Beim Kampf der Philosophien geht es um die letzte Chance auf die Herbstmeisterschaft.

Wenn die Verfolger Werder Bremen und Schalke 04 am Samstag im Spitzenspiel der Bundesliga aufeinandertreffen, kommt es zum Duell der hanseatischen Offensivkünstler mit den die "königsblauen" Taktikern - oder kurz: zum Kräftemessen zwischen Attraktiv und Effektiv.

"Zwischentitel nicht wichtig"

Wohl nur der Sieger der Partie kann weiter davon träumen, Tabellenführer Bayer Leverkusen noch abzufangen und zum Hinrundenende ganz oben zu stehen.

"Entscheidend ist aber vor allem, am Saisonende vorn zu sein. Wenn wir die letzten beiden Hinrundenspiele gewinnen, haben wir eine gute Ausgangsposition", sagt Werder-Sportdirektor Klaus Allofs und versucht, die Brisanz aus der Partie zu nehmen: "Ganz ehrlich, über die Herbstmeisterschaft habe ich bisher überhaupt nicht nachgedacht." Auch Trainer Thomas Schaaf sagt: "Solche Zwischentitel sind in unserer Wertmessung nicht so wichtig."

Offensiv gegen Effektiv

Für den Coach sind die erkennbaren Fortschritte in der täglichen Arbeit von größerer Bedeutung. Mit 31 Toren stellen die Hanseaten die stärkste Offensive der Bundesliga. Bei den Bremern wirbeln feine Techniker wie die Nationalspieler Mesut Özil, Aaron Hunt oder Marko Marin. Bei Schalke erfüllen Nobodys wie Lukas Schmitz, Joel Matip oder Christoph Moritz konsequent ihre Aufgaben.

Erfolgreich ist beides. Sowohl Schalke als auch Werder haben bisher 28 Punkte auf dem Konto, die Gelsenkirchener sogar einen Sieg mehr als die Bremer. Und dann ist ja noch der Meistertitel in den Hinterköpfen, den Magath in der vergangenen Saison mit dem VfL Wolfsburg holte. So weit will man bei Magaths neuem Club aber noch nicht denken.

Magath stapelt tief

"Wir sind noch keine Spitzenmannschaft, auch wenn wir da oben stehen", sagt Stürmer Kevin Kuranyi und zeigt Respekt vor dem nächsten Gegner: "Bremen ist spielerisch besser als wir. Dennoch haben wir eine gute Chance, dort etwas zu holen." Taktikfuchs Magath soll es trotz limitierter Ressourcen einmal mehr richten.

Auch der Coach stapelt weiter tief. "Die Bremer sind schon noch erheblich stärker als wir und seit Jahren in der Spitze der Bundesliga etabliert. Sie haben immer guten Fußball und eine große Offensivstärke im Angebot", sagt der Ex-Nationalspieler, der von 1998 bis 1999 auch schon auf der Werder-Bank saß: "Mit viel Herz und sehr viel Kampf wollen wir ihnen das Leben aber so schwer wie möglich machen."

Blick nach Berlin

Die Bremer wie so oft in den vergangenen Jahren aber allein auf ihre Angrifssqualitäten zu reduzieren, würde der aktuellen Situation nicht gerecht. 2008 hatten die Gegner zum gleichen Zeitpunkt der Spielzeit schon 26 Mal ins Werder-Tor getroffen, nun ließ die Abwehr um die starken Innenverteidiger Per Mertesacker und Naldo erst zwölf Gegentreffer zu. Nur Leverkusen kassierte ligaweit weniger Treffer (9), die Schalker bislang 13.

Vor dem direkten Duell am Samstag werden sich die Blicke der Bremer und Schalker am Freitagabend auf Leverkusen richten. Dann tritt Bayer beim Schlusslicht Hertha BSC an. Sollte die "Werkself" straucheln, würden die Herbstmeisterträume im Umfeld der Verfolger weiter befeuert werden. Doch auch hier bremst Magath: "Wenn wir in der Winterpause Fünfter sind, war es eine großartige Hinrunde."

Für Schaaf, der gegen Schalke auf ein Comeback des zuletzt verletzten Claudio Pizarro hofft, werden die "Königsblauen" aber bis zum Ende ganz oben mitmischen: "Schalke spielt eine hervorragende Saison. Sie stehen zu Recht da oben."