Spätestens in der 64. Minute war allen klar, was im Nürnberger easyCredit-Stadion für alle Beteiligten auf dem Spiel stand! Die Emotionen kochten hoch, die Akteure auf dem Platz lieferten sich lautstarke Wortduelle, Körpersprache, Gestik und Mimik waren eindeutig!

Nur zwei Minuten später fügte FCA-Verteidiger Jonas de Roeck dem ersten der zwei entscheidenden Relegationsspiele ein weiteres dramatisches Element hinzu, als er Eric Maxim Choupo-Moting im Strafraum zu Fall brachte und Schiedsrichter Babak Rafati sofort auf den Punkt zeigte. Oh ja, in Nürnberg ging es für beide bayerischen Teams um alles, und aufgrund des knappen 1:0-Heimsieges der Nürnberger wird es auch am Sonntag in der Augsburger impuls arena weiterhin um alles gehen!

Augsburg ist zuhause bärenstark

"In ein-zwei Situationen gab es eine Rudelbildung, aber das gehört einfach dazu, es geht für beide Mannschaften in diesen zwei Spielen um alles, aber es war nichts dramatisches. Die Spieler haben sich danach wieder vertragen", sagte der Ex-Nürnberger Dominik Reinhardt, nun in Diensten des FC Augsburg, auf Nachfrage von bundesliga.de und fügte mit Blick auf das Rückspiel hinzu: "Wir wollen den Aufstieg in Augsburg mit unseren Fans im Rücken klarmachen und mit zwei Toren Unterschied gewinnen."

Eine Kampfansage, deren Aussagekraft von imponierenden Zahlen bestätigt wird: Von ihren 17 Heimspielen in der impuls arena verloren die "Fuggerstädter" lediglich die Partie gegen Alemannia Aachen mit 0:1. Dafür holte das Team von Trainer Jos Luhukay elf Siege, unter anderem gegen die aktuellen Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern (4:1) und FC St. Pauli (3:2).

Gegen den "Club" müssen die Schwaben allerdings mit zwei Tore Differenz gewinnen, um ihren Traum von der Erstklassigkeit zu verwirklichen: "Wir haben in dieser Saison oft genug bewiesen, dass wir heimstark sind. Mit der Niederlage müssen wir leben und haben jetzt zwei Tage Zeit für die Vorbereitung auf das Rückspiel. Da werden wir uns zerreißen, um unser aller Ziel zu verwirklichen." Auch Jos Luhukay ist von der möglichen Torausbeute am Sonntag überzeugt: "Jeder weiß, wie stark wir in dieser Saison zuhause gespielt haben, wir haben immer Tore erzielt. Aber wir dürfen kein Gegentor kassieren."

"Wir haben keinen Druck"

Das Relegations-Hinspiel unter Flutlicht entpuppte sich als das erwartete Duell zwischen dem erfahrenen "Club" aus Nürnberg und den jungen "Euphorie-Kickern" aus Schwaben. Während das Team von Dieter Hecking schon im vergangenen Jahr die Relegation über sich ergehen lassen musste und schließlich meisterte (zwei Siege gegen Energie Cottbus), schienen die "Fuggerstädter" unbekümmert aufspielen zu können, frei vom Druck, den Aufstieg unbedingt erreichen zu müssen: "Der Druck, jetzt aufzusteigen, ist nicht da. Es hätte ja keine Nachteile, wenn wir es nicht schaffen würden", sagte Manager Andreas Rettig deshalb schon vor der Partie entspannt. Die Favoritenrolle hatte somit der "Club" inne.

Jentzsch verhindert deutlichere Niederlage

Dass die unbekümmerte Euphorie der Augsburger am Ende doch nicht gegen die Erfahrung der Nürnberger bestehen konnte, lag an der Souveränität und Abgeklärtheit der Franken, die im eigenen Stadion ihr Spiel aufzogen, in der Defensive sicher standen und die Unerfahrenheit der Augsburger in Form von zahlreichen Torchancen aufzeigten.

Und dass es letztlich nicht zu einer vorzeitigen Entscheidung kam, dafür sorgten FCN-Stürmer Albert Bunjaku mit seinen vergebenen Möglichkeiten und FCA-Keeper Simon Jentzsch, der bis auf das Kopfballtor von Christian Eigler in der 84. Minute eine hervorragende Partie machte und alles hielt, was auf sein Tor abgefeuert wurde: "Wir wissen, dass wir einen tollen Torwart haben, der schon in der Saison einige Elfmeter gehalten hat. Er ist ein riesiger Rückhalt. Ich hoffe nicht, dass es am Sonntag über 120 Minuten gehen wird, aber wenn doch, dann haben wir mit Simon Jentzsch vielleicht den entscheidenden Vorteil," lobte Dominik Reinhardt seinen Torhüter.

"Dürfen kein Tor kassieren"

Trotz ihrer beachtlichen Heimstärke wollen die Augsburger am Sonntag keine unüberlegten Offensivmanöver starten: "Wir dürfen nicht von Anfang an mit jedem Mann nach vorne rennen, denn dann ist der 'Club' stark genug, um uns ein Tor einzuschenken. Dann wird es doppelt so schwer. Ich denke, dass wird ein komplett anderes Spiel in Augsburg! Dort könnten die Rollen auch anders verteilt sein als heute. Es wird sich zeigen, wir werden alles versuchen", so Reinhardt, der die wenigen, aber gefährlichen Vorstöße von Topstürmer Michael Thurk und Ibrahima Traore entsprechend bewertete: "Wir haben heute nicht das von uns gewohnte Offensiv-Feuerwerk gesehen, aber wir wollten den 'Club' ein bisschen in die Verzweiflung treiben, hinten gut stehen und dann Nadelstiche setzen, wie wir das vergangenen Sonntag in Kaiserslautern getan haben."

Gegen die Pfälzer reichte es aber nur zu einem Remis. Im Rückspiel am Sonntagabend wird sich endgültig zeigen, ob die heimstarken Augsburger ihre Unbekümmertheit dann auch in Tore ummünzen können, denn Körpersprache, Gestik und Mimik allein - das ist allseits bekannt - entscheiden nicht über Aufstieg und Abstieg.

Barnabas Szöcs