
So wurde Miron Muslić zum Schalker Aufstiegs-Architekt
Erst die Maloche, dann der Macher. In der Hinrunde haben die "Knappen" ihrem Spitznamen noch alle Ehre gemacht. Doch ein mutiger Schritt des Trainers krempelte die Königsblauen noch während der Saison um. So wurde S04 vom Aufstiegs-Aspiranten zum eindrucksvollen Rückkehrer in die Bundesliga.
"Das lassen wir uns von keinem mehr nehmen. Wir lassen uns nicht mehr aufhalten." Das waren die Worte von Miron Muslić nach dem 3:2-Sieg im Spitzenspiel in Paderborn am 31. Spieltag.
Der Cheftrainer des FC Schalke 04 sollte Recht behalten, schon eine Woche später brachte S04 den Aufstieg nach dem Heimerfolg gegen Düsseldorf auch rechnerisch unter Dach und Fach.
Angesichts von sieben Zählern Vorsprung lehnte sich der Erfolgs-Coach der Knappen mit dieser Aussage nicht allzu weit aus dem Fenster - dennoch steht diese Aussage irgendwie sinnbildlich für das Abschneiden der Schalker und damit auch ihres vor der Saison verpflichteten Trainers.
Muslić verstand es Woche zu Woche die richtigen Worte zu finden, die offensichtlich nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern in aller Regelmäßigkeit gut ankamen.
So avancierte der Bosnier zum Architekten der Bundesliga-Rückkehr, an die zu Beginn der Saison eigentlich niemand geglaubt hatte.

Kaum Euphorie zu Saison-Beginn - Ekstase schon zur Winterpause
Als der Vorstand der Knappen am Ende der Horror-Spielzeit 2024/25 (Rang 14, schlechteste Platzierung der Vereinshistorie in der 2. Bundesliga) den weitesgehend unbekannten Übungsleiter vorstellte, verspürte man im Umfeld von Königsblau kaum Euphorie - schließlich war Muslić zuvor bei Plymouth Argyle aus der zweiten englischen Liga abgestiegen.
Das änderte sich dann nach dem 1. Spieltag schlagartig. Mit den vom bosnisch-österreichischen Trainer initiierten Spielstil - hohes Pressing, Intensität und Kampfgeist - schlug der S04 Aufstiegsfavorit Hertha BSC mit 2:1.
Es sollte der damals noch nicht erkannte Beginn einer großartigen Hinserie werden. Der Coach erwies sich nicht nur als eloquenter, sprachgewandter Leiter einer neu formierten Truppe - Neuzugänge wie Soufiane El-Faouzi schlugen voll ein - sondern auch als Taktikfuchs.
Mit gezielten Veränderungen, wie der Verpflichtung des neuen Abwehrchefs Nikola Katić wurde aus einer schlechtesten Defensivreihen der Vorsaison (62 Gegentore) die mit Abstand beste der Hinrunde (lediglich zehn Gegentore für Keeper Loris Karius) - der geringste Wert seit zwölf Jahren in der 2. Bundesliga (damals Köln in der Hinserie 2013/14).

Der nächste Schritt: "Vertrau mir, Ich weiß das"
Weil das Selbstvertrauen durch die gelungene Basis-Arbeit immer weiter wuchs, sammelte S04 Punkt um Punkt. Oft mit knappen Siegen, die aber auch drei Zähler einbrachten. Mit 37 Punkten thronte S04 schon zur Winterpause an der Tabellenspitze.
Bemerkenswert dann, wie die Verantwortlichen um Muslić in der Winterpause trotz vier Zählern Vorsprung auf Rang drei und vier ins Risiko gingen und den Spielstil der Mannschaft damit beeinflussten.
Selbst Kapitän Kenan Karaman schien unsicher, ob der Fokus auf die Offensive den Flow des Teams unterbrechen könne. "Wollen wir das wirklich machen", sei seine erste Reaktion auf die Idee des Trainers gewesen, wie er jüngst in einem Interview mit Sport-Bild zugab.
"Vertrau mir! Ich weiß das!", habe Muslić dann aber die Zweifel seines Anführers zerstreut. Die Zahlen dazu stärktem dem Coach schnell den Rücken. An Karaman selbst kann man die positive Entwicklung der Offensive gut ablesen. Nach sechs Hinrunden-Treffern, steht er nun schon bei sieben Toren in der Rückserie, dazu zwei Vorlagen (31. Spieltag)
ZAHLEN CHECKEN NACH 32. SPIELTAG
Dazu kam der Faktor, dass alle Winter-Neuzugänge die Verantwortlichen um Sportvorstand Frank Baumann verpflichteten funktionierten. Adil Aouchiche, Dejan Ljubicic und Moussa Ndiaye und natürlich der alles überstrahlende Wintertransfer von Edin Džeko drehten zunächst das Momentum und sorgten nachhaltig für Tore (an 19 der bislang 26 Rückrunden-Treffer war mindestens ein Neuzugang beteiligt).
Ein Schlüssel sicher auch, dass Muslić den Glauben an seine Mannschaft auch in der holprigen Phase zu Rückrunden-Beginn (fünf Spiele sieglos) öffentlich zur Schau stellte:
"Ich bin mir sicher – wir schlagen zurück", erklärte er nach der schmerzhaften Niederlage beim Reviernachbarn VfL Bochum 1848. Er sollte Recht behalten - bis heute war es die letzte Pleite des Aufsteigers, der inzwischen nach Magdeburg (27 Tore) den zweitbesten Angriff der Rückrunde stellt (26 Tore) - STAND NACH SPIELTAG 31.
Wieder einmal zeigte S04 während der Saison also zwei Gesichter, anders als in den vergangenen Jahren beide allerdings ausschließlich positiver Natur.










