Gelsenkirchen - Sein Einsatz war vorher fraglich, doch am Ende hat Leon Goretzka beim 1:0-Sieg des FC Schalke 04 über die TSG Hoffenheim nicht nur bis zum Abpfiff durchgehalten, sondern mit 11,7 Kilometern auch das größte Pensum aller Schalker abgespult.

Im Interview nach der Partie erklärte der 20-Jährige, mit welchem Trick die Ärzte ihn fit bekommen haben, welche Baustellen er für die Rückrunde sieht und mit welchem persönlichen Fazit er in die Winterpause geht.

Frage: Leon Goretzka, Ihr Einsatz war vor diesem Spiel mehr als fraglich. Wieso ging es doch trotz Problemen am Fuß?

Leon Goretzka: Ich habe eine sehr starke Prellung und damit verbunden auch eine sehr starke Schwellung, die wir nicht richtig in den Griff bekommen haben. Aber dann sind wir auf die Idee gekommen, mir hinten in den Schuh ein Loch zu machen. Die Lösung war so gut, dass es dann doch ging.

"Haben uns am Ende voll reingeworfen"

Frage: Wie schwierig war es denn, zum Abschluss eines langen Jahres noch einmal alles rauszuhauen gegen die TSG Hoffenheim?

Goretzka: Gerade, wenn man das Ziel vor Augen hat, dann ist es nicht mehr ganz so schwierig. Am Ende steht jetzt ein Sieg über Hoffenheim, der für uns extrem wichtig war, um diese Hinrunde vernünftig abzurunden. Dass man hier und da wieder gesehen hat, dass wir noch ein paar Dinge aufarbeiten müssen, ist auch klar. Dazu haben wir dann in der Vorbereitung noch einmal ein paar Wochen Zeit.

Frage: Am Ende des Spiels stand der Sieg noch einmal auf etwas wackeligen Füßen. Da ist Schalke doch manches Mal in die Bredouille geraten.

Goretzka: Das ist zum Beispiel eine Sache, an der wir definitiv noch arbeiten müssen. Wir haben das Spiel absolut im Griff und machen das Tor. Und dann haben wir irgendwie wieder einen Schritt weniger gemacht und das Spiel damit etwas aus der Hand gegeben. Das darf uns in Zukunft nicht mehr passieren. Wir haben uns dann zum Ende nochmal voll reingeworfen und alles gegeben, das war wiederum gut. So haben wir den Sieg über die Zeit gebracht. Er war letztlich auch verdient, aber diese Sache ist sicher ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen.

Frage: Schalke hat vor allem in der ersten Halbzeit relativ früh angegriffen. War das die eigentliche Marschroute für das Spiel?

Goretzka: Es war ein Signal für uns: Wir sind Schalke, wir hatten ein Heimspiel und es war die letzte Partie des Jahres – wir wollten um jeden Preis gewinnen. Wir wollten möglichst schnell die Bälle erobern. Möglichst in der Hoffenheimer Hälfte, um den Weg zum Tor nicht zu groß werden zu lassen.

"Mit einem positiven Gefühl in die Winterpause"

Frage: Wenn Sie jetzt ein Fazit der Hinrunde ziehen: Können Sie zufrieden sein?

Goretzka: Ich denke schon. Der Sieg über Hoffenheim war nochmal ganz wichtig. So haben wir jetzt 27 Punkte auf dem Konto. Das geht in Ordnung. Jetzt können wir mit einem positiven Gefühl in die Winterpause gehen.

Frage: Und wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Goretzka: Vor allem bin ich froh, dass ich endlich mal fit war. Es tat mir gut, dass ich die intensive Vorbereitung mitmachen konnte. Ich muss jetzt auch keinen Gedanken mehr daran verschwenden, dass ich mich wieder verletze. Das spiegelt sich auch in der Leistung wider. Deswegen bin ich wirklich ganz zufrieden.

Frage: Ihr Trainer traut Ihnen in dieser Verfassung auch im Nationaltrikot einiges zu. Geht Ihr Blick eher zur EM in Frankreich oder zu den Olympischen Spielen in Rio?

Goretzka: Es sind beides wahnsinnig große Events. Ich habe schon ein Länderspiel gemacht und es ist sicher das Ziel eines jeden Fußballers, irgendwann in der A-Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Und das ist natürlich auch mein Ziel – ganz klar!

Frage: Wie geht es jetzt erstmal in der unmittelbaren Zukunft weiter? Wie sehen bei Ihnen die Weihnachtstage aus?

Goretzka: Ich freue mich sehr darauf, viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Das kommt in unserem Berufsleben sonst leider immer etwas zu kurz. Jetzt hat man mal wieder intensive Zeit mit der Familie und kann sich dabei sehr gut erholen. Darauf freue ich mich jetzt richtig.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte