Köln - Es hat schon entspanntere Zeiten gegeben für den 1. FSV Mainz 05. Von ausgelassener Freude ist der selbsternannte Karnevalsverein in diesen jecken Tagen so weit entfernt wie von einem sicheren Platz in der Bundesliga. Jetzt soll es mit Martin Schmidt ein neuer Trainer lösen, der dem abstiegsbedrohten Team neue Leidenschaft und alte Tugenden vermitteln muss - am besten schon am Wochenende im Derby gegen Frankfurt.

Spätestens nach den Saisonniederlagen Nummer sechs und sieben gegen Hertha BSC und zuletzt bei Borussia Dortmund hatten die Alarmglocken geschrillt am Bruchweg. Die Abstiegsränge rücken näher; nur noch einen Zähler Vorsprung hat Mainz 05 auf die rote Zone. Der Auftritt beim BVB war dabei auch ein Synonym für das, was dem Klub derzeit im entscheidenden Moment vielleicht am meisten fehlt: Mut und Power, Dynamik und Aggressivität.

Nur ein Sieg aus 13 Spielen

Kasper Hjulmand hat es die Klubführung nach nur einem Sieg aus den letzten 13 Spielen nicht mehr zugetraut, jetzt im Abstiegskampf diese Attribute frei zu kitzeln. Der Däne gilt als anerkannter Fußballfachmann, aber seine Idee des Spiels konnte Hjulmand in Mainz nicht erfolgreich umsetzen. Ballbesitz und Passspiel statt Pressing, Balleroberung und Umschaltspiel  - das bedeutete auch mehr Fußball mit dem Kopf als mit dem Herzen. Eine Abkehr von Spielidee und Grundtugenden der vergangenen Jahre, die sich so letztlich bei den 05ern nicht durchsetzte.

Die Partie in Dortmund hatte dabei zumindest eine Halbzeit lang aufgezeigt, warum der Ansatz grundsätzlich nicht falsch war, die Umsetzung aber zu vieles vermissen ließ. Mainz hatte mit drei zentralen Mittelfeldspielen die Räume eng gemacht und zugestellt. Die Mannschaft war gut organisiert und verschob sich gut, auch den Ball ließ man im Mittelfeld gut laufen.

Alte Tugenden sollen Erfolge bringen

Die Offensivbemühungen aber blieben zum einen überschaubar und wenig kreativ, zum anderen zu leidenschaftslos. Gegen verunsicherte Dortmunder hätte man über Pressing und Gegenpressing, aggressive Balleroberungen, schnelles Umschaltspiel und gefährliche Vorstöße in den Strafraum ordentlich Druck aufbauen können – und müssen. Mainz aber agierte zu brav; es fehlte am nötigen Willen, dem Gegner weh tun zu wollen, am Punch im entscheidenden Moment.

Ein intensives und emotionales Fußballspiel, pure Lust auf Zweikämpfe und Balleroberungen, Dynamik und gesunde Aggression – das war vor Hjulmand der Mainzer Fußballstil. Und das dürfte er auch unter Martin Schmidt wieder werden, weil diese Tugenden gerade im Kampf gegen den Abstieg Erfolg und Punkte versprechen. Und weil sich so auch das Publikum wieder mitreißen lässt, zumal im Rhein-Main-Derby gegen die Frankfurter Eintracht am Samstag.

"Mit der Qualität darfst du nicht absteigen"

Unter dem Schweizer Trainer heißt es nun also zurück in die Zukunft. Dass die zwingend in der Bundesliga liegen soll, daran hatte Manager Christian Heidel schon in den letzten Tagen keinen Zweifel gelassen. "Mit der Qualität, die wir im Kader haben, darfst du nicht absteigen", hatte er klipp und klar festgestellt. Es liegt jetzt an Martin Schmidt, den entsprechenden Beweis anzutreten.

Dietmar Nolte