Köln - Beim 1. FSV Mainz 05 musste man im Trainingslager auf eine eigentümliche Hinrunde zurückblicken. Erst wurde acht Spiele in Folge nicht verloren, dann neun Spiele lang nicht mehr gewonnen. Im großen Interview mit bundesliga.de spricht Manager Christian Heidel über die Probleme der Hinrunde, über die Neuzugänge und über Shinji Okazaki.

bundesliga.de: Herr Heidel, zunächst lange nicht verloren, dann noch länger nicht gewonnen - so haben Sie im Dezember mit einer Prise Ironie die Hinrunde des FSV zusammengefasst; wie sieht Ihr Zwischenfazit mit ein paar Wochen Abstand aus?

Christian Heidel: Meine Einschätzung hat sich nicht großartig geändert. Selbstverständlich haben wir vor allem den zweiten Teil der Hinrunde ausführlich analysiert und müssen attestieren, dass es uns sehr schwer gefallen ist die vielen verletzungsbedingten Ausfälle zu kompensieren. Das geht Mannschaften von ähnlicher Güteklasse wie Mainz 05 aber häufiger so. Im Übrigen waren nicht zu viele Niederlagen unser Problem sondern zu viele Unentschieden. So weit weg waren nicht von einem besseren Abschneiden.

bundesliga.de: Bedeutet das für die Rückrunde Abstiegskampf pur?

Heidel: Stand heute sind gefühlt neun oder zehn Mannschaften im Abstiegskampf. Selbst Frankfurt muss aufpassen, obwohl die Eintracht fünf Punkte mehr hat als wir. Aber was sind schon fünf Punkte?! Diese Konstellation macht die Rückrunde so spannend - aber auch so gefährlich. Dessen sind wir uns bewusst.

bundesliga.de: Mainz startet zuhause gegen Paderborn...

Heidel: ...und mit der englischen Woche zum Start könnten wir uns bereits einiger Sorgen entledigen. Ebenso gut kann es aber passieren, dass wir in trauter Gesellschaft von vielen namhaften Clubs bis zum Saisonende gegen den Abstieg kämpfen müssen. Was mich allerdings sehr optimistisch stimmt ist die Tatsache, dass wir in der Rückrunde eine ganz andere Mannschaft stellen werden, als im zweiten Teil der Hinrunde. Alle Verletzten kehren zurück und mit Pierre Bengtsson und Christian Clemens haben wir zwei richtig gute neue Spieler.

"Der schwierigen Situation bewusst"

bundesliga.de: Mit dem Ergebnis der Arbeit im spanischen Trainingslager sind Sie demnach zufrieden...

Heidel: Absolut! Die nur durchschnittlichen Testspiel-Ergebnisse haben für mich keine Aussagekraft, denn wir sind zeitweise mit fünf U19-Spielern angetreten. Wichtig ist vielmehr, dass die Atmosphäre stimmt. Die Mannschaft glaubt an sich, ist sich aber der schwierigen Situation bewusst. Mit einem schlechten Start wären wir ganz unten drin. Sollte es so kommen, werden wir uns dagegen mit aller Macht wehren.

bundesliga.de: Sie haben gesagt: "Wenn es Veränderungen gibt, dann nicht auf Perspektive, sondern mit Spielern, die uns in den nächsten sechs Monaten stärker machen." Trifft das auf Bengtsson, der aus der dänischen Liga kommt und auf Clemens, der bei Schalke nur wenig Einsätze hatte, zu?

Heidel: Da bin ich ganz sicher. Die Vorbereitung hat das gezeigt. Pierre spielt hinten mit großer Ruhe, zeigt aber auch Vorwärtsdrang. Christian mag noch ein wenig Spielpraxis fehlen, aber auch er hat in den Tests bereits gezeigt, dass er für das Spiel gegen Paderborn ein sicherer Kandidat für die Startelf ist - ohne dem Trainer vorgreifen zu wollen. Da zudem Jonas Hoffmann für die linke Seite zurückkommt, haben wir mit ihm und mit Clemens endlich wieder eine echte Flügelzange. In der Mitte können wir mit Koo und Malli variieren, auf der Sechs haben wir Baumgartlinger, Geis, Park und Elkin Soto. Auch Chris Moritz wird zurückkommen. Über unsere Innenverteidigung konnten wir uns ohnehin noch nie beschweren. Zudem kommt Okazaki zurück. Die Mannschaft ist also gut aufgestellt. Allerdings bekommen auch gut aufgestellte Mannschaften hin und wieder Probleme.

"Können keinen weiteren Okazaki verpflichten"

bundesliga.de: Stichwort Okazaki: Der FSV hat - etwa in Bezug auf Ballbesitz - gute statistische Werte, es mangelt aber an der Effektivität. Da dürfte es Ihnen kaum gefallen, dass der Japaner beim Asien-Cup war und sich dort auch noch verletzt hat?

Heidel: Darüber sind wir in der Tat nicht glücklich. Wenn ein Okazaki ausfällt, tut uns das weh. Ob er beim Asien-Cup ist oder vielleicht wegen einer Verletzung oder einer Sperre ausfällt, macht aber keinen Unterschied. Jetzt hat sich ohnehin alles relativiert. Shinji ist zurück in Mainz, wenn auch leider leicht verletzt. Es gibt Hoffnung, dass er gegen Paderborn dabei sein kann.

bundesliga.de: Adäquater Ersatz für Okazaki dürfte kaum zu finanzieren sein...

Heidel: Ich verstehe die Leute nicht, die glauben wir könnten einen weiteren Stürmer seiner Klasse für die Bank verpflichten. Vielleicht würden wir das sogar machen, wenn es finanziell und sportlich möglich wäre. Bloß würde ein Spieler dieser Qualität sich darauf nicht einlassen. Das mag bei Bayern München, Borussia Dortmund oder dem FC Schalke funktionieren. Bei Mainz 05 funktioniert es nicht. Mit diesem Risiko müssen wir leben. Im Übrigen hatten wir noch nie zwei Stürmer in der Mannschaft, die uns jeweils 15 Tore garantieren.

Lesen Sie im zweiten Teil: Christian Heidel über die Widrigkeiten, denen Mainz ausgesetzt ist, über Kasper Hjulmand und über Borussia Dortmund. 

Das Gespräch führte Andreas Kötter