Zusammenfassung

  • Zum zweiten Mal in Folge kann der FC Bayern in Berlin nicht gewinnen

  • Der Rückstand auf den BVB beträgt nun schon fünf Punkte

  • Ribery verletzt sich im Spiel gegen die Hertha schwer

Berlin - Durchwachsenes Debüt für Willy Sagnol: Zum zweiten Mal in Folge kann der FC Bayern München gegen Hertha BSC nicht gewinnen. Nun sind es schon fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund.

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Das Interesse war groß. Fast 20 Fotografen und Kameraleute bauten sich vor Spielbeginn vor der Trainerbank der Bayern auf. Nach der Trennung des Rekordmeisters von Carlo Ancelotti trug dort ein neuer Mann die Verantwortung: Willy Sagnol, 2001 Champions-League-Sieger mit den Münchnern und als Spieler ein Publikumsliebling, sollte es richten.

Hummels traf zum frühesten Auswärtstor

Der Franzose wollte drei Tage nach seiner vorübergehenden Beförderung vom Assistenz zum Chefcoach selbstverständlich mit einem Sieg starten. Es ging auch gleich gut los mit diesem Unterfangen. Nach einem Freistoß der Gäste konnten die Hausherren nicht richtig klären. Der Ball landete bei Jerome Boateng, der aus dem Halbfeld eine Flanke Richtung Elfmeterpunkt schlug, die an die besten Zeiten des Spielers Sagnol erinnerte. Dort fand die Kugel den Kopf von Boatengs Innenverteidigerkollege Mats Hummels, der mit einem perfekten Kopfball ins linke untere Eck Hertha-Keeper Rune Jarstein keine Chance ließ. Der Treffer war das früheste Auswärtstor der Bayern in einem Pflichtspiel in diesem Kalenderjahr.

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Mit der verdienten Führung ging es in die Pause. Und als Robert Lewandowski wenige Minuten nach Wiederanpfiff mit seinem achten Saisontreffer das 2:0 markierte, schien die Partie gelaufen und Sagnols Einstand als Cheftrainer geglückt zu sein. Das dachten sich offenbar auch die Spieler in rot, jedenfalls machte von da an fast nur noch Hertha das Spiel. Knapp 90 Sekunden nach Lewandowskis Tor verkürzte Ondrej Duda auf 1:2, ehe nur fünf Minuten später Salomon Kalou für die Berliner den Ausgleich erzielte. Kurz danach hatte der Ivorer sogar das 3:2 auf dem Fuß, musste sich aber Sven Ulreich geschlagen geben.

Ribery verletzt sich im Jubiläumsspiel schwer

Doch die vielleicht bitterste Szene sollte noch kommen. Franck Ribery, der einst noch mit Sagnol zusammen gespielt hatte, kam in Berlin zu seinem 234. Bundesligaspiel. Er zog damit mit dem heutigen Sportdirektor Hasan Salihamidzic gleich und ist nun gemeinsam mit dem Bosnier Rekordausländer des FC Bayern. Kein internationaler Spieler der Münchner kommt auf mehr Bundesligaeinsätze. Doch statt wenigstens dieses Jubiläum feiern zu können, musste der Franzose ins Krankenhaus. Ohne Gegnereinwirkung war Ribery in der 62. Minute auf den Ball getreten und dadurch unglücklich im Rasen hängengeblieben.

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Schwere Bänderverletzung im Knie lautete die erste Diagnose. "Franck hat starke Schmerzen, das sah nicht gut aus", berichtete Salihamidzic direkt nach dem Spiel. Der Sportdirektor hatte zwar "eine gute erste Halbzeit" der Bayern gesehen. "Wir haben das Spiel unter Kontrolle gehabt und hätten eigentlich höher führen müssen", so "Brazzo". "Nach dem 2:0 haben wir Konzentrationsfehler gezeigt und das Spiel aus der Hand gegeben." Der 40-Jährige resümierte: "Das darf einer Mannschaft wie uns nicht passieren."

Schlechtester Start seit sieben Jahren

2:0 geführt und nicht gewonnen – genau das selbe geschah bereits eine Woche zuvor im Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Zwei Mal direkt in Folge nach 2:0-Führung noch Punkte abzugeben, das passierte den Bayern in der Bundesliga noch nie. "Ich kann mir auch nicht erklären, warum wir, wie schon im Spiel gegen Wolfsburg, solche Konzentrationsfehler machen", war Salihamidzic ratlos.

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Auch Willy Sagnol wirkte etwas ratlos. Der Franzose sah das Manko ebenfalls in der mangelnden Konzentration. Die Bayern sind "ohne Konzentration nicht mehr die stärkste Mannschaft Deutschlands", sagte er. Die Tabelle unterstützte diese Einschätzung. Fünf Punkte und zehn Tore liegen die Münchner nun schon hinter dem Erzrivalen Borussia Dortmund. Mit nur 14 Zählern aus sieben Spielen ist es der schlechteste Saisonstart für den FC Bayern seit sieben Jahren. Egal, wer die Mannschaft in Zukunft trainiert – "sicher gibt es Gespräche, aber über Namen reden wir nicht", sagte Salihamidzic – klar ist: Auf den Bayern-Coach und seine Spieler wartet viel Arbeit.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo

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