Zusammenfassung

  • Jadon Sancho überzeugt in seinem ersten Spiel von Beginn an für Borussia Dortmund

  • Der junge Engländer macht die meisten Sprints beim BVB und hat eine starke Passquote

  • Manchmal ist Sancho noch zu verspielt, weiß sein Trainer Peter Stöger

Dortmund - Nur wenige Zentimeter fehlten, und Jadon Sancho hätte sein Startelf-Debüt für Borussia Dortmund perfekt abgerundet. Nach 53 Minuten zirkelte er den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor, traf aber nur den Pfosten. Bei der Nullnummer gegen den VfL Wolfsburg war der unbekümmerte Auftritt des erst 17-jährigen Engländers trotzdem ein Lichtblick für Trainer Peter Stöger.

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Irgendwie hatte es sich in den letzten Tagen schon angekündigt. Er habe "richtig gute Qualität" und "einen großen Schritt nach vorne" gemacht, stellte Peter Stöger seinem Youngster Jadon Sancho im Winter-Trainingslager in Marbella ganz ausdrücklich ein dickes Lob aus. In den Testspielen gegen Fortuna Düsseldorf und Zulte Waregem konnte er auf dem linken Flügel zweimal überzeugen und Akzente setzen. Die logische Konsequenz: Als Christian Pulisic zum Rückrundenauftakt gegen Wolfsburg verletzt passen musste, schenkte der Trainer dem 17-Jährigen von Beginn an das Vertrauen und gab ihm damit auch den Vorzug vor Weltmeister André Schürrle.

Eine Premiere der besonderen Art für Sancho, der zuvor in der Bundesliga erst zweimal zu einem Kurzeinsatz gekommen war. Sechs Minuten gegen Frankfurt, zehn Minuten gegen die Bayern – überschaubare Einsatzzeiten, seit er im Sommer nach zwei Jahren bei Manchester City zur Borussia gewechselt war. Bei Stöger aber hat er sich im Training immer mehr in den Fokus gespielt. Und der Coach hat sich als Fan des U 17-Europameisters geoutet, der als eines der größten Talente der Bundesliga gilt: "Er ist ein sehr, sehr talentierter, relativ junger und ungestümer Bursche, stark im Eins-gegen-Eins."

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Vor allem erstaunlich unbekümmert war es dann auch, wie Sancho seine Startelf-Premiere gegen Wolfsburg anging. Mutig spielte der Engländer auf, versteckte sich trotz einiger Stockfehler nicht, arbeitete defensiv gut mit und ließ sein Offensivpotenzial immer wieder aufblitzen. Nach 90 Minuten verbuchte er auch in der Statistik gute Zahlen. 60 Ballkontakte und vier Torschüsse samt Pfostentreffer standen für ihn zu Buche. 39 Sprints und 92 intensive Läufe waren sogar Bestwert im Dortmunder Team. Richtig stark auch seine Passquote von 90 Prozent.

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Sanchos stärkste Waffe, das meint auch Stöger, ist seine individuelle Qualität im Dribbling. Und das bekam am Sonntag auch der VfL zu spüren. Frech leitete der 17-Jährige eine der Großchancen von Yarmolenko nach 22 Minuten mit einem Beinschuss gegen einen verdutzten Wolfsburger ein. Auf der anderen Seite liegt gerade hier aber auch noch das Risiko im Spiel des technisch starken Offensivjuwels. "Manchmal ist er noch ein bisschen zu verspielt und noch zu wenig auf den Endzweck aus", hat sein Trainer festgestellt.

"Wir waren so verwegen und haben ihn länger unter Beobachtung gehabt, haben es aber überraschender Weise nicht geschafft, ihn nach Köln zu holen." Peter Stöger

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Wann also lieber abspielen, wann selbst den Torabschluss suchen – daran wird Peter Stöger mit ihm arbeiten. Das Gleiche gilt für die Zweikampfführung des Youngsters. Bei seinem Startelfdebüt gewann er nur fünf seiner 17 Zweikämpfe; knapp 30 Prozent sind ausbaufähig. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser hochtalentierte Jadon Sancho mit seinem Bundesligadebüt den nächsten Schritt gemacht hat. Nach einem guten halben Jahr ist er beim BVB angekommen und hat sich zu einer echten Alternative entwickelt – auch dank Stöger. Der hatte vor kurzem mit einem Augenzwinkern verraten, dass er schon länger auch als Trainer des 1. FC Köln ein bekennender Fan des Engländers war: "Wir waren so verwegen und haben ihn länger unter Beobachtung gehabt, haben es aber überraschender Weise nicht geschafft, ihn nach Köln zu holen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte