Gleich in seinem ersten Pflichtspiel für den FC Bayern gewann Thomas Kraft einen Titel, er sieht sich selbst als unangenehmen Kranken sowie schlechten Zuschauer und surft am liebsten auf der Website seines Arbeitgebers sowie der Rottweilerzucht von der Drachenburg im baden-württembergischen Markdorf.

Sein Motto lautet "Ohne Fleiß kein Preis" und er will in naher Zukunft die Nummer eins bei einem Bundesligisten werden - am liebsten natürlich beim deutschen Rekordmeister. Das sind genug Gründe, um den Torhüter einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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Titel im ersten Pflichtspiel

Sein Pflichtspiel-Debüt für den FC Bayern München gab der Torhüter am 7. August 2010 - im Spiel um den Supercup gegen den FC Schalke 04. Dabei zeigte Kraft mehrere hervorragende Paraden und konnte die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal vor einem Rückstand bewahren, ehe Thomas Müller (75.) und Miroslav Klose (81. Minute) zum Sieg trafen. So konnte Thomas Kraft sein erstes Pflichtspiel gleich mit einem Titel krönen. Sollte er in der kommenden Saison weitere Einsätze bekommen, will Kraft sich zeigen und versuchen, 100 Prozent zu geben. Das Vertrauen, dass der Verein in ihn hat, will er auf jeden Fall bestätigen.

Fußballerischer Werdegang

Die ersten Schritte als Torwart machte Thomas Kraft bei den Sportfreunden Daaden. Dort spielte er von 1998 bis 2000, eher er zum VfB Wissen wechselte. Von dort kam Kraft nach zwei Jahren zur Jugend der SG 06 Betzdorf. Ab 1. Juli 2004 spielte Kraft dann in der U 19 des FC Bayern München, in der Saison 2006/07 wurde er Vertragsspieler und dritter Torhüter und gehörte außerdem dem erweiterten Profikader an. Zur Saison 2008/09 erhielt Kraft einen Profivertrag für die erste Mannschaft und war außerdem Stammtorhüter der zweiten Mannschaft, die in der 3. Liga spielt. In der kommenden Spielzeit ist er zweiter Torwart hinter Hans-Jörg Butt.

Faszination Torwart-Spiel

Mit acht Jahren begann Kraft, Fußball zu spielen - und immer bevorzugt im Tor. Bevor er 2004 zu den Bayern wechselte, stand er zwar auch regelmäßig als Stürmer auf dem Platz, doch seine "große Liebe" war immer das Torwart-Spiel. Wie er im "Merkur" erzählte, wollte er unbedingt ins Tor, um Bälle zu halten: "Man muss natürlich schon ein bisschen verrückt sein, wenn man sich da in so ein Tor stellt und sich die Bälle aus zwei, drei Metern um die Ohren hauen lässt. Aber ganz verrückt kannst du ja nicht sein: Wenn du ständig am Ausflippen bist - das geht nicht. Ruhe ist als Torwart einfach das Wichtigste."

Ausgleich zum Fußball

Kraft weiß natürlich, dass die Ansprüche beim FC Bayern München besonders hoch sind. Deshalb hat er sich eine Rückzugszone außerhalb des Platzes eingerichtet. Mit dabei sind immer seine beiden Rottweiler Dina und Blake. Die Hunde sind sein ganzer Stolz: "Die Hunde halten mich ganz schön auf Trab. Aber sie sind wichtig für mich, sie sind Ausgleich vom Fußball", so Kraft im "tz"-Interview: "Natürlich ist das auch mit Arbeit verbunden. Aber wir haben mit zwei Hunden tatsächlich weniger Arbeit als mit einem, weil sich beide miteinander beschäftigen können." Mit den beiden Vierbeinern geht Kraft übrigens regelmäßig in die Hundeschule.

Ehrgeizige Ziele

Bereits zwei Monate vor Ende der vergangenen Saison erfuhr Kraft, dass Trainer Louis van Gaal zukünftig mit ihm als Nummer zwei plante. "Da wurde schon vereinbart, dass kein neuer Torwart mehr kommt", erzählte Kraft dem "Merkur". Für die Zukunft hat er große Ziele: "Ich spiele nicht Fußball, um nur irgendwo zweiter oder dritter Torwart zu sein - und ich will auch nicht in der 2. Bundesliga oder der 3. Liga versanden. Ich will so schnell wie möglich Nummer eins bei einem Bundesligisten werden. Dieses Jahr will ich mich noch mehr zeigen - vielleicht kann ich mich ja auch hier für die nächsten Jahre anbieten."

Unangenehmer Kranker

2009 brach er sich im Drittliga-Spiel gegen Jena den Kiefer. Der "BILD" erklärte er, dass ihn das keinesfalls ausbremsen würde: "Ich bin nicht der Typ, der sich hängen lässt. Mir ist relativ wurscht, ob jetzt der Kiefer gebrochen oder irgendetwas anderes ist. Davon lasse ich mich nicht aufhalten. Außerdem bin ich als Kranker ziemlich unangenehm. Es ist auch für meine Freundin besser, wenn ich schnell wieder fit werde." Wie es zur Verletzung kam, weiß er übrigens nicht mehr: "20 Minuten nach dem Vorfall bin ich wieder zu mir gekommen. Als ich den Mund aufmachte, hat es ordentlich gescheppert. Da habe ich dann gemerkt, dass etwas kaputt ist."

Verletzung vor dem Saisonstart

Da Bayerns Stammkeeper Jörg Butt nach der WM in Südafrika zunächst in den Urlaub fuhr und einen großen Teil der Vorbereitung verpasste, bekam Thomas Kraft häufig die Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen. Auch zum Vorbereitungsturnier in Gelsenkirchen, an dem neben Gastgeber FC Schalke 04 auch der 1. FC Köln sowie der Hamburger SV teilnahmen, sollte Kraft zwischen den Pfosten stehen. Beim Abschlusstraining prallte der Torhüter jedoch mit einem Mitspieler zusammen und zog sich eine Schädelprellung zu.

Erfolge

Da er schon seit 2008 zum Profi-Kader des FC Bayern Münchens gehört, konnte Thomas Kraft auch schon einige Titel mit dem Rekordmeister sammeln - und das, ohne zu spielen. Kraft kann sich daher Deutscher Meister und Pokalsieger 2010 sowie Finalist in der Champions League 2010 nennen. Vor Saisonstart holte er mit den Bayern außerdem den Supercup. Diesmal stand er selbst zwischen den Pfosten und hatte einen großen Anteil am Sieg. In den Jahren 2006 und 2007 wurde Kraft übrigens mit seiner Mannschaft Deutscher A-Jugend-Vizemeister.

Zuhause ein Star

Thomas Kraft wurde am 22. Juli 1988 in Kirchen im Westerwald geboren. Heute gilt er dort schon als kleiner Star: "Gerade die Kleinen kommen dann zu mir, klingeln an, fragen mich ein bisschen aus. Meine Mama muss immer viele Autogramm-Karten verteilen", verriet er vor kurzem der "tz". Nach Hause fährt er im Moment nur, wenn viel Zeit vorhanden ist, wie beispielsweise in der Sommerpause: "Da war ich drei Wochen daheim." In der Heimat trainiert Kraft übrigens seit mehreren Jahren mit einem Freund, der bei einem kleineren Verein Torwarttrainer ist.

Auf dem Weg zur Nummer eins

Dass es sein großer Traum ist, die Nummer eins beim FC Bayern zu werden, gibt Kraft offen zu. "Alles andere wäre gelogen", verriet er dem "Merkur". Auf seinem Weg dahin lässt er sich auch nicht vom Scheitern seines Vorgängers Michael Rensing verrückt machen, weil das in seinen Augen eine ganz andere Geschichte sei. "Ich weiß, dass es so laufen kann. Es ist ein schmaler Grat beim FC Bayern. Du darfst dir nicht viel erlauben, wenn du dann mal spielst", sagte er zur "tz". Seine Chance will er nutzen, denn er selbst bezeichnet sich als schlechten Zuschauer. Dann wird er nervös und will lieber selbst spielen.

Isabell Groß


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