Der 1. FSV Mainz 05 ist mit elf Zählern bisher die Überraschung der Saison - und Andreas Ivanschitz führt mit drei Toren und vier Vorlagen die Scorer-Liste der Liga an.

Nach dem ersten Auswärtssieg in Bochum fahren die Mainzer selbstbewusst und nicht chancenlos auch zum nächsten Spiel bei Werder Bremen am Samstag, ist der Österreicher überzeugt. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Andreas Ivanschitz über das Erfolgsgeheimnis von Mainz 05, die Rolle von Trainer-Neuling Thomas Tuchel und erklärt, warum er sich in diesem Club so wohl fühlt.

bundesliga.de: Elf Punkte, 5. Platz - Mainz 05 ist die Mannschaft der Stunde. Kann man den Blick jetzt mehr nach oben richten?

Andreas Ivanschitz: Wir haben einen echten Lauf. Aber wir bleiben bescheiden. Wir wissen, dass wir Woche für Woche hart arbeiten müssen. Für uns ändert sich nichts. Die Philosophie des Vereins und jedes einzelnen Spielers ist Bescheidenheit. Wir wissen, dass es eine lange und harte Saison werden wird. Mit den elf Punkten haben wir aber eine gute Basis für die nächsten Wochen gelegt.

bundesliga.de: Immerhin hat Mainz beim VfL Bochum bewiesen, dass es auch auswärts gewinnen kann.

Ivanschitz: Der Heimsieg gegen Hertha BSC war schon extrem wichtig. Aber der erste Auswärtssieg in Bochum war für unser Selbstbewusstsein noch bedeutender. Dass wir dabei zweimal einen Rückstand aufgeholt und das Spiel gedreht haben, zeugt von einer guten Kameradschaft und von Qualität im Team. Wir spielen Fußball mit Emotion und Leidenschaft.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt Trainer Thomas Tuchel bei dieser Erfolgsgeschichte? Lebt er genau diese Leidenschaft vor?

Ivanschitz: Mit Sicherheit! Man sieht ja auch, wie er an der Seitenlinie mitfiebert und mitgeht. Das tut uns gut und gibt uns wichtige Impulse. Gegen Bochum ist er in der Halbzeitpause mal lauter geworden und hat uns richtig aufgeweckt. Wir haben vorher einfach viel zu verhalten gespielt und uns zu wenig zugetraut. Er ist der Motivator, der uns wachgerüttelt hat.

bundesliga.de: Muss man die Euphorie in und um Mainz jetzt ein bisschen bremsen?

Ivanschitz: Nein, überhaupt nicht. Es ist doch schön, mit den Fans einen Sieg zu feiern. Auch intern wird bei uns viel gelacht und viel gealbert - das gehört dazu. Diese gute Stimmung müssen wir mitnehmen. Was aber nicht heißt, dass unsere volle Konzentration nicht dem nächsten Gegner gilt. Das haben wir bisher immer so gehalten, auch nach dem Sieg über den FC Bayern. Daran ändert sich nichts, auch nicht durch elf Punkte.

bundesliga.de: Und das Ziel bleibt weiter der Klassenerhalt?

Ivanschitz: Wir tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu schauen, um so unser Ziel zu erreichen. Und das ist und bleibt der Klassenerhalt. Da sollten wir nicht zu viel von anderen Dingen träumen. Wir stehen jetzt gut da in der Tabelle, aber wir müssen weiter arbeiten. Ich bin aber sicher, dass kein Einzelner bei uns an mehr denkt. Schon das nächste Auswärtsspiel in Bremen wird um einiges schwieriger werden. Da ist es gut, dass wir mit Selbstvertrauen hinfahren können.

bundesliga.de: Beim Spiel in Bochum hat Mainz eine Halbzeit lang mit drei Innenverteidigern agiert, dabei offensiv aber wenig Konstruktives abgeliefert. Sehen Sie in diesem System trotzdem eine Option für das nächste Spiel bei Werder Bremen?

Ivanschitz: Wir haben in der ersten Halbzeit auch nicht viele Torchancen zugelassen, das spricht eigentlich für das System. In der zweiten Halbzeit waren wir nach der Umstellung etwas sicherer, weil die Abläufe besser gepasst haben und jeder die Laufwege etwas besser gewusst hat. In der Offensive haben wir uns zunächst zu wenig zugetraut und es hat an der Laufbereitschaft gefehlt. Das hatte weniger etwas mit dem System zu tun. Da haben Einstellung und Wille nicht gepasst. Da waren wir teilweise zu träge und zu unkonzentriert.

bundesliga.de: Sie selbst lassen Tore und Vorlagen sprechen. Man hat den Eindruck, Sie sind schon richtig angekommen in Mainz.

Ivanschitz: Ich bin mit einer sehr, sehr positiven Einstellung nach Mainz gekommen. Ich wollte mitreißen und der Mannschaft helfen - keine Frage. Aber dafür muss man auch immer gut arbeiten. Ich fühle mich von Woche zu Woche besser und auch in der Mannschaft immer wohler. Zurzeit reißen wir uns gegenseitig mit und unterstützen uns. Das war für mich auch sehr wichtig in den letzten Wochen, das zu spüren - sowohl die Unterstützung des Vereins als auch der Mitspieler. Es ist schön, wenn man das mit Toren und Vorlagen zurückgeben kann.

bundesliga.de: Dabei spielen Sie nicht als Sturmspitze, sondern etwas zurückgezogen. Ist das Ihre ideale Position?

Ivanschitz: Das ist mein Spiel! Ich denke, dass ich in diese Rolle noch besser hineinwachsen und noch mehr hinausholen kann. Generell liegt es mir gut, etwas hängend hinter den Spitzen zu agieren. Und da ist es dann auch egal, ob ich zentral spiele oder mehr rechts oder links.

bundesliga.de: Von Ihren Vorlagen hat gegen Bochum mit Andre Schürrle auch ein 18-jähriger Youngster als Torschütze profitiert. Wie schätzen Sie ihn ein?

Ivanschitz: Er arbeitet in den letzten Wochen sehr gut und ist sehr fleißig. Es freut mich für ihn, dass er mit seinen ersten Toren belohnt worden ist. Das hat er sich verdient und das tut ihm sicher gut. Wichtig ist es jetzt, diese Leistung zu bestätigen. Aber Andre ist ein bodenständiger und bescheidener Typ. Er freut sich, aber er wird nicht überheblich. Wenn er das alles beibehält, hat er ein gutes Jahr vor sich.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte