Köln - Es ist eine Premiere, die der Fußball am Sonntagabend erlebt. Mit Deutschland und Argentinien treffen erstmals zwei Mannschaften zum dritten Mal in einem WM-Finale aufeinander. Insgesamt gab es dieses Duell beim wichtigsten Fußballturnier der Welt schon sechs Mal. Obwohl sich Argentinien 1986 in Mexiko gegen Deutschland den Titel sicherte, spricht die Bilanz für das DFB-Team (vier Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage, 9:3 Tore). bundesliga.de blickt auf die bisherigen WM-Duelle zurück.

1958: Vorrunde in Schweden - 3:1

Uwe Seeler (r.) jagt dem Ball hinterher

Die von Sepp Herberger trainierte Auswahl startet 1958 als Titelverteidiger ins Turnier und lag schon nach zwei Minuten gegen die Südamerikaner zurück. Beeindrucken ließ sich die Mannschaft davon jedoch nicht. Durch eine aggressive Spielweise, die von den Argentiniern hinterher als deutlich zu hart kritisiert wurde, kaufte Deutschland der Albiceleste den Schneid ab. „Boss“ Helmut Rahn glich nach einer guten halben Stunde aus, Uwe Seeler und erneut Rahn sorgten für den ersten WM-Erfolg gegen Argentinien.

Tore: 0:1 Corbatta (2.), 1:1 Rahn (32.), 2:1 Seeler (40.), 3:1 Rahn (79.).

1966: Vorrunde in England - 0:0

Franz Beckenbauer im Kampf um den Ball

Keine Treffer, aber eine Menge Blessuren: Über das zweite WM-Duell zwischen Deutschland und Argentinien sollte aus fußballerischer Sicht am besten der berühmte Mantel des Schweigens gelegt werden. Sportliche Höhepunkte hatte die Partie in Birmingham nämlich nicht zu bieten. Es drängte sich stattdessen der Eindruck auf, Argentiniens Trainer Juan Carlo Lorenzo wolle acht Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen bei einer Endrunde Revanche nehmen für das damals angeprangerte harte Spiel der Deutschen. An diesem Tag waren es die Südamerikaner, die keinen Zweikampf scheuten und selbige gerne am Rande der Legalität führten. Für Schiedsrichter Konstantin Zecevic bedeutete das eine Menge Arbeit, allerdings fehlten ihm die richtigen Werkzeuge – Gelbe und Rote Karten gab es noch nicht. Verteidiger José Albrecht überspannte den Bogen trotzdem und wurde mündlich des Feldes verwiesen.

1986: Finale in Mexiko - 2:3

Küsschen für den Pokal: Diego Maradona

Im Azteken-Stadion sind 56. Minuten gespielt, da ist das erste Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien eigentlich entschieden ist. Vor fast 115.000 Zuschauern und bei brüllender Hitze erzielt Jorge Valdano das 2:0 für die Südamerikaner. Die deutsche Auswahl, die im Turnierverlauf vor allem dank ihrer konzentrierten Defensive zum Erfolg gekommen war, scheint bereits geschlagen. Doch irgendwie gelingt es Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler, den Ausgleich zu erzielen. Man ahnt, warum der bis dato nicht aufzuhaltende Diego Maradona vor der Partie seine Angst vor den „deutschen Panzern“ zum Ausdruck gebracht hat. Doch der große Star dieses Turniers hat noch einen feinen Pass im Köcher und schickt Matchwinner Jorge Burruchaga zum entscheidenden Tor auf die Reise.

Tore: 0:1 Brown (22.), 0:2 Valdano (56.), 1:2 Rummenigge (73.), 2:2 Völler (82.), 2:3 Burruchaga (85.).

1990: Finale in Italien - 1:0

Sieger: Rudi Völler (l.) und Andreas Brehme

„Diego“ gegen Diego – dieses Duell prägte das Finale von Rom. Guido „Diego“ Buchwald sorgte mit unnachahmlicher Hartnäckigkeit und Aufmerksamkeit dafür, dass Diego Maradona, vier Jahre zuvor noch der große Held, praktisch nicht am Spiel teilnimmt. Ein Schicksal, das er mit seinen Mitspielern gemein hat, denn eine hochüberlegene deutsche Elf gewährt der Albiceleste in 90 Minuten nur einen einzigen Torschuss. Einen lockeren Erfolg feiert die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer aber nicht, denn vor dem Tor versagen die Nerven. Die bewahrt fünf Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit Andreas Brehme, der den als Elfmetertöter bekannten Sergio Goycochea per Strafstoß überwand. Der etatmäßige Schütze und prägende Spieler dieser WM, Lothar Matthäus, hatte in der Halbzeit einen Schuh wechseln müssen und sich deshalb nicht sicher genug gefühlt.

Tore: 1:0 Brehme (85., Foulelfmeter).

2006: Viertelfinale in Deutschland - 5:3 n.E.

Der Zettel-Held: Jens Lehmann

Normalerweise sind es die entscheidenden Akteure, die nach einem spannenden, umkämpften und knappen Spiel die Schlagzeilen bestimmen. Nach dem Viertelfinale der deutschen Heim-WM in Berlin war das ein kleines bisschen anders. Zwar bekam Jens Lehmann, der im Elfmeterschießen zwei Strafstöße parierte, die übliche Würdigung als Held des Tages, doch im Mittelpunkt stand ein Zettel. Auf dem hatte Torwarttrainer Andreas Köpke die Ecken notiert, die gewöhnlich Ziel der argentinischen Elfmeterschützen waren. Wie ein Tourist der den richtigen Weg sucht, holte Lehmann während des Elfmeterschießens gleich zweimal die Notizen hervor, um sich über den Gegner zu informieren – mit Erfolg.

Tore: 0:1 Ayala (49.), 1:1 Klose (80.). Elfmeterschießen: 2:1 Neuville, 2:2 Cruz, 3:2 Ballack, Ayala verschießt, 4:2 Podolski, 4:3 Rodríguez, 5:3 Borowski, Cambiasso verschießt.

2010: Viertelfinale in Südafrika - 4:0

Maradona kann nicht hinschauen

Als ausgewiesener Torjäger ist Arne Friedrich nicht bekannt. Dass der Defensivspieler am 3. Juli 2010 trotzdem einen eigenen Treffer bejubeln durfte, steht geradezu sinnbildlich für einen Tag, an dem der deutschen Nationalmannschaft fast alles gelang. Vielleicht hatten die großspurigen Ankündigungen von Diego Maradona, dem Trainer Argentiniens, dazu beigetragen, dass die DFB-Auswahl zum Höhenflug ansetzte. Deutschland werde seiner Mannschaft nur hinterherrennen hatte Maradona vollmundig erklärt – es sollte genau andersherum sein. Das Team von Joachim Löw kombinierte sicher und zielstrebig, Argentinien konnte nur reagieren und kaum agieren.  Ein Spielverlauf, gegen den die deutschen Fans sicherlich auch am Sonntagabend nichts einzuwenden hätten.

Tore: 0:1 Müller (3.), 0:2 Klose (67.), 0:3 Friedrich (74.), 0:4 Klose (89.).

Stefan Schinken