München - Optimistisch blickt der Schalker Lewis Holtby dem kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern entgegen. Immerhin könnten sich die "Knappen" mit einem Sieg in der Spitzengruppe etablieren. "Ja, es ist eine Riesenmöglichkeit für uns, die jedem bewusst ist", sagte er: "Wir müssen den Rückenwind aus den vergangenen beiden Bundesliga-Siegen mit in die Partie nehmen und die drei Punkte hier behalten."

Allerdings trug der U-21-Nationalspieler in der vergangenen Spielzeit noch nicht das königsblaue Trikot. Seine Teamkollegen Benedikt Höwedes, Christoph Metzelder, Raul und Co. dürften nämlich alles andere als gute Erinnerungen an die "Roten Teufel" haben.

Von der reinen Papierform her scheinen die Rollen klar verteilt zu sein, empfängt der Vierte doch den Tabellen-16. Die beiden vergangenen Aufeinandertreffen sprechen allerdings für den FCK: Sechs Punkte und 6:0-Tore, gegen keinen anderen Bundesligisten hatte Kaiserslautern in der vergangenen Spielzeit eine so gute Bilanz wie gegen Schalke.

Höchste Schalker Niederlage seit 19 Jahren

Vor allem das Hinspiel auf dem Lauterer Betzenberg zaubert heute noch jedem FCK-Anhänger ein Lächeln auf das Gesicht. Die Pfälzer zeigten eine der besten Leistungen der vergangenen Jahre, spielten die Schalker phasenweise schwindelig. Nach einem "Doppelpack" von Srdjan Lakic sowie Treffern von Martin Amedick und Ivo Ilicevic lagen die Lauterer bereits nach 76 Minuten 4:0 in Front.

Den Schlusspunkt setzte ausgerechnet der von Schalke ausgeliehene Jan Moravek, der mit seinem Tor zum 5:0-Endstand nicht nur für die höchste Schalker Saisonniederlage sorgte, sondern sogar für die höchste Bundesliga-Niederlage seit dem 26. September 1992 (damals 1:6 bei Bayer Leverkusen).

Drei der insgesamt vier Torschützen nicht mehr da

Auch beim Rückspiel in der Veltins-Arena verließen die "Betze-Buben" den Rasen als Gewinner und stellten damit die Weichen für den späteren Klassenerhalt - Srdjan Lakic sei Dank. Der Kroate machte mit seinem 1:0-Siegtreffer den ersten Lauterer Sieg in Gelsenkirchen seit mehr als elf Jahren perfekt.

An die Erfolge aus der vergangenen Spielzeit wollen die Pfälzer am Samstagabend anknüfen. Zeit wird es - mit nur fünf Punkten nach acht Spieltagen weisen die Lauterer die schlechteste Bilanz ihrer Bundesliga-Geschichte auf.

Allerdings werden drei der vier Torschützen aus der vergangenen Spielzeit am Samstag nicht in der Veltins-Arena auflaufen. Srdjan Lakic (VfL Wolfsburg), Ivo Ilicevic (Hamburger SV) und Jan Moravek (Schalke 04) stehen Trainer Marco Kurz, der seinen Vertrag am Dienstag vorzeitig bis 2013 verlängerte, nicht mehr zur Verfügung.

Zweitbeste gegen schlechteste Offensive

Die dadurch entstandenen Lücken im Offensivbereich konnten die Neuzugänge Itay Shechter, Olcay Sahan, Richard Sukuta-Pasu und Dorge Kouemaha bislang nicht schließen. Im Gegenteil: Mit nur fünf Treffern stellt die Kurz-Elf den harmlosesten Angriff aller 18 Bundesligisten, auf fremden Plätzen gelang ihr sogar erst ein Tor.

Torhungriger präsentierte sich der Gegner aus Gelsenkirchen. 17 Tore bedeuten Rang 2 hinter dem Tabellenführer FC Bayern München (21). Zudem werden auch die "Königsblauen" im Vergleich zur letzten Duell mit anderem Personal auflaufen.

Schließlich stehen Manuel Neuer, Hao Junmin, Danilo Avelar, Vasilios Pliatsikas sowie Edu, die am 31. Spieltag der Vorsaison gegen Lautern noch allesamt in der Startformation standen, nicht mehr im Kader der Schalker. Linksverteidiger Sergio Escudero, der damals ebenfalls von Beginn an spielte, war lange verletzt und stieg erst am Montag wieder ins Mannschaftstraining ein.

"Hunter" erfolgreich auf Torejagd

Die Bilanz zwischen beiden Vereinen ist ausgeglichen. Nach 76 Begegnungen haben beide Teams je 27 Siege gefeiert. Klarer fällt da schon die Schalker Heimbilanz gegen den Tabellen-16. aus. Von 38 Spielen konnte die "Knappen"-Elf 22 für sich entscheiden.

Für Heimsieg Nummer 23 soll Stürmer Klaas-Jan Huntelaar wieder mit seinen Toren sorgen. Der Angreifer trifft derzeit nach Belieben, zuletzt avancierte er beim 2:1-Sieg gegen den Hamburger SV mit einem "Doppelpack" zum Matchwinner. Bereits sieben Saisontore stehen auf seinem Konto, einzig Mario Gomez traf häufiger (acht). Bei den "Knappen" schafften eine solche Bilanz nach acht Spieltagen nur Klaus Täuber (1984/85) und Klaus Fischer (1975/76).

Auch in der Nationalmannschaft stellte der 28-Jährige seinen "Torriecher" unter Beweis. Beim 1:0-Sieg der Niederlande in der EM-Qualifikation gegen Moldawien erzielte Huntelaar den Treffer des Tages. Und auch bei der 2:3-Niederlage gegen Schweden trug er sich in die Torschützenliste ein. Die Form des "Hunters" macht den Schalkern Hoffnung, dass die Spiele gegen Lautern anders verlaufen werden als noch in der Vorsaison. Auch wenn die Pfälzer bestimmt nichts dagegen hätten.

Robin Schmidt