Köln - Der Sport-Club Freiburg hat den Betriebsunfall Bundesliga-Abstieg sofort repariert und nach einer famosen Saison den direkten Wiederaufstieg gemeistert. Die Südbadener begeisterten die Fans mit einem ebenso spektakulären wie erfolgreichen Offensivfußball und setzten die meisten Bestmarken.

Als Meister der 2. Bundesliga schaffte die Elf von Trainer Christian Streich die Rückkehr in die Bundesliga. Der Sport-Club war die beste Heim- (41 Punkte) und die beste Auswärtsmannschaft (31 Zähler), die beste Hinrunden- (35 Punkte) und die zweitbeste Rückrundenelf (37), der Club feierte die meisten Siege (22) und kassierte die wenigsten Niederlagen (6), er schoss die meisten Tore (75). Außerdem gelang dem Sport-Club die längste Siegesserie (8). In Nils Petersen (21 Tore) besaß der SC auch den zweitbesten Torschützen der Liga.

Und trotzdem fiel dem jungen Team der Aufstieg lange nicht so leicht, wie es den Zahlen nach aussehen mag. Denn die Konkurrenten aus Leipzig und Nürnberg gaben sich über weite Strecken der Spielzeit auch kaum Blößen. Die "Sachsen beispielsweise marschierten zwischen dem 10. und 20. Spieltag zu zehn Siegen in elf Spielen, der "Club" blieb sogar zwischenzeitlich 18 Spiele unbesiegt und gewann davon zwölf.

Erfolgsgarant Christian Streich

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Noch am 24. Spieltag lag Freiburg in der Tabelle noch satte sechs Punkte hinter Leipzig auf Platz zwei. Am Ende hängten die Breisgauer die Rangnick-Truppe aber um fünf Punkte ab. Nach dem Holperstart ins Jahr 2016 mit zwei Niederlagen gegen Bochum und Düsseldorf schien der Sport-Club ins Straucheln zu geraten. Von den kommenden zwölf Partien gewann der SCF jedoch elf bei einem Remis und bewies dabei Stehvermögen und Siegermentalität.

Niemand verkörpert diese Tugenden in Freiburg so sehr wie der Coach. Seit Januar 2012 ist Christian Streich im Amt. Er übernahm damals den Tabellenletzten, den er souverän zum Klassenerhalt und ein Jahr später in die Europa League führte. Nach einem dramatischen Abstiegskampf stiegen die Breisgauer 2015 höchst unglücklich ab. Nun ist das Comeback gelungen.

Streich schaffte es wieder einmal, die vielen Abgänge zu kompensieren und eine neue Mannschaft zu formen. Nur noch drei Spieler aus der Mannschaft, die am letzten Spieltag der Saison 2012/13 um den Einzug in die Champions League kämpfte, waren auch in dieser Saison dabei. Über die Jahre musste Freiburg Stars wie u.a. die Torhüter Oliver Baumann und Roman Bürki, Weltmeister Matthias Ginter, die Nationalspieler Oliver Sorg, Sascha Riether und Max Kruse sowie internationale Topspieler wie Vladimir Darida, Jonathan Schmid oder Admir Mehmedi ziehen lassen.

Vincenzo Grifo war ein Volltreffer

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Dem Trainer gelang es, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen und bei vielen Neuzugängen richtig zu liegen. Das gilt vor allen Dingen für die Torgaranten Nils Petersen, der im Sommer nach der Ausleihe von Werder Bremen fest verpflichtet wurde, und Vincenzo Grifo, der vom FSV Frankfurtkam, und 14 Mal traf. Auch der aus Mainz zur Winterpause ausgeliehene Florian Niederlechner schlug prächtig ein und knipste acht Mal.

Sollte Christian Streich Zweifel an der Klasse seiner Mannschaft gehabt haben, schon im ersten Spiel wurden sie zerstreut. Der Sport-Club schickte den Mitfavoriten Nürnberg mit 6:3 nach Hause und biss sich sofort oben fest. Nur am 3. und 4. Spieltag standen die Südbadener nicht auf einem direkten Aufstiegsplatz, auch der kleine Durchhänger zum Jahreswechsel brachte die Mannschaft nicht aus der Spur. Am Ende war Freiburg nicht mehr zu halten.

Die ersten drei Neuzugänge zur neuen Bundesliga-Saison stehen bereits fest. Aus Karlsruhe kommt der Innenverteidiger Manuel Gulde, aus Bochum der Mittelfeldspieler Onur Bulut und vom türkischen Zweitligisten Altinordu der 20-jährige Innenverteidiger Caglar Söyüncü. Den Verein wechseln wird Abwehrmann Vegar Eggen Hedenstad, der beim FC St. Pauli unterschrieben hat. Weitere Transfers sind bis zum Trainingsauftakt am 4. Juli geplant.

Tobias Gonscherowski