"König Otto" Rehhagel brachte die Kritiker mit dem erfüllten WM-Traum in seinem Hofstaat Griechenland zum Schweigen. In Slowenien putzte Premierminister Borut Pahor den Helden die Schuhe. Portugals verletzter Superstar Cristiano Ronaldo jubelte vor dem Fernseher in Madrid. In Algerien und Uruguay zogen Tausende Fans auf die Straßen. Nur in Frankreich herrschte nach einem turbulenten Playoff-Abend trotz der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika Scham statt Freude.

"Die Hand Gottes" titelte die L'Equipe nach dem 1:1 nach Verlängerung im Rückspiel gegen die von Maestro Giovanni Trapattoni betreuten Iren und stellte damit einen Bezug zu Diego Maradona her, der bei der WM 1986 in Mexiko im Viertelfinale gegen England ein Tor mit der Faust statt mit dem Kopf erzielt hatte.

Maradonas späterer Ausspruch, es sei die "Hand Gottes" gewesen, fand Eingang in die Fußball-Geschichte.

Henry gibt Handspiel zu

Im Stade de France war es Kapitän Thierry Henry, der in der 13. Minute der Verlängerung den Ball mit der Hand mitführte und zu William Gallas passte. Gallas köpfte zum 1:1-Ausgleich und löste das WM-Ticket für die Grand Nation.

Henry redete erst gar nicht um den heißen Brei herum und sagte: "Ja, es war ein Handspiel, aber ich bin doch nicht der Schiedsrichter." Der irische Justizminister Dermot Ahern forderte am Donnerstag die Ansetzung eines Wiederholungsspiels.

Trotz der WM-Qualifikation stellt L'Equipe in einem Leitartikel schon die Frage, ob Raymond Domenech der richtige Trainer für die WM sei, nachdem er schon bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz als Coach jämmerlich versagt habe. Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes gab zu: "Es waren zwei Jahre Galeere. Wir waren heute wie gelähmt. Aber Hauptsache, wir sind qualifiziert."

Rehhagel poltert und ist stolz

Nicht schön, aber effektiv ebnete sich auch Griechenland das Ticket für die WM durch das 1:0 von Dimitrios Salpingidis (31.) in der Ukraine. Rehhagel verwirklichte durch den Erfolg im Jubiläumsspiel nicht nur seinen persönlichen WM-Traum und wischte Spekulationen um einen bevorstehenden Ruhestand vom Tisch, sondern nutzte den Triumph für einen Seitenhieb gegen seine Kritiker.

"Die Leute haben schon eine Menge Blödsinn über mich erzählt. Wer sagt, dass wir immer nur mit einer Spitze gespielt haben, hat es einfach nicht verstanden. Wenn wir irgendwann Messi, Kaka, Iniesta und Xavi in unserer Mannschaft haben, werden wir auch attraktiven Fußball spielen", polterte der 71-Jährige, lobte aber seine Spieler: "Ich bin stolz auf meine Jungs, sie haben Herz und Leidenschaft gezeigt und die Götter auf unsere Seite gebracht."

Beinahe-Abbruch und ein Schuhputzer

Portugal feierte die fünfte WM-Teilnahme, doch beim 1:0-Sieg in Bosnien-Herzegowina stand die Partie im Hexenkessel von Zenica kurz vor dem Abbruch. Nachdem Sejad Salihovic von 1899 Hoffenheim in 76. Minute wegen Schiedsrichter-Beleidigung vom italienischen Referee Roberto Rosetti die Gelb-Rote Karte gezeigt bekam, eskalierte die Situation. Bosnische Fans warfen Gegenstände, dabei wurde ein Schiedsrichter-Assistent getroffen. Dennoch setzte Ex-Weltschiedsrichter Rosetti die Partie nach kurzer Unterbrechung fort.

In Maribor machte Premierminister Pahor sein Versprechen wahr und putzte den Spielern nach dem 1:0-Sieg gegen Russland durch das goldene Tor des Bochumers Zlatko Dedic (44.) die Schuhe. "Ich habe es getan, aber ich muss zugeben, nicht gründlich", berichtete Pahor, während Staatsoberhaupt Danilo Turk mit einer Champagner-Dusche die rauschende WM-Party eröffnete.

Hiddink diesmal nicht dabei

Großer Verlierer des dramatischen Playoff-Abends war dagegen Russlands Coach Guus Hiddink, der einen der schwärzesten Augenblicke seiner Trainerlaufbahn erlebte. "Der Schlüssel zum Scheitern lag im Gegentor zum 2:1 im Hinspiel", analysierte Hiddink nüchtern. 1998 hatte der Niederländer sein Heimatland zur WM geführt, 2002 Südkorea und 2006 Australien, diesmal bleibt die Tür Hiddink verschlossen.

Durch das 1:1 (0:0) im Playoff-Rückspiel gegen Costa Rica machte Uruguay in Montevideo die elfte WM-Teilnahme perfekt. Letztmals war Uruguay, das das 32-köpfige Teilnehmerfeld bei der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent als letzter Starter komplettierte, 2002 bei einer WM-Endrunde vertreten.