So weit sind sie noch nie zuvor gekommen: Wenn die "Wölfe" am Donnerstagabend bei Rubin Kasan in Russland antreten (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker), dann spielen sie nicht nur zum ersten Mal in einem europäischen Achtelfinale, sondern haben mit über 2.800 Kilometern auch die weiteste Distanz zurückgelegt, die überhaupt in dieser Europapokalsaison für den VfL Wolfsburg möglich gewesen ist.

Auch sonst aber ist Kasan ein unheimlich schwieriges Los, wie schon ganz andere Vereine haben herausfinden müssen.

Blamage für Barca

Es war der 20. Oktober 2009, als Rubin Kasan aus seiner Deckung kam und mit einem sensationellen 2:1-Sieg in Barcelona ganz Europa zeigte, wozu es im Stande ist. In der Champions League strichen die Russen dann zwar trotzdem die Segel, allerdings sind sie bereits jetzt wieder neu qualifiziert, da sie ihren ersten Meistertitel aus dem Jahr 2008 in der vergangenen Spielzeit mit acht Punkten Vorsprung beeindruckend kalt verteidigen konnten. Für ZSKA Moskau beispielsweise, Gegner der "Wölfe" in der "Königsklassen"-Vorrunde, reichte es mit elf Zählern Abstand nur zu Rang 5.

Was wird die "Wölfe" nun erwarten bei diesem Gegner, den man in Deutschland bislang so gut wie gar nicht kennt? "Auf jeden Fall eine lauffreudige und leidenschaftliche Mannschaft", weiß Lorenz-Günther Köstner, der sich unter anderem bei seinem ehemaligen Schützling Ivan Saenko (ehemals Karlsruhe und Nürnberg, aktuell Spartak Moskau) genau über Kasan erkundigt hat. "Allein schon der Rasen wird keine Kabinettstückchen zulassen. Zwar hat Kasan ein paar Leute, die richtig gut Fußball spielen können. Alles in allem wird sich das Spiel aber über den Kampf entscheiden", so der Trainer.

Köstner mit Personalsorgen

Während der russische Meister nun soeben erst seine Saisonvorbereitung beendet hat (die neue Spielzeit startet am 14. März), stehen die "Wölfe" nicht nur voll im Saft, sondern nehmen auch eine Menge Bundesliga-Rückenwind mit ins ferne Tartastan.

Die Erfolgself aus den letzten Wochen jedoch wird Köstner nicht nur Verfügung stehen. Sowohl Andrea Barzagli (Rippe) als auch Grafite (Adduktoren) fallen aus und bleiben ebenso zuhause wie Karim Ziani (Oberschenkel) und Diego Benaglio (Knie). Da am Dienstag endgültig zudem auch Jan Simunek passte, rückten die U23-Spieler Daniel Reiche und Julian Klamt in den Kader. Wieder zurückgreifen kann der Trainer dagegen auf Zvjezdan Misimovic, der gegen Bochum wegen seiner fünften Gelben Karte hatte aussetzen müssen.

Wer auch immer aber auflaufen wird, dem fordert der Übungsleiter höchste Konzentration für eine geschlossene Mannschaftsleistung ab. "Am besten sind wir mit den Gedanken schon dort, bevor wir überhaupt gelandet sind", schwört Köstner die VfL-Profis ein und meint damit nicht nur den Gegner, sondern auch die mutmaßlich rauen Bedingungen. "Wir müssen alles investieren für ein gutes Ergebnis", so der Trainer, "um dann im Heimspiel bei hoffentlich besseren Temperaturen eine Runde weiter zu kommen."