Jonas Hector steht vor seinem 300. Spiel im FC-Trikot - © Joosep Martinson/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
Jonas Hector steht vor seinem 300. Spiel im FC-Trikot - © Joosep Martinson/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
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Jonas Hector: Von der Regionalliga zur Legende beim 1. FC Köln

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Jonas Hector steht vor seinem 300. Spiel für den 1. FC Köln. Von der Regionalliga in die Bundesliga, mit zwei Abstiegen, zwei Wiederaufstiegen, einer Relegation und sogar mit einem goldenen Tor für die Nationalmannschaft: Die Karriere des heutigen FC-Kapitäns verlief alles andere als normal.

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Gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen strahlte Jonas Hector in die Kamera, der SV Grün-Weiß Aurica hatte soeben den Cup der Fans 2011 gewonnen. Bereits 2009 trat der damals 19-Jährige mit seinen Freunden vom SV Auersmacher beim Fan-Turnier des DFB an, zwei Jahre später hielt er den Pokal in die Höhe. Das war der Startschuss einer steilen Karriere. Schon damals erkannte Turnier-Botschafter Bernd Hölzenbein das Talent des jungen Außenbahnspielers und ist seitdem auf der Suche "nach dem neuen Hector" bei diesem Wettbewerb.

2010 wechselte Hector von der Oberliga Südwest zum 1. FC Köln II, der in der Regionalliga vertreten war. Durch viele Ausfälle wurde der gebürtige Saarbrücker am 23. Spieltag der Saison 2011/12 erstmals in den Profikader des 1. FC Köln berufen, woran sich Hector noch heute gut erinnern kann: "Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht das Gefühl, das ich regelmäßig meine Chance bekomme. Das Spiel war mitten in der Saison und ich durfte auch nur ab und an mal mit den Profis trainieren. Mir hat der Abstieg der Lizenzspielermannschaft in die Karten gespielt, da der FC zu der Zeit sehr auf die Jugend gesetzt hat. Ich konnte meine Chance nutzen und mich in der Mannschaft festsetzen."

Hector im Spiel gegen den FC St. Pauli - imago sportfotodienst/imago sportfotodienst

Der Mann für die wichtigen Tore

Zwei Jahre später schaffte der FC den Aufstieg in die Bundesliga. In dieser Saison 2014/15 machte Hector fast jedes Spiel über 90 Minuten, verpasste nur den letzten Spieltag krankheitsbedingt und schoss seine ersten beiden Bundesliga-Tore (7. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt und 28. Spieltag gegen Hoffenheim).

Insgesamt kommt der 31-Jährige auf 23 Tore im Trikot der Rheinländer. Auch wenn das verhältnismäßig nicht gerade viele sind, waren schon einige Treffer entscheidend für den Verein: "Welches das Wichtigste war, kann ich gar nicht sagen. Das Tor gegen Mainz war natürlich wichtig, also der Treffer in Köln, der zur Europa-League-Qualifikation beigetragen hat. Das sind Tore, bei denen man im Nachhinein weiß, dass sie entscheidenden Einfluss hatten", erklärt Hector, der auch maßgeblich am Klassenerhalt in der letzten Saison beteiligt war: Am 30. Spieltag 2020/21 gegen Leipzig (2:1) schnürte er einen Doppelpack und im Relegationsrückspiel in Kiel (5:1) traf er zum 1:0 und bereitete das 4:1 vor. "Für mich persönlich war der Sieg in der Relegation gegen Kiel ein Tag, an den ich häufiger denke", so der FC-Kapitän.

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EM-Held aus Köln

Der rasante Durchbruch des jungen Kölners ließ auch den damaligen Bundestrainer Jogi Löw aufhorchen, der während seiner langen Amtszeit zahlreiche Talente in der Nationalmannschaft testete. Hector debütierte im November 2014 gegen Gibraltar im DFB-Team (mit der Erfahrung von nur elf Bundesliga-Spielen) – er wurde zum ersten Kölner Nationalspieler seit Lukas Podolski.

Sein persönlicher Höhepunkt in der Nationalmannschaft war ohne Zweifel die Europameisterschaft 2016. In Frankreich verpasste Hector keine einzige Minute und wurde im Viertelfinale gegen Italien mit einem Assist und dem letzten verwandelten Elfmeter im Elferschießen sogar zu einem der Helden. Ein Jahr später feierte "Schlaubi", wie ihn seine Teamkollegen aufgrund seines BWL-Studiengangs neben der Fußballerkarriere nannten, den Sieg des Confed Cup 2017 ebenfalls als Stammkraft. Im September 2020 erklärte er nach 43 Länderspielen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Entscheidender Elfmeter: Hector macht den letzten Treffer gegen Italien - imago sportfotodienst/imago/Sebastian Wells

Einmal Kölner, immer Kölner

Schon fast zwölf Jahre ist Jonas Hector ein fester Bestandteil des 1. FC Köln und hielt dem Verein selbst in kriselnden Zeiten die Treue. Das bewies er vor allem in der Saison 2017/18: Einen Tag nach dem fast sicher feststehenden Abstieg verlängerte Hector am 23. April 2018 seinen ohnehin bis 2021 laufenden Vertrag bis 2023 und machte von der Ausstiegsklausel keinen Gebrauch. Er machte es also wie einst Vereinsikone Lukas Podolski: Dieser blieb 2004 ebenfalls trotz Abstieg beim FC und schoss Köln im Jahr darauf zurück in die Bundesliga. Genauso machte es Hector auch und führte sein Team im Mai 2019 zur Meisterschaft der 2. Bundesliga und zum Aufstieg.

Wie sehr er sich in dieser Zeit entwickelt hat, weiß Hector zu schätzen: "Zu Beginn habe ich noch nicht so viel in der Kabine gesprochen. Das hat sich später geändert. Seit ein paar Jahren trage ich auch die Kapitänsbinde. Das trägt natürlich dazu bei, dass man sich die Bedeutung in der Mannschaft verändert und ich häufiger meine Meinung sage." Unter Andre Pawlak wurde Hector 2018/19 in der 2. Bundesliga zum Kapitän ernannt und führt dieses Amt seitdem aus.

Baumgart: "Jonas ist der wichtigste Spieler in diesem Verein“

Gegen die SpVgg Greuther Fürth steht Jonas Hector nun vor seinem 300. Spiel für den 1. FC Köln. Damit ist er der 20. Spieler in der glorreichen Vereinshistorie, der diese Marke erreicht. Vom aktuellen Kader hat nur Timo Horn mehr Spiele gemacht (328).

Cheftrainer Steffen Baumgart hat eine sehr klare Meinung zu seinem Kapitän: "Jonas ist der wichtigste Spieler in diesem Verein. Wir reden gerne über Tony und seine Tore. Aber Jonas ist derjenige, der vorangeht und sich auch in schwierigen Situationen immer stellt."

Unter Baumgart agiert Hector wieder als Linksverteidiger und fehlte in der aktuellen Saison nur zweimal. Mit vier Torvorlagen ist er zusammen mit Benno Schmitz bester Vorbereiter der "Geißböcke" und hat damit jetzt schon seinen persönlichen Rekord eingestellt. "Jonas gibt der Mannschaft viel Sicherheit. Die 300 Spiele kommen nicht von ungefähr. Es gab schon vor mir nie einen Trainer, der auf ihn verzichten wollte. Ich kann mir nur wünschen, dass dieser Spieler der Bundesliga noch lange erhalten bleibt. Ich glaube, er könnte auch 400 Spiele für diesen Club machen", prognostiziert Baumgart.

Trotz der ganzen Huldigungen bleibt Hector vor seinem großen Jubiläum gewohnt bescheiden: "Eine richtige Bedeutung hat es für mich nicht. In der heutigen Zeit ist es wahrscheinlich eher selten, dass ein Spieler 300 Partien für einen Verein absolviert."

Vom Cup der Fans und der Regionalliga zum nächsten Meilenstein in der Bundesliga. Das 300. Spiel wird für Jonas Hector ohne jeden Zweifel der nächste Schritt zur FC-Legende – falls er es nach dieser turbulenten Karriere nicht jetzt schon bei vielen Fans ist.