiner Verein, aber ein großer Verein - vom Wesen her", rang Streich nach Worten. Nach dem Spiel hatte der 49-Jährige das getan, was er immer getan hat: sich vor seine Spieler gestellt. Während die schwer enttäuscht in der Kabine hockten, bediente Streich die TV- und Hörfunk-Teams im Alleingang.

"Acht Kollegen habe ich Interviews gegeben", summierte der SC-Coach als er dann vor die schreibende Zunft trat. "Und wissen Sie was? Alle haben mich gefragt, ob ich weitermache. Das gibt mir zu denken. In was für einer Welt leben wir denn? Ich habe einen Vertrag und den werde ich erfüllen. Das ist doch wohl völlig normal. Daher verwundert mich diese Frage."

Frontzeck: "Sehen uns in zwei Jahren wieder"

Steich ist sicher, "dass uns einige Spieler verlassen werden. Das tut weh, denn wir haben eine gute Mannschaft", weiß Streich um die Gegebenheiten des Geschäfts. Namen wollte er allerdings keine nennen. "Neue Spieler brauchen leider meist ein Jahr, ehe sie das Modell Freiburg verinnerlicht haben. Aber ich bin sicher: Wir kommen zurück." Ob schon nach der kommenden Saison ließ der Trainer offen. Anders Frontzeck. "In zwei Jahren sehen wir uns in der Bundesliga wieder", gab der 96-Coach seinem Kollegen mit auf den Weg. Streich konnte sich noch zu einem letzten Lächeln durchringen, dann konnte auch er die Tränen nicht mehr zurückhalten. Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs