Bochum - Zum sechsten Mal will der VfL Bochum dem Abstieg aus der Bundesliga den direkten Wiederaufstieg folgen lassen.

Warum er die Rückrunde trotz des 8. Platzes optimistisch angeht, welche Rolle Trainer Friedhelm Funkel spielt und warum die Verjüngung dem Team gut getan hat - darüber spricht VfL-Kapitän Christoph Dabrowski mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Christoph Dabrowski, der VfL Bochum hält weiter am Ziel Wiederaufstieg fest - teilen Sie diesen Optimismus?

Christoph Dabrowski: Natürlich haben mich die letzten vier Wochen vor der Winterpause optimistisch gestimmt. Wir haben zwar keinen Zauberfußball gespielt. Aber man hat gesehen, dass sich etwas getan hat und ein echtes Team auf dem Platz steht. Das ist zunächst entscheidend. Und 28 Punkte zur Halbzeit der Saison hätte uns vor ein paar Wochen kaum noch jemand zugetraut. Das ist eine gute Basis für die Rückrunde.

bundesliga.de: Wer sind aus Ihrer Sicht die Hauptkonkurrenten im Aufstiegsrennen?

Dabrowski: In der Hinrunde hat es keine Mannschaft geschafft, sich abzusetzen. Acht, neun Mannschaften liegen sehr eng zusammen. Und wir selbst haben zum Ende der Hinrunde bewiesen, dass man mit vier Siegen in Serie einen Rückstand von elf Punkten auf die Tabellenspitze auf aktuell fünf Zähler verkürzen kann. Daran sieht man, dass bisher allen Vereinen auch ganz oben die Konstanz fehlte und sie ihre Probleme hatten. Und ich hoffe zugleich, dass wir unsere Probleme bereits hinter uns gelassen haben.

bundesliga.de: Waren Siege wie im letzten Spiel vor der Winterpause beim MSV Duisburg ein Beleg dafür, dass der VfL die Klasse hat, um ganz oben mitzumischen?

Dabrowski: Das Niveau und die Klasse haben wir auf jeden Fall, das hat man auch in vielen Spielen gesehen. Aber wir konnten es oft nicht über die gesamten 90 Minuten eines Spiels abrufen. Deswegen haben wir viele Punkte liegen lassen. Uns war aber von Anfang an klar, dass wir uns vor keiner Mannschaft verstecken müssen. Die vier Siege in den letzten vier Spielen vor der Winterpause haben noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen gegeben.

bundesliga.de: Diese Entwicklung war während der Hinrunde tatsächlich nicht immer so abzusehen. Woran liegt es, dass es auf einmal besser läuft für den VfL?

Dabrowski: Es ist immer schwierig, so etwas auf einen Grund zu reduzieren. Ein Knackpunkt war sicher unsere 1:4-Niederlage zuhause gegen Ingolstadt. Dieses Spiel gegen den Tabellenletzten war desaströs. Danach haben Vorstand und Trainer eine etwas härtere Gangart gewählt. In der Mannschaft ist zu diesem Zeitpunkt irgendwie ein Hebel umgelegt worden. Wir sind ab da viel mehr als Mannschaft aufgetreten. Der Trainer hat das Team zudem auf der einen oder anderen Position verändert. Er hat junge, unbelastete Spieler aufgeboten, die ihren Mann gestanden haben und unbekümmert aufgetreten sind.

bundesliga.de: Macht es besonders Spaß zu sehen, dass sich die jungen Spieler so gut integrieren?

Dabrowski: Ich wusste, dass wir viele gute junge Spieler haben. Ich habe selbst in der letzten Saison während einer Sperre bei der Zweiten Mannschaft gespielt. Da sieht man, was dort für ein Potenzial schlummert. Dass die Jungs es jetzt so schnell zu packen scheinen, freut mich umso mehr. Und sie tun uns als Mannschaft auch sehr gut.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt dabei Friedhelm Funkel? Hat er ein Händchen für junge Spieler?

Dabrowski: Außenstehende sagen ihm manchmal nach, dass er vor allem auf erfahrene Spieler setzt. Aber man sieht jetzt beim VfL, dass er kein Problem damit hat, junge Spieler einzubauen und ihnen das Vertrauen zu geben. Einige haben in der Hinrunde ihre Feuertaufe in der 2. Bundesliga schon bestanden. Ich erinnere mich auch an Funkels Arbeit in Frankfurt. Da hat er auch eine junge Mannschaft aufgebaut. Ich denke, er hat vor allem auch ein gutes Gespür, wann man ein Talent ins kalte Wasser werfen kann - und wann man besser warten sollte.

bundesliga.de: Wie kann man Funkel darüber hinaus in seiner Arbeit beschreiben?

Dabrowski: Friedhelm Funkel ist einfach ein richtiger Trainerfuchs! Er hat einen unglaublichen Erfahrungsschatz, der ihm in jeder Situation zugute kommt. Außerdem hat er das nötige Fingerspitzengefühl. Er strahlt unheimlich viel Ruhe auf die Mannschaft aus und lässt sich von seinem Weg nicht abbringen - ist die Situation auch noch so schwierig.

bundesliga.de: Junge Spieler werden eingebaut, auf der anderen Seite gehören Maric, Pfertzel, Grote und Mavraj der Mannschaft künftig nicht mehr an. Ist es generell eine richtige Entscheidung, den Kader umzustrukturieren und zu verkleinern?

Dabrowski: Wir sind im Sommer mit 28 Spielern gestartet, das ist eine Menge. Da kommt es zwangsläufig zu Härtefällen. Spieler müssen auf die Bank oder sogar auf die Tribüne und gehen unzufrieden nach Hause. Ist die Mannschaft im Umbruch, und die Ergebnisse bleiben aus, wird es natürlich unruhiger - das ist einfach so!

bundesliga.de: Ein Spieler, der mehr erreicht hat, als man ihm vielleicht so schnell zugetraut hat, ist Chong Tese. Hätten Sie gedacht, dass er so eine Entwicklung nimmt?

Dabrowski: Er war auch für mich eher ein unbeschriebenes Blatt, auch wenn er im Sommer bei der WM im Einsatz war. Wir können uns wirklich freuen, so einen Klassespieler für den VfL gewonnen zu haben, der zudem auch noch ein ganz offener Typ ist. Es macht wirklich Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er ist unheimlich motiviert, auch außerhalb des Platzes.

bundesliga.de: Acht Tore hat er bereits erzielt. Kann er dieses Niveau halten?

Dabrowski: Ich bin mir sicher, dass er noch gar nicht alles gezeigt hat, was in ihm steckt. Da ist noch jede Menge Potenzial. Tese hatte in der ganzen Hinrunde aufgrund von Knieschmerzen fast nie den Trainingsrhythmus, den er braucht. Wenn sich das ändert, er jede Einheit mitmachen kann, richtig fit ist und ohne Probleme spielen kann, kann er sicher noch viel mehr abrufen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte