Leverkusens Toni Kroos befindet sich aktuell in bestechender Form. Er gehört zu den Säulen im Team von Trainer Jupp Heynckes. Kein Wunder, dass Bayers Clubverantwortliche den Mittelfeldspieler, der noch bis zum Ende der laufenden Saison vom FC Bayern ausgeliehen ist, auch weiter behalten möchten. Aber die Bayern, bei denen Kroos noch bis Juni 2012 unter Vertrag steht, scheinen bisher wenig gesprächsbereit, ihr Juwel abzugeben.

Kroos wurde zum besten Spieler der U-17-WM in Südkorea gewählt, hat sein erstes Bundesliga-Spiel mit weniger als 18 Jahren für die Bayern bestritten, ebenfalls mit 17 Jahren den Siegtreffer in einem UEFA-Cup-Spiel erzielt und die Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester Spieler seines Jahrgangs hat er auch schon überreicht bekommen - eine reife Leistung für einen gerade mal 19-Jährigen.

Der Greifswalder gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Mit seiner feinen Technik, seiner guten Spielübersicht und der Ruhe, die er am Ball ausstrahlt, hat er alle Anlagen, die ein Spielmacher von Format braucht.

Stammspieler in Leverkusen

In dieser Saison spielte sich der aktuelle U-21-Nationalspieler in die Stammelf von Bayer-Trainer Jupp Heynckes. Das in ihn gesetzte Vertrauen belohnte er bereits mit drei sehenswerten Distanztreffern.

Am kommenden Spieltag steht das Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer aus Leverkusen und dem Rekordmeister aus München an. Bayern-Leihgabe Kroos präsentierte sich nach dem 4:0-Sieg gegen Frankfurt, bei dem er das "Tor des 12. Spieltags" schoss, kampfeslustig: "Ich freue mich, meine alten Kollegen wiederzusehen. Aber wir wollen drei Punkte holen." Übrigens: Das Spiel findet in München statt.

Den aktuell etwas schwächelnden Münchnern zollte er jedoch auch Lob und Respekt: "Bayern war in den letzten Jahren immer vor Bayer, weil sie konstanter in der Saison waren. Da müssen wir auch hinkommen." Selbstbewusster und zielorientierter ist der junge Kroos in der Zeit in Leverkusen geworden. Er scheint nun endgültig in der Bundesliga angekommen zu sein und im Profigeschäft Fuß gefasst zu haben: "Ich spüre das Vertrauen, das ich brauche, und erhalte mehr Einsätze als früher."

"Leverkusen war die richtige Entscheidung"

Ottmar Hitzfeld bezeichnete Kroos bereits nach seinem Bayern-Debüt im September 2007 als "Ausnahmespieler" und "absolutes Talent". Kein Wunder, konnte er doch direkt im ersten Spiel seiner Bundesliga-Karriere mit zwei Torvorlagen glänzen. Und als wäre das nicht bereits beachtenswert genug, muss hinzugefügt werden, dass er erst in der 72. Spielminute eingewechselt wurde.

In der folgenden Saison unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann nahm er dann allerdings häufiger auf der Bank Platz, als auf dem Rasen zu spielen.

Folgerichtig war dann also der Schritt nach Leverkusen, um durch regelmäßige Einsätze Spielpraxis sammeln zu können. "Leverkusen war die richtige Entscheidung. Ich wollte so viel Spielzeit wie möglich, diese Saison war ich in allen Pflichtspielen dabei. In dem behutsamen Umfeld kann ich mich sehr gut entwickeln, hier fühle ich mich wohl", bekennt Kroos.

"Wir wollen Toni gerne behalten"

"Früher oder später wird er aber wieder für den FC Bayern spielen", sagte Franz Beckenbauer nachdem Kroos im Spiel der "Werkself" auf Schalke mal wieder überzeugen und einen Treffer erzielen konnte.

"Warten wir mal ab. Wir wollen Toni gerne behalten, und ich glaube, Toni will auch bei uns bleiben. Für seine Entwicklung wäre das das Beste, vertraglich gesehen sind die Bayern aber am längeren Hebel", stellte Bayer 04-Geschäftsführer Holzhäuser fest. "Wenn ein weiteres Ausleihgeschäft nicht infrage käme, würden wir Toni Kroos auch kaufen", so Holzhäuser weiter.

Völler will über Kroos reden, Hoeneß nicht

"Am Rande unseres Spiels am 22. November werde ich mit Christian Nerlinger in München über Tonis Situation reden", erklärte Leverkusens Sportchef Rudi Völler gegenüber der "Bild"-Zeitung. Die Verhandlungsbereitschaft von Bayerns Manager Hoeneß tendiert jedoch eher gegen Null: "Wir können gerne über alles reden, aber sicher nicht über einen Wechsel von Toni Kroos. Wir haben mit ihm einen Vertrag bis 2012 und den wollen wir gemeinsam erfüllen."

Statt weiterhin die Nummer 39 in Leverkusen zu tragen, könnte Kroos in der nächsten Saison demnach wieder bei den Bayern spielen, auch wenn da das Trikot mit der Nummer 10, dass Hoeneß ihm reservieren wollte, mittlerweile an Arjen Robben vergeben wurde.

In welchen Farben Kroos in der nächsten Saison auflaufen wird, ist aktuell also noch unklar...

Sebastian Bisch