Spieler und Fans von Union feiern nach dem Aufstieg gemeinsam bis spät in die Nacht - © 2019 DFL
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2. Bundesliga

1. FC Union Berlin: Der 56. Bundesligist im 56. Bundesliga-Jahr

Berlin – Am Ende gab es kein Halten mehr im Stadion an der Alten Försterei in Berlin-Köpenick. Nur wenige Augenblicke nach dem Abpfiff beim torlosen Remis im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart war der Rasen voll freudetrunkener Fans geflutet, die den ersten Aufstieg ihres 1. FC Union Berlin in die Bundesliga feierten.

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Spieler und Fans vom 1. FC Union Berlin fielen sich unter Tränen in die Arme, noch bis in die späte Nacht hinein wurde frenetisch gesungen. "Ich habe noch immer Gänsehaut“, sagte Mittelfeldspieler Robert Zulj in den Katakomben, nach dem ein wenig Ruhe eingekehrt war. „Unfassbar, was da draußen los ist. Wenn man die Leute draußen sieht, die Fans haben sich bei uns bedankt und wir uns bei ihnen. Wenn man das sieht ... ich könnte anfangen zu heulen."

Die Spannung zuvor war für viele indes kaum zu ertragen. Der VfB Stuttgart, dem ein Sieg zum Klassenerhalt nach dem 2:2 im Hinspiel gereicht hätte, erwischte den besseren Start. Nur durch den berechtigten Eingriff des Video-Assistenten wurde der frühe Führungstreffer der Schwaben durch Dennis Aogo nicht gegeben. Stürmer Nicholas Gonzalez hatte im Abseits stehend Union-Keeper Rafal Gikiewicz die Sicht versperrt.

Grischa Prömel: Einer der Leistungsträger in der Aufstiegssaison - 2019 DFL

„Für mich müsste Stuttgart in der ersten Halbzeit in Führung gehen, da hatten wir Glück, dass wir im Spiel geblieben sind“, resümierte Union-Trainer Urs Fischer nach der Partie. Doch spätestens nach der Pause gaben die Hausherren, von den eigenen Fans nach vorne gepeitscht, den Ton an. Suleiman Abdullahi traf in der zweiten Hälfte gleich doppelt den Stuttgarter Pfosten. Der VfB um Weltmeister Benjamin Pavard und Stürmer-Legende Mario Gomez hatten der starken Unioner Mannschaft nicht mehr viel entgegenzusetzen. Drei Stuttgarter Ecken in der Nachspielzeit sorgten dann aber noch einmal für eine extreme Spannung, die sich zum Wohle aller Unioner schließlich mit dem Schlusspfiff entlud.

Historischer Moment auf dem stillen Örtchen

Zu viel auch für Union-Präsident Dirk Zingler, der den historischen Moment des Aufstiegs nicht mitten im Getümmel, sondern auf dem stillen Örtchen erlebte. Den Abpfiff habe er "nicht erlebt", verriet Zingler, "da war ich mit meiner Frau weg, sie auf der Damentoilette und ich auf der Herrentoilette. Dann haben wir uns davor getroffen und dann haben wir uns ...", ergänzte der 54-Jährige und machte dabei eine Abklatsch-Geste mit seinen Händen. „Union und Bundesliga - das hört sich für mich komisch an“, fügte Zingerle sichtlich emotional berührt hinzu.

Tatsächlich ist es für die Köpenicker der erste Bundesliga-Aufstieg in der Clubhistorie. Und damit sind sie im 56. Bundesliga-Jahr der 56. Bundesligist. Nach der Wende spielte Union bereits Anfang der 2000er-Jahre drei Spielzeiten lang in der 2. Bundesliga. Etablieren konnten sich die Berliner dort aber erst nach dem Aufstieg aus der 3. Liga vor exakt zehn Jahren.  In den letzten sieben Saisons erreichte die Mannschaft immer einen einstelligen Tabellenplatz und zählte so zumindest zum erweiterten Kreis der Aufstiegsaspiranten. In dieser Saison sorgten dann Leistungsträger wie Kapitän Christopher Trimmel, die Mittelfeld-Schaltzentrale Grischa Prömmel und das Sturmduo Sebastian Andersson und Sebastian Polter für den wohlverdienten dritten Platz. Die komplette Hinserie blieb Union sogar als einziges Team im deutschen Profifußball ungeschlagen.

Relegation: Zuletzt gewann sechs Mal der Bundesligist

Dass es nun über den Umweg Relegation zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte kommt, war aus den Erfahrungen der letzten Jahre nicht zwingend zu erwarten. Schließlich konnte sich in der Relegation zuletzt sechs Mal in Folge der Bundesligist durchsetzen.

Beste Stimmung im Stadion an der Alten Försterei - 2019 DFL

In der nächsten Saison warten dann Kaliber wie der FC Bayern München oder Borussia Dortmund. „Wenn ich daran denke, dass wir die jetzt die Bayern empfangen, bekomme ich jetzt schon Herzklopfen“, verriet Grischa Prömel. Viel wichtiger dürfte aber das Berliner Stadtderby gegen Hertha BSC sein. „Es tut Berlin ausgesprochen gut, nun zwei Bundesligisten zu haben. Wir freuen uns auf begeisternde Derbys, die wir natürlich für uns entscheiden wollen", gratulierte Hertha-Manager Michael Preetz auf Twitter und fügte hinzu: "Der große Gewinner ist unsere fantastische Hauptstadt.“

Doch egal, wie der Gegner dann aussieht, die Marschroute ist, so Robert Zulj, bereits jetzt klar: "Die Bundesliga kann sich auf eine Mannschaft freuen, die nächstes Jahr von der ersten bis zur letzten Minuten alles geben wird.“

Karol Herrmann