Der FC Bayern München zittert momentan vor keinem Gegner. Da kann der Winter noch so eisig sein, und die Diskussionen über lange Unterhosen noch so hitzig geführt werden: Beim Rekordmeister wird nicht gefröstelt. Auch das Auswärtsspiel beim amtierenden Meister aus Wolfsburg (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) kann an der hervorragenden Stimmung nichts ändern.

Bei der letzten Begegnung in der Volkswagen Arena sah das noch ganz anders aus. Eisig dürfte die Stimmung in der Kabine am 4. April 2009 gewesen sein, als die Bayern in Wolfsburg eine bittere 1:5-Niederlage kassierten, regelrecht demontiert wurden und dazu noch das finale Hackentor von Stürmer Grafite mit ansehen mussten, der den Verein damit mitten ins Herz traf.

Van Buyten: "Es wird schwierig"

Die "Wölfe" erklommen an diesem 26. Spieltag die Tabellenspitze und holten mit Trainer Felix Magath schließlich auch die Deutsche Meisterschaft.

Zehn Monate liegt diese schwere Niederlage bereits zurück. Die Erinnerungen sind zwar noch da, spielen aber für Bayerns Abwehrchef Daniel van Buyten vor der Partie keine Rolle mehr: "Ich denke nicht daran, die Mannschaft redet auch nicht davon. Ob nun Meister oder nicht spielt keine Rolle. Wir haben eine Serie gestartet und wollen diese auch in Wolfsburg fortsetzten. Aber es wird schwierig."

Seit April 2009 hat sich auch viel bei beiden Vereinen getan. Jedoch könnten die momentanen Unterschiede kaum gravierender sein. Während die Münchner derzeit sieben Bundesligasiege in Folge feiern konnten, wartet der Meister aus der Autostadt seit nunmehr acht Spieltagen auf einen Sieg (vier Unentschieden sowie vier Niederlagen). Viele kleine Baustellen haben sich unter Veh aufgetan, Tabellenplatz 11 lautet der ernüchternde Fakt.

"Es wird ein ganz anderes Spiel"

Bayern-Stürmer Mario Gomez sieht das anstehende Spiel unter neuen Vorzeichen: "Wolfsburg ist jetzt in einer ganz anderen Situation, daher wird es ein ganz anderes Spiel. Und ein Trainerwechsel bewirkt viel, wie man momentan beim VfB Stuttgart sehen kann."

Der neue Trainer bei den "Wölfen" heißt seit dem 26. Januar Lorenz-Günther Köstner, nachdem Armin Veh freigestellt wurde. Unter Köstner erkämpfte sich der Meister am vergangenen Spieltag immerhin ein 1:1-Auswärtsremis beim Hamburger SV. Dennoch glaubt Gomez an einen Sieg seiner Bayern, die vermutlich auf Andreas Görlitz (Magen-Darm-Probleme) verzichten müssen: "Wenn wir 100 Prozent abrufen werden wir gewinnen."

Lob für die Abwehr

Einen Schlüssel für den momentanen Lauf der Bayern sieht Gomez in der Defensive rund um Abwehrchef van Buyten: "Daniel spielt einfach super. Er ist angsteinflössend, wenn er wie eine Statue dasteht. Das schüchtert die Gegner ein." Das wiederum wirke sich auch auf die anderen Teile der Mannschaft aus. "Man fühlt sich gut, wenn man jemanden wie Daniel in der Verteidigung hat. Aber man darf die anderen nicht vergessen. Es ist die gesamte Abwehr", betonte Gomez auf Nachfrage von bundesliga.de.

Dass sich Trainer Louis van Gaal seit der positiven Serie charakterlich verändert hätte, bestreitet der 24-jährige Angreifer: "Er hat seine Linie gehalten und sich nicht verändert. Das finde ich stark. Er kann bei Pressekonferenzen keine Witzchen machen, wenn wir 0:1 gegen den HSV verlieren." Sogar eine kleine, weitreichende Prophezeiung macht Mario Gomez zum Schluss: "Wir werden uns keine bösen Ausrutscher leisten."

"Auch Franck will Sicherheit"

Alle andere als rutschig ist die Zukunft von Daniel van Buyten. Drei Tage vor seinem 32. Geburtstag verlängerte der Belgier seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre. Das Gehalt war dabei nicht ausschlaggebend: "Ich hatte auch andere gute Angebote, wo ich teilweise mehr verdient hätte. Aber das gesamte Paket war mir wichtiger. Meine Familie und ich fühlen uns wohl in München."

Auch Holger Badstuber (zwei Jahre) und Thomas Müller (drei Jahre) haben ihre Kontrakte beim Rekordmeister verlängert. Zu einer möglichen Vertragsverlängerung seines Kumpels Franck Ribery kann der Belgier jedoch nichts Definitives sagen: "Ich würde mich freuen, wenn er bleibt. Er muss abwiegen und sich dann entscheiden. Auch Franck will Sicherheit."

Und was sagt der hartgesottene Abwehrchef zur wärmend-langen Unterhose von Kollege Robben? "Arjen fühlt sich wohl in dieser Wäsche. Wenn mir kalt ist muss ich einfach mehr laufen." Vor dem Spiel in Wolfsburg sind die Bayern also bester Laune, zittern müssen nur die Gegner.

Von der Säbener Sträße berichtet Barnabas Szöcs

Weitere Fakten zur Partie und mögliche Aufstellungen finden Sie