Zusammenfassung

  • Arjen Robben ist ist der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Bundesliga-Geschichte

  • Auf Schalke feierte der Niederländer seinen 150. Bundesliga-Sieg - keiner brauchte dafür weniger Spiele

  • Niko Kovac schwärmt von seinem Routinier und Vollblutprofi

Köln – In der Kunst stehen Autoren und Musikern Zahlungen für jede Aufführung oder Wiedergabe des eigenen Werkes zu. Diese Vergütung wird Tantieme genannt. Gäbe es im Fußball eine ähnliche Regelung, der Unterhalt der Familie Robben wäre auf Generationen gesichert. Der Star des FC Bayern München prägt seit zehn Jahren das Spiel der Bundesliga und sein Markenzeichen ist weltberühmt. Nun verkündete Robben seinen Abschied vom FC Bayern zum Saisonende.

"Zehn Jahre ist eine superschöne und lange Periode gewesen. Ich bin dann im Sommer 35 Jahre alt und ich glaube, dass es für alle gut ist – für mich und den Verein auch. Es ist auch eine Gefühlssache. Ich bin immer noch sehr glücklich beim Verein, aber es kommt auch der Punkt, wo man sagt, jetzt ist es okay", so Robben.

>>> Arjen Robben: "Mit mindestens einem Titel verabschieden" (Interview auf fcbayern.com)

Jeder Fußball-Fan weiß, was gemeint ist, wenn von einem Robben-Tor gesprochen wird. Da ist es auch unerheblich, ob der Niederländer den Treffer wirklich selbst erzielt.

Auch, wenn jede Woche von der Bundesliga bis in die Kreisliga Robben-Tore fallen: Niemand zieht so schön von der Außenbahn nach innen und nagelt den Ball ins lange Eck wie Arjen Robben persönlich. Zahllose seiner bislang 98 Bundesliga-Tore hat der mittlerweile 34-Jährige auf diese Art erzielt. Das Erstaunliche dabei ist, dass seine Gegenspieler eigentlich genau wissen, was gleich kommen wird, aber es ist einfach unglaublich schwer zu verteidigen.

Video: Robbens Signature-Move

Robbens Torquote sucht ihresgleichen

Die Quote des Niederländers ist dabei atemberaubend. Durchschnittlich alle 142 Minuten erzielte Arjen Robben in seiner Bundesliga-Karriere einen Treffer – das ist für Mittelfeldspieler historischer Bestwert. Und die Liste der Bundesliga-Spieler, die im Schnitt noch weniger Zeit für einen Treffer brauchten, liest sich fast wie eine Top-Liste der besten Bundesliga-Stürmer der Geschichte. Nur Gerd Müller, Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang, Marcio Amoroso, Timo Konietzka, Mario Gomez, Luca Toni, Edin Dzeko, Patrick Helmes, Roy Makaay und neuerdings der Dortmunder Paco Alcacer haben einen besseren Minutenschnitt. Sieben der elf Spieler waren auch mindestens ein Mal Torschützenkönig in der Bundesliga.

"Robben und Ribery sind Legenden des FC Bayern. Sie bekommen ein eigenes glorreiches Kapitel in unserer Geschichte." Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München)

Helmes und Makaay sind mit 139 Spielminuten pro Tor auch noch absolut in Reichweite. Zumal Robben keineswegs nachlässt: Für seine ersten beiden Treffer an den ersten drei Spieltagen der laufenden Saison benötigte er nur 214 Einsatzminuten. Aktuell liegt sein Saisonschnitt mit drei Treffern bei 180 Minuten. Bei diesem Schnitt ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis Robben sein 100. Bundesliga-Tor erzielt. Er wäre nach Robert Lewandowski erst der zweite Ausländer in der Geschichte des Rekordmeisters, der diese Marke knackt.

>>> Robben nach dem 3. Spieltag im Interview

Als Niko Kovac im Sommer der Süddeutschen Zeitung ein Interview gab, schwärmte er in den höchsten Tönen von seinem Routinier: "Ich hatte schon viel von ihm gehört, aber er hat alle Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Was dieser Mann jeden Tag für seinen Beruf tut, ist faszinierend. So einer kann jungen Spielern was vorleben", sagte der neue Trainer der Bayern. Nach dem 5:1-Erfolg in der Champions League gegen Benfica Lissabon hatte Kovac noch mehr Grund zur Bewunderung: Robben nagelte den Portugiesen gleich zwei Buden rein.

Gleich doppelt schlägt Arjen Robben in der Champions League gegen Benfica Lissabon zu
Gleich doppelt schlägt Arjen Robben in der Champions League gegen Benfica Lissabon zu © gettyimages / Alex Hassenstein

Bundesliga-Rekord für Robben

Dabei wirkt Robben lockerer als in den Jahren zuvor. "Ich bin jetzt 34 Jahre alt und versuche, jeden Moment zu genießen. Manchmal musst du realisieren, wie glücklich du bist, dass du jedes Spiel hier in einer vollen Allianz Arena spielen kannst. Dann musst du das auch genießen", erklärt der Vater von drei Kindern. Und dann fügt er einen Satz an, der wie eine Kampfansage klingt: "Ich fühle mich sehr, sehr fit. Dann kann ich Spaß haben am Spielen."

Einen weiteren Meilenstein setzte Robben am 4. Spieltag gegen den FC Schalke 04. Das 2:0 in Gelsenkirchen war sein 150. Bundesliga-Sieg im 193. Spiel – so schnell erreichte kein anderer Akteur der Historie diese Marke. Und natürlich sind es nicht nur die Tore, die den Niederländer ausmachen, auch als Vorlagengeber glänzt der Linksfuß wie kaum ein anderer Spieler. In 198 Bundesliga-Spielen legte er 70 Tore auf, insgesamt war er damit bisher an 168 Bundesliga-Treffern der Bayern beteiligt. Nimmt man alle 305 Pflichtspiele zusammen, die Robben für den Rekordmeister in seiner Karriere bestritten hat, liegt der einstige Oranje-Star bei 255 Torbeteiligungen, zusammengesetzt aus 143 Toren und 112 Torvorlagen.

Legenden des FC Bayern

Wie sehr Robben und sein kongenialer Partner Franck Ribéry, vom Boulevard als "Robbery" bezeichnet, die Geschicke der Bayern im letzten Jahrzehnt bestimmt haben, zeigt auch die Hommage von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, die dieser auf der Jahreshauptversammlung des FCB zum Besten gab: "Das Duo Robbery bekommt ein eigenes glorreiches Kapitel in unserer Geschichte. Sie haben über 700 Spiele absolviert, dabei 261 Tore geschossen und 289 Vorlagen gegeben. Sie sind Legenden des FC Bayern." Und Robbens Signature-Move wird sicherlich auch in Jahrzehnten noch in jedem Zusammenschnitt über die größten Momente der Bayern-Historie zu sehen sein.

Florian Reinecke