An Selbstvertrauen gewonnen, Respekt verdient: Der stolze Gastgeber Südafrika hat das 1:1 (0:0) im Eröffnungsspiel der Fußball-WM gegen Mexiko wie einen Sieg gefeiert. Nach dem Achtungserfolg im Auftakt-Thriller will Bafana Bafana nun mit Nelson Mandela im Herzen ins Achtelfinale einziehen.

"Wir spielen jetzt nur noch für Mandela. Er hat die WM fast alleine hierher geholt", sagte Mittelfeldantreiber Steven Pienaar. Der frühere Bundesliga-Profi von Borussia Dortmund brachte damit die Unterstützung der gesamten Mannschaft für Mandela zum Ausdruck, dessen Urenkelin in der Nacht vor dem WM-Auftakt bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Auch Kapitän Aaron Mokoena dachte unmittelbar nach dem Remis an den Friedensnobelpreisträger und früheren Staatspräsidenten. "Wir spielen jetzt für ihn. Deshalb werden wir gegen Uruguay rausgehen und gewinnen - mit der Kraft der Vuvuzelas", verkündete der Abwehr-Chef.

Tshabalala macht sich unsterblich

Selbst der eher skeptische Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira glaubt immer mehr an das Winter-Märchen. "Man hat meinen Spielern den großen Druck zu Beginn angemerkt, aber danach haben sie sich freigespielt", erklärte der Brasilianer, der 1994 mit seinem Heimatland den WM-Titel geholt hatte: "Das Wichtigste ist: Wir sind weiter im Rennen. Am Mittwoch gegen Uruguay wird das Team von Anfang an selbstbewusster auflaufen."

Als Gewinner durfte sich vor allem Lawrence Siphiwe Tshabalala fühlen, der sich mit dem Premierentor der WM unsterblich machte. "Das ist ein ganz besonderer Tag für mich. Ich bin sehr, sehr glücklich", meinte der 25-Jährige, der im Johannesburger Stadtteil Soweto geboren ist.

Mit seinem fulminanten Distanzschuss in der 55. Minute hatte Tshabalala die Fans im Stadion Soccer City sowie die ganze Regenbogennation vorübergehend in Ekstase versetzt. "Ich habe einfach abgezogen und dem Ball nachgesehen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl", sagte der quirlige Mittelfeldakteur, der sich nach seinem Tor mit den Mitspielern zum Tänzchen an der Seitenlinie traf.

Presse stimmt Lobeshymnen an

In den Medien wurde Bafana Bafana gefeiert. "Ayoba, Mzansi!", titelte die Zeitung "The Star" - was soviel heißt wie "Fantastisch, Südafrika!". Das Blatt stimmte Lobeshymnen an: "Das Team hat sich großen Respekt verdient. Die Spieler haben gezeigt, dass wir keine unrealistischen Träumer sind. Sie haben den Mut und die Energie, die Träume wahr zu machen."

"Oh, es war so knapp", titelte die Zeitung "Citizen" mit Blick auf das späte Gegentor durch Mexikos Abwehr-Star Rafael Marquez (79.) sowie den Pfostenschuss von Südafrikas Angreifer Katlego Mphela in der Schlussminute.

Bitterer Nachgeschmack für Mexiko

Mexiko trauerte den vielen vergebenen Chancen in der ersten Halbzeit nach. "Zur Pause waren die Spieler niedergeschlagen. Es bleibt ein etwas bitterer Nachgeschmack", sagte Nationalcoach Javier Aguirre. In der Heimat ging die Presse mit der Mannschaft hart ins Gericht. Von einem "schwarzen Auftakt" schrieb die Zeitung "Milenio", "La Cronaca de Hoy" befand schonungslos: "El Tri versagt."

Ricardo Osorio blickt trotzdem optimistisch nach vorne. "Wir sind weiter voller Überzeugung", sagte der Abwehrspieler vom VfB Stuttgart und versprach: "Wir werden am Donnerstag gegen Frankreich gewinnen und ins Achtelfinale einziehen."