Florian Neuhaus feiert sein Tor zum 2:0 für die Borussia - imago/Jan Huebner
Florian Neuhaus feiert sein Tor zum 2:0 für die Borussia - imago/Jan Huebner
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Plötzlicher Dreikampf: Borussia Mönchengladbach greift ins Meisterrennen ein

Köln - Borussia Mönchengladbach hat sich mit dem Sieg bei Schalke 04 ins Meisterschaftsrennen eingeschaltet. Aus dem Zweikampf zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ist ein Dreikampf geworden.

Lars Stindl hatte sich gerade noch ein paar Kohlenhydrate für Borussia Mönchengladbachs Angriff im Meisterrennen reingeschaufelt, als er die prominente Konkurrenz überraschend stolpern sah. "Beim Essen vor dem Spiel lief ein bisschen Bundesliga, und dann verfolgst du natürlich die Ergebnisse der anderen", sagte der Stürmer, nachdem sein Team Schalke 04 mit 2:0 (0:0) verputzt hatte. Aus dem Zweikampf zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ist ganz plötzlich ein Dreikampf geworden.

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Richtig euphorisch wurden die Gladbacher dennoch nicht. "Die momentane Tabellensituation ist natürlich ein schöner Nebeneffekt. Darüber freuen wir uns auch", sagte Stindl, ehe die große Einschränkung kam: "Aber es lohnt sich noch nicht, sich damit zu beschäftigen, was im Sommer sein wird." Das Thema Champions League wolle die Borussia "nicht kategorisch ausschließen". So geht Understatement. Und als Gewinner des Spieltages kann man sich das schon mal leisten.

Kramer versenkt den Ball im Schalker Tor - imago/Team 2

Denn während der BVB beim 1:1 (1:1) bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt trotz bester Torchancen nur einen Punkt holte, kassierte Bayern München bei Bayer Leverkusen gar ein 1:3 (1:0) und seine schon vierte Saisonniederlage. Gladbach zog dadurch an den nun punktgleichen Bayern (beide 42) vorbei und ist erster Verfolger der Dortmunder (49 Zähler).

Bei den Bayern gab sich Trainer Niko Kovac nach der eigenen Pleite schon mit dem Versagen des Erzrivalen zufrieden. "Das einzig Positive ist, dass Dortmund nicht drei Punkte geholt hat. Jetzt sind es sieben Punkte Rückstand, aber sieben Punkte sind auch nicht wenig", sagte der 47-Jährige. Was Kovac zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte: Gladbach sollte sich wenig später in den illustren Kreis der Meister-Kandidaten gesellen. Dort muss der Rekordmeister übrigens am 2. März (18.30 Uhr/Sky) zum Auswärtsschlager antreten.

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In Mönchengladbach ist der große Kontrahent der 1970er-Jahre jedoch beileibe nicht das Gesprächsthema Nummer eins. Erster Titelanwärter bleibt für die neuen Jäger Tabellenführer Dortmund. "Sie sind schon für nicht wenige der Favorit. Bayern kann zwar mit seiner Qualität vieles schaffen", sagte Abwehrspieler Matthias Ginter: "Aber es würde mich wundern, wenn Dortmund nicht Meister wird." Doch Ginters alten Teamkameraden sind ähnliche Bekenntnisse nur schwer zu entlocken.

Christoph Kramer brachte die Borussia kurz vor Schluss auf die Siegerstraße - imago/Laci Perenyi

Kapitän Marco Reus, der in Frankfurt im Alleingang den Vorsprung auf Bayern auf neun Punkte hätte ausbauen können, wagte sich zumindest etwas vor. "Wenn wir bis zum Ende weiter da oben stehen, dann bleibt uns ja nichts anderes übrig, als das anzunehmen", sagte er bei Sky: "Wir tun jetzt auch nicht so, als würden wir es nicht wollen." Gewollt haben vor allem die Fußball-Fans einen spannenden Meisterkampf nach den Jahren der eintönigen Bayern-Dominanz.

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Als Überraschungsgeschenk bekommen die Anhänger gleich ein Dreierrennen, in dem Gladbach die Mannschaft der Stunde ist. Mit der besten Zwischenbilanz nach 20 Spielen seit 42 Jahren und schon zehn Partien ohne Gegentor darf man durchaus nach Höherem streben. Das räumte selbst Gladbach-Coach und Chef-Skeptiker Dieter Hecking ein: "Natürlich sind wir ambitioniert und würden es gerne am 33. Spieltag so sehen, wie es jetzt ist."

SID