Freiburg - Nils Petersen ist der Hoffnungsträger vieler Freiburger Fans. Im Interview mit bundesliga.de erklärt er, warum er in die 2. Bundesliga gewechselt ist und welchen Anteil der Trainer daran hat.

bundesliga.de: Herr Petersen, vor ein paar Tagen sind die ersten Spieltage genau terminiert worden. Sind Sie kurz wehmütig geworden, als Sie gesehen haben, dass Sie am zweiten Spieltag in die Allianz Arena müssen, es aber nicht gegen die Bayern geht?

Nils Petersen: Kein bisschen. Ich hatte ja den ganzen Juni Zeit, mich mit der 2. Bundesliga auseinanderzusetzen. Unser Ziel ist natürlich, wieder nach oben zu kommen. Zudem ist die 2. Bundesliga total interessant, wenn man sich näher mit ihr beschäftigt.

bundesliga.de: Das haben Sie offensichtlich getan. Schließlich haben Sie sich freiwillig einem Zweitligisten angeschlossen. Das hat viele gewundert....

Petersen: Ich bin einfach noch in einem Alter, in dem ich mich weiterentwickeln kann, und beim SC Freiburg scheint mir dafür der beste Platz zu sein. Ich bin auch lieber in der 2. Bundesliga erfolgreich, als dass ich in der Bundesliga nicht die Rolle spiele, die ich mir wünsche. Mein großes Ziel ist es, einmal im Leben aufzusteigen.

"Geweint, weil ich Freiburg verlassen musste"

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bundesliga.de: Am besten mit vielen Toren von Ihnen. Außer Ihnen findet man allerdings kaum torgefährliche Stürmer im Kader...

Petersen: Ich finde, wir sind in der Offensive gut besetzt, zumal der moderne Fußball dahin tendiert, dass torgefährliche Mittelfeldspieler die Tore machen. Und da haben wir unter anderem mit Maximilian Philipp, Maik Frantz, Florian Kath und Vincenzo Grifo einige dabei, die torgefährlich sind. Es muss sowieso unser Ziel sein, die Tore auf viele Spieler zu verteilen. Auch bei Standards müssen wir noch gefährlicher werden.

bundesliga.de:  Sie haben beim SC zu einem Zeitpunkt unterschrieben, als der Kader für die kommende Spielzeit noch nicht ansatzweise feststand. Da konnten Sie doch noch gar nicht abschätzen, ob der sofortige Wiederaufstieg realistisch ist.

Petersen: Stimmt, aber darum ging es auch nicht alleine. Ich habe einfach gemerkt, dass ich zurück wollte. Ich habe mich damals aus Freiburg verabschiedet und gedacht: Mensch, den ein oder anderen siehst du nicht wieder, schade, Vier Monate vorher, als ich nach Freiburg kam, hatte mich nichts mit der Stadt verbunden und dann saß ich plötzlich in der Kabine und habe geweint, weil ich Freiburg wieder verlassen musste.

"Habe beschlossen das zu machen, worauf ich Bock habe"

bundesliga.de: Zumindest waren Sie vertraglich noch an Werder Bremen gebunden...

Petersen: Ja, und irgendwann kam dann der Moment, an dem ich gesagt habe: Mensch, du hast doch die Zügel selbst in der Hand, du musst doch nicht auf Teufel komm raus irgendwohin, wo du nicht hinwillst. Zumal Freiburg sich – so kam es mir zumindest vor – jeden Tag um mich bemüht hat. Ob das jetzt Offizielle waren oder Mitspieler, die immer wieder geschrieben und angerufen haben. Irgendwann rief dann der Trainer an und was er mir aufgezeigt hat, klang so interessant, dass ich gesagt habe: das will ich unbedingt miterleben. Ich habe dann beschlossen, einfach das zu machen, worauf ich Bock habe

bundesliga.de: Mit welchen Argumenten hat Christian Streich denn für den SC geworben?

Petersen: Er hat mir aufgezeigt, dass man wieder eine junge Mannschaft zusammenstellt mit vielen entwicklungsfähigen Spielern. Und dann ging es darum, dass ich hier vielleicht in eine Führungsrolle schlüpfen kann. Diese vier Monaten liefen ja wirklich ganz gut.

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bundesliga.de: Kann man wohl sagen. Sie haben neun Tore in 12 Spielen geschossen. Dennoch waren Sie oft nicht einmal in der Startelf. Das wirkte für Außenstehende merkwürdig.

Petersen: Intern war das alles abgesprochen. Bevor ich nach Freiburg kam, hatte ich fast ein Jahr lang kein Spiel über 90 Minuten gemacht. Dementsprechend mau war mein Fitnesszustand. 90 Minuten Vollgas zu geben, war nicht drin, ich musste mir die Kraft einteilen. Das alles war mit dem Trainer besprochen.

bundesliga.de: Die Konkurrenz schreckt sie nicht?

Petersen: Geld allein ist auch keine Garantie für den Aufstieg. Freiburg hat es ja immer wieder geschafft, vor Mannschaften zu liegen, die wesentlich mehr Mittel haben.

Das Gespräch führte Christoph Ruf