Zusammenfassung

  • Dortmund gewinnt in Mainz im ersten Spiel unter neuer Leitung mit 2:0.

  • In der Bundesliga bedeutet der Borussia-Erfolg den ersten Sieg seit Ende September.

  • Stöger dreht bereits an den nötigen Stellschrauben.

Mainz - Klaus Hafner, der Stadionsprecher des 1. FSV Mainz 05, ist immer für einen lockeren Spruch gut. Auch am Dienstagabend war das so, kurz vor dem Anpfiff der Partie der Mainzer gegen Borussia Dortmund. Als der neue BVB-Trainer Peter Stöger in seine Coachingzone ging, sagte Hafner: "Wir begrüßen Herrn Stöger, er kennt sich ja gut aus und ist auf die richtige Trainerbank gegangen. Er war ja auch erst kürzlich hier." Vor dreieinhalb Wochen war Stöger noch Kölner Trainer und verlor 0:1 in Rheinhessen.

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Vor zehn Tagen dann trennten sich der FC und Stöger. Und da die Borussia am letzten Wochenende nach dem 1:2 gegen Bremen den Niederländer Peter Bosz entließ und dem Wiener zutraute, den Absturz zu stoppen, stand der nun nach kurzer Zeitspanne erneut an der Linie eines Auswärtsteams in Mainz.

"Wir sind alle sehr erleichtert"

Peter Stöger nimmt schon Einfluss auf das BVB-Spiel © gettyimages / Daniel Roland/AFP

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Diesmal aber wird der 51-Jährige den Auftritt besser in Erinnerung behalten, zum Debüt durfte er sich über ein 2:0 (0:0) freuen. Für drei Punkte hatte er mit den Geißböcken 14 Spiele gebraucht. So schnell kann es in einem Trainerleben gehen: Statt Kult in Köln von heute auf morgen Coach in Schwarz-Gelb. Ganz geheuer ist der rasante Tausch der Vereinsfarben Stöger noch nicht. "Das ist schon eigen, auch jetzt muss ich das noch sagen", gab er zu.

Als Shinji Kagawa das 2:0 erzielte und somit kurz vor dem Abpfiff den Sieg perfekt machte, nahm der Österreicher sogar die Hände aus den Jeans. Wie hätte er auch sonst das Gleichgewicht halten sollen? Die Borussen, die auf der Ersatzbank mitzitterten, fielen ihm vor Freude um den Hals wie nach einem Titelgewinn. Auch Michael Zorc, der Dortmunder Sportdirektor, nahm Körperkontakt auf. Vor zwei Wochen noch hätte sich wohl keiner der beiden träumen lassen, am 16. Spieltag gemeinsam einen BVB-Sieg zu feiern. Das gab der Gefeierte hinterher auch zu: "Wir sind alle sehr erleichtert."

Video: Borussia-Hoffnungsträger Stöger

Die Null muss stehen

Dortmund kann noch gewinnen - und Stöger auch. Das ist ein Anfang, der Mut macht für die zunächst bis Saisonende fixierte Zusammenarbeit. Aber der neue Übungsleiter ist keiner, der deshalb gleich in die Rolle des Heilsbringers schlüpft. Peter Bosz habe ihm viel Positives hinterlassen. Kapitän Marcel Schmelzer erzählte, Stöger habe den Spielern eingeimpft, nicht so einfach Gegentore herzuschenken - hinten müsse die Null stehen. Das ist gelungen, weil die Borussia zum einen nicht in Rückstand geriet (Suat Serdars Schuss in der 7. Minute traf nur die Latte) und die Führung durch Sokratis kurz nach der Pause der Elf zum anderen Sicherheit gab.

Und weil Julian Weigl als einziger Sechser im 4-3-3-System seine Rolle wesentlich defensiver interpretierten durfte als zuletzt. Als es galt, den Vorsprung zu verteidigen, wechselte Stöger in Mahmoud Dahoud gar einen zweiten Sechser für den Außenstürmer Christian Pulisic ein. "Ich war vor der Abwehr ein bisschen freier als zuletzt, das ist mir entgegen gekommen", freute sich Weigl. "Dass wir zu Null gespielt haben, ist wichtig für unsere Moral. Das müssen wir jetzt mitnehmen und daran anknüpfen", konstatierte Schmelzer.

Neuer Optimismus

Höhenflieger? Der BVB bleibt auf dem Boden © gettyimages / Simon Hofmann/Bongarts

Stöger ist ein Pragmatiker, der die Spielweise von den Fähigkeiten seiner Akteure abhängig macht. "Ich habe als Trainer noch nie etwas erfunden", sagte er: "Meine Spielidee ist die, die Spieler dort einzusetzen und so spielen zu lassen, wo und wie sie sich am wohlsten fühlen." In seinen ersten 48 Stunden drehte der neue BVB-Trainer an kleinen Stellschrauben. Mehr Stabilität lautet sein Auftrag. Er vertraute dabei auch den bislang kritisierten Defensivzugängen Ömer Toprak und Jeremy Toljan, die solide verteidigten. Nun geht es am Samstag zum Abschluss der Hinrunde gegen die im Vergleich zu Mainz offensivstärkeren Hoffenheimer. Dank Stöger herrscht wieder vorsichtiger Optimismus in Dortmund.

Tobias Schächter

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