Der Alltag holte Uli Hoeneß am Donnerstagabend selbst im Planetarium des Deutschen Museums ein - in Form seines Handys.

Immer wieder musste der Bayern-Manager ans Telefon. Kein Wunder, es gab ja noch einiges zu regeln, zum Beispiel der Deal mit Arjen Robben.

Inzwischen steht fest: Der Niederländer wechselt von Real Madrid zum FCB, unterschrieb einen Vierjahresvertrag an der Säbener Straße. Möglicherweise steht Robben sogar schon am Samstag beim Bundesliga-Topduell gegen Wolfsburg (Sa., ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) zur Verfügung.

Angriffslustig berichtete Hoeneß daher am Donnerstagabend am Rande der Champions-League-Auslosung vom Transfercoup mit dem Real-Angreifer und blickte auf das Spiel gegen Wolfsburg voraus. Er gestand angesichts des schwachen Saisonstarts: "Es ist schon davon auszugehen, dass wir am Samstag großen Druck haben werden."

Frage: Was sagen Sie zur Champions-League-Auslosung. Wie schätzen Sie die Gruppe mit Juventus Turin, Girondins Bordeaux und Maccabi Haifa ein?

Uli Hoeneß: Wir haben es mit schönen Brocken zu tun. Das ist sicher eine schwierige Gruppe, wo jeder den anderen schlagen kann. Auch Haifa hat immerhin Salzburg rausgeworfen.

Frage: Arjen Robben kommt von Real Madrid. Was zeichnet den Niederländer aus?

Hoeneß: Robben ist einer der Spieler, die wir unbedingt haben wollten. Er ist unserer Meinung nach einer der besten offensiven Mittelfeldspieler, die es in Europa gibt. Wir wollten gegen den Strom schwimmen und haben nie daran gedacht, Franck Ribery gegen Robben einzutauschen. Jetzt haben wir am Ende beide und eine noch attraktivere Mannschaft.

Frage: Mit Robben und Ribery haben Sie jetzt aber zwei offensive Spieler, die bevorzugt links spielen...

Hoeneß: Robben kann auch rechts spielen. Unsere Absicht ist, Arjen Robben nicht über links spielen zu lassen, sondern über rechts, so dass Franck Ribery über links kommen kann.

Frage: Wie liefen die Verhandlungen mit Real Madrid? Da gab es zuletzt ja mal atmosphärische Störungen...

Hoeneß: Die Gespräche haben gar nicht lange gedauert, das ist auf höchster Ebene passiert. Real hat dabei stets betont, dass sie auf ein gutes Verhältnis zu Bayern München Wert legen. Die Gespräche waren sehr angenehm.

Frage: Wird es noch weitere Einkäufe bis Montag geben?

Hoeneß: Wir haben im Moment keine Absichten. Aber vor drei oder vier Tagen hätte ich auch nicht gedacht, dass Arjen Robben nach München kommt.

Frage: Das heißt, die Abwehr wird nicht verstärkt...

Hoeneß: Wir sehen unsere Probleme nicht so sehr in der Abwehr, zumindest nicht mittelfristig, weil wir glauben, dass wir da gut aufgestellt sind. Wir haben Martin Demichelis, der ja nicht ewig verletzt ist, Daniel van Buyten und Holger Badstuber. Er hat sich bisher ganz gut bewährt. Auch Breno ist ein Spieler, der unser Vertrauen hat. Verletzungen kurzfristiger Art wie bei Mark van Bommel oder Martin Demichelis, die vier, fünf Wochen dauern, fordern keinen Transfer, der Millionen kostet. Das wäre ja hirnrissig.

Frage: Der Kader ist jetzt aber sehr groß. Wird es bis Montag noch Abgänge geben?

Hoeneß: Wenn der ein oder andere Spieler bis Montag zu uns kommt, weil er jetzt noch weniger Chancen sieht zu spielen, stehen wir Gesprächen aufgeschlossen gegenüber. Wir werden aber niemanden zwingen, den Verein zu verlassen.

Frage: Am Samstag geht es gegen Wolfsburg. Wie schätzen Sie die "Wölfe" ein?

Hoeneß: Wolfsburg hat bisher sehr unterschiedlich gespielt: Gegen Stuttgart hervorragend, in Köln haben sie das Spiel spät gedreht. Und gegen den HSV haben sie einen Rückstand aufgeholt und dann doch verloren. So hundertprozentig topfit sind sie auch noch nicht. Das gibt mir die Hoffnung auf ein gutes Spiel unserer Mannschaft.

Frage: Wird Franck Ribery am Samstag spielen?

Hoeneß: Das entscheidet der Trainer. Aber er hat gesagt, wenn Franck schmerzfrei die Woche trainieren kann, wird er im Kader auftauchen. Danach sieht es aus. Dann wird er im Laufe des Spiels einen Einsatz bekommen.

Aufgezeichnet von Michael Gerhäußer