Leverkusen - Nach dem 2:0-Heimsieg im Spitzenspiel gegen Hannover 96 bleibt Bayer Leverkusen Verfolger Nummer eins von Tabellenführer Borussia Dortmund. Zugleich distanzierte die Truppe von Trainer Jupp Heynckes den Konkurrenten und baute den Vorsprung auf die Niedersachsen auf fünf Punkte aus.

Das Tempo im Kampf um die internationalen Plätze zieht so langsam an. Die Top-4-Vereine der Bundesliga hielten sich am 20. Spieltag der Bundesliga allesamt schadlos und gewannen ihre Spiele. Auch Bayer Leverkusen landete einen Big Point und konnte endlich auch in der heimischen BayArena souverän drei Punkte einfahren und ohne Gegentor bleiben.

Ballack feiert starkes Startelf-Comeback

"Wir haben sehr clever gespielt, kompakt gestanden und diszipliniert gespielt", freute sich Heynckes über die schnörkellose Darbietung seines Teams, von dem er vor allem eine stabile Defensive verlangt hatte. "Es war auch bedeutend, dass wir zu Null gespielt haben." Denn erst zum fünften Mal in dieser Saison blieb die "Werkself" ohne Gegentreffer.

Die Partie gegen das Überraschungsteam aus Hannover lieferte dem erfahrenen Coach eine Reihe weiterer wichtiger Erkenntnisse. Zum einen zahlte sich die Rückkehr zum System mit nur einem Stürmer (Stefan Kießling) aus. Zum anderen präsentierte sich Michael Ballack nach seiner langen Verletzungspause in seinem ersten Spiel über 90 Minuten bereits in starker Form.

Keine Frage, Ballack tut dem Bayer-Spiel gut. "Michael Ballack hat eine unheimliche Präsenz auf dem Platz, die hat er gezeigt", lobte Stefan Kießling. "Das Zusammenspiel mit Michael Ballack hat gut funktioniert", fand auch Bayer-Kapitän Simon Rolfes. "Wir freuen uns alle, dass es so gut geklappt hat. Das gibt jetzt auch mehr Selbstvertrauen und Schwung für die nächsten Wochen."

Vidal überragend

Momentan stellen die Rheinländer vielleicht sogar das beste Mittelfeld der Bundesliga. Denn neben Ballack, Renato Augusto und Rolfes liefert schon seit Monaten vor allem Arturo Vidal ein überragendes Spiel nach dem anderen ab. Gegen "96" brachte der Chilene die "Werkself" mit einem sehenswerten Distanzschuss in Führung. Es war bereits sein neunter Saisontreffer, hinzu kommen acht Assists.

Bei Vidal kommt selbst Ballack ins Schwärmen: "Mit Sicherheit ist Arturo ein Spieler, der das gewisse Etwas hat, diese Heißspornmentalität und diese Persönlichkeit, die Spieler brauchen, um ganz oben anzukommen. Er hat diesen Tick Unberechenbarkeit und die Genialität, in gewissen Situationen das zu machen, was keiner erwartet. Er hat alle Möglichkeiten, kann im defensiven Mittelfeld spielen, im offensiven. Er kann Tore machen, er ist ballsicher."

Kurzum, er ist Bayers bester Mann der bisherigen Saison und sorgt mit seinen Toren dafür, dass die Flaute der Stürmer kaum ins Gewicht fällt. Denn weder Kießling, der sich als einsame Spitze aufreibt, noch die formschwachen Eren Derdiyok oder Patrick Helmes haben in der Rückrunde bereits getroffen.

"Wir schauen eher nach hinten"

Mit zuletzt zwei Siegen in Folge hat sich Bayer Leverkusen auf Platz 2 der Tabelle festgebissen. Drei Punkte beträgt der Vorsprung auf den nächstplatzierten FC Bayern. Nach oben schielen die Bayer-Kicker angeblich nicht mehr. "Die Dortmunder haben ein Riesenpolster und stehen absolut zu Recht dort oben", sagt Bayer-Torwart Rene Adler. "Wir schauen eher nach hinten. Der FC Bayern kommt. Das ist man ja gewohnt. Aber wir werden den 2. Platz nicht kampflos aufgeben."

Die Rheinländer haben jetzt erst einmal zwei heikle Auswärtshürden vor der Brust. Nach Nürnberg und Frankfurt geht es, wo im Vorjahr in der Endphase der Saison jeweils mit 2:3 verloren wurde und die Champions-League-Qualifikation flöten ging. Das soll nicht noch einmal passieren.

"Es war bitter, letztes Jahr in Nürnberg zu verlieren", erinnert sich Adler. "Aber in diesem Jahr sind wir weiter. Wenn es lange 0:0 steht, haben wir die physische Präsenz und die mentale Stärke die Spiele zu gewinnen. Das haben wir in dieser Saison schon oft gezeigt. Und gerade auswärts brauchen wir uns nicht zu verstecken. Da sind wir in diesem Jahr unheimlich stark. Wir fahren nach Nürnberg und Frankfurt, um dort drei Punkte zu holen."

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski