Frank Schmidt verlässt Heidenheim
Frank Schmidt verlässt Heidenheim - © DFL/Getty Images/Lukas Schulze
Frank Schmidt verlässt Heidenheim - © DFL/Getty Images/Lukas Schulze
2. Bundesliga

Frank Schmidt verlässt Heidenheim nach fast 20 Jahren: "Eine einzigartige Geschichte im deutschen Profifußball"

Im Sommer ist Schluss, Frank Schmidt wird seinen Vertrag beim 1. FC Heidenheim nicht nochmal verlängern. Bereits seit 2007 betreut der Trainer den FCH, führte das Team von der Brenz märchenhaft aus der Oberliga in den Europapokal. "Wir haben über viele Jahre eine einzigartige Geschichte im deutschen Profifußball geschrieben", erklärte er jetzt. "Aber das letzte Kapitel ist noch nicht zu Ende."

Das letzte Kapitel, es könnte – ganz im Stil der vorherigen Heidenheimer Abschnitte unter Schmidt – fußballromantisch mit der FCH-Rückkehr in die Bundesliga enden. Vier Punkte beträgt der Rückstand der Mannschaft von der Ostalb auf Relegationsplatz drei derzeit, den direkten Wiederaufstieg fordert dort aber gar niemand.

Drei Meisterschaften, Bayern-Coup und Conference League

Denn die Heidenheimer wissen, wie besonders die Story ihres Klubs ohnehin schon daherkommt. Abgespalten vom Heimatverein Heidenheimer SB, für den Schmidt unmittelbar zuvor vier Jahre als Spieler aufgelaufen war, übernahm der damals erst 33-Jährige den baden-württembergischen Oberligisten in der Saison 2007/08 zunächst interimsweise. In seiner ersten Spielzeit stieg er mit dem FCH dann gleich in die Regionalliga Süd auf, und in seiner zweiten als Viertliga-Meister sogar in die 3. Liga.

Nach fünf Jahren folgte auch die Drittliga-Meisterschaft, nach neun weiteren gar die der 2. Bundesliga. In Deutschlands höchster Liga erreichten die Rot-Blauen dann gleich die Qualifikation zur Europa Conference League, in der eine Saison später erst in der Zwischenrunde nach dramatischem Hin- und Rückspiel gegen den FC Kopenhagen Schluss war – denkwürdig in Heidenheims Bundesliga-Premierenspieljahr vor allem das 3:2 nach Zwei-Tore-Rückstand gegen den FC Bayern München.

"Die Werte unseren Vereins vorgelegt wie kein Zweiter"

"Was Frank Schmidt für unseren FCH geleistet hat, lässt sich mit Worten kaum beschreiben – ohne Frank als Cheftrainer wäre unsere sportliche Entwicklung aus dem Amateurbereich bis in die Bundesliga und den Europapokal so überhaupt nicht möglich gewesen", sagte nun ebenfalls Holger Sanwald, Heidenheims Vorstandsvorsitzender. "Darüber hinaus hat er die Werte unseres Vereins als Vorbild nach innen und außen vorgelegt wie kein Zweiter."

Denn Schmidt gehörte stets auch zu denen, die über den Fußball hinaus Stellung bezogen: "Aufzustehen gegen jegliche Form von Diskriminierung, Rassismus oder Antisemitismus ist ganz wichtig", erklärte der gebürtige Heidenheimer einst gegenüber dem kicker – in einem Interview, das er sicher nicht zufällig gemeinsam mit dem stets Missstände anprangernden Freiburger Trainer Christian Streich gab: "Die demokratischen Werte muss man immer einfordern und authentisch bleiben."

Frank Schmidt gibt in der Conference League im Kopenhagener Parken Anweisungen
Frank Schmidt gibt in der Conference League im Kopenhagener Parken Anweisungen - IMAGO/Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

Der dienstälteste Bundesliga-Trainer

19 Jahre, ein Monat und 16 Tage lagen als FCH-Coach bereits hinter Schmidt, als das Team am Dienstag die im Sommer folgende Trennung bekannt gab. Nur ein Trainer in Deutschlands höchsten beiden Ligen steht seit mehr als fünf Jahren für eine Mannschaft am Seitenrand, lediglich ein weiterer über drei. Schon 2023 überholte Schmidt Volker Finke, der den SC Freiburg von Juli 1991 bis Juni 2007 am Stück leitete, als historisch dienstältester Bundesliga-Übungsleiter.

Wenn Schmidt geht, bleibt eine der großen Geschichten des deutschen Fußballs – eine der Art, die der Mythos der möglichen Nichtwiederholbarkeit umschwebt. Ihr Autor, der seinen Kopf wegen einer Verknöcherung der Halswirbelsäule stets etwas nach rechts geneigt hält, hat sich im Wortsinn längst nicht nur in die Clubhistorie eingetragen.

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