
Teamcheck Union Berlin: Lust-rinelli auf Angriff!
Am 28. August geht es endlich wieder los! Vor dem Auftakt nimmt bundesliga.de alle Vereine im Teamcheck unter die Lupe, diesmal: der 1. FC Union Berlin – eisern neu gedacht!
In der letzten Saison war das größte Thema beim 1. FC Union Berlin nicht das, was auf dem Rasen passierte, sondern rundherum. Nach der Trennung von Trainer Steffen Baumgart trat Marie-Louise Eta die Übergangs-Nachfolge an und wurde somit die erste Trainerin der Bundesliga-Geschichte. Eta stabilisierte die Eisernen auf der Zielgerade und am Ende standen der Klassenerhalt und Rang elf.
Jetzt beginnt in Köpenick das nächste Kapitel – mit Mauro Lustrinelli an der Seitenlinie und einem neuen, offensiveren Fußball. Lustrinelli bringt dafür durchaus einen eindrucksvollen Nachweis mit: Den FC Thun führte er mit 80 Toren zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte. In Berlin soll es mit dem Schweizer nach vier Jahren wieder in die obere Tabellenhälfte gehen. Leicht wird der Weg dorthin allerdings nicht. Seit Urs Fischer hat es kein Trainer geschafft, dauerhaft Konstanz an die Alte Försterei zu bringen.

Vorbereitung: Ein Umbruch, der Zeit braucht
Der Schweizer will mit "Intensität, Dynamik und Energie nach vorne spielen" – und steht damit für einen klaren Stilwechsel. Die ersten Wochen haben gezeigt, dass dieser Prozess Zeit braucht: In acht Testspielen gab es nur einen Sieg gegen Optik Rathenow. Die Abstimmung in der neuen Viererkette passte noch nicht, das hohe Pressing funktionierte noch nicht ganz, zu wenig Ideen im letzten Drittel. "Wir sind darauf vorbereitet, dass es vielleicht auch ein bisschen ruckelt am Anfang", hatte Präsident Dirk Zingler angekündigt. Dass es ruckeln kann, zeigte sich auch zum Pflichtspielauftakt.
Beim 4:2 im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig lag Union zweimal zurück, bewies aber Moral und drehte die Partie durch Tore von Zeno van den Bosch, Tom Rothe und Joker Marin Ljubičić. "Das war auch immer wieder Thema in der Vorbereitung: mit Rückschlägen gut umzugehen und immer konzentriert weiterzuspielen", fasste Rani Khedira zusammen.
Der wichtigste Neuzugang: Emmanuel Latte Lath
In den vergangenen Jahren taten sich die Hauptstädter regelmäßig schwer, sich aus dem Spiel heraus Chancen zu erspielen, und waren häufig auf Standards angewiesen.
Der neue Hoffnungsträger für mehr Torgefahr heißt nun Emmanuel Latte Lath. Der 27-jährige Ivorer kommt leihweise von Atlanta United und soll Union mit Tempo, Tiefgang und Abschlussstärke beleben. Beim Pokalauftakt mit Ilyas Ansah im Sturmzentrum eingesetzt, blieb er allerdings noch weitgehend ohne Bindung zum Spiel. Dass Latte Lath weiß, wo das Tor steht, hat er vor seinem MLS-Wechsel mit 29 Treffern in 67 Spielen vor allem beim FC Middlesbrough bewiesen.
Auch darüber hinaus hat sich im Kader einiges getan. Mit Danilho Doekhi und Diogo Leite verloren die Eisernen zwei starke Innenverteidiger. Für Ersatz sorgen Stanley Nsoki, der fest verpflichtet wurde, Rückkehrer Marvin Friedrich und der junge Belgier Zeno van den Bosch. Im Mittelfeld soll zudem der erfahrene Schweizer Nationalspieler und Serie-A-Routinier Michel Aebischer für Stabilität sorgen.

Der Schlüsselspieler: Rani Khedira
Wenn Union seinen neuen Fußball auf den Platz bringen will, braucht es jedoch einen bereits etablierten Fixpunkt – und den verkörpert Rani Khedira. Der Mittelfeldspieler steht für Stabilität, Erfahrung und Führungsstärke und soll gleichzeitig eine zentrale Rolle im neuen Pressing- und Ballbesitzspiel einnehmen.
Khedira ist dabei mehr als nur der Abräumer vor der Abwehr. Er soll die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen im Blick behalten, das Pressing koordinieren und nach Ballgewinnen den ersten Impuls nach vorne setzen. Gerade weil Union in der Vorbereitung immer wieder zu große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen offenbarte, kommt dem 32-Jährigen eine Schlüsselrolle zu.

Die mögliche Startelf
Lustrinelli hat sich mit seiner Grundordnung bereits festgelegt: Viererkette, zwei zentrale Mittelfeldspieler und viel Bewegung davor. In der Vorbereitung setzte der Schweizer auf ein 4-2-3-1 oder je nach Spielsituation ein 4-4-2. "Aufgrund der Spieler im Kader muss die Formation auch flexibel sein", erklärte Lustrinelli zuletzt. Gegen Braunschweig setzte der Schweizer auf eine Mischung aus etablierten Kräften und Neuzugängen.
Im Tor dürfte Frederik Rønnow nach seiner Rückkehr die Nummer eins sein. Davor kämpfen vor allem Leopold Querfeld, Zeno van den Bosch, Stanley Nsoki und Marvin Friedrich um die Plätze in der Innenverteidigung. Auf den Außenbahnen bieten sich Tom Rothe und Josip Juranovic an. Im Zentrum sind Khedir und Aljoscha Kemlein aktuell die Haupt-Kandidaten für die Doppelsechs.
Offensiv könnte es auf den Flügeln auf Woo-yeong Jeong, Livan Burcu hinauslaufen. Im Sturm hat Latte Lath gute Chancen auf einen Stammplatz. Daneben ist der Konkurrenzkampf allerdings groß: Ilyas Ansah, Andrej Ilić, Oliver Burke und Marin Ljubičić kämpfen um ihre Chancen. Vor allem Ljubičić hat sich mit seinem Doppelpack samt Vorlage beim Pokalsieg in Braunschweig eindrucksvoll in den Vordergrund gespielt.
Voraussichtliche Aufstellung am 1. Spieltag:
Rønnow – Juranovic, Querfeld, van den Bosch, Rothe – Kemlein, Khedira – Jeong, Burcu – Latte Lath, Ansah