Tabellenletzter in der Bundesliga, Pokal-Aus gegen Zweitligist 1860 München - einen solch ernüchternden Saisonstart von Hertha BSC hatten sich selbst Pessimisten in der Hauptstadt nicht ausgemalt.

Dass es nach dem Weggang von Stammkräften wie Andrej Voronin oder Josip Simunic schwer werden würde, den Erfolgslauf der vergangenen Saison zu wiederholen, war den Hertha-Fans bewusst. Aber gleich ein solcher Fehlstart?

Entsprechend groß war die Ernüchterung nach der 0:4-Heimniederlage gegen den SC Freiburg am Sonntag, als die Stimmung in Berlin im Keller war. Nur drei Tage später folgte bei der 3:6-Niederlage nach Elfmeterschießen in München die nächste kalte Dusche - doch diesmal sahen Spieler und Verantwortliche berechtigt Anzeichen einer möglichen Wende zum Besseren.

"Nehmen eine gute Moral mit"

"Wir sind zwar alle niedergeschlagen", gestand Herthas Abwehrchef Arne Friedrich gegenüber bundesliga.de, "nehmen aber eine gute Moral aus diesem Spiel mit. Wir sind nach dem 0:2-Rückstand wieder aufgestanden und haben gezeigt, dass wir nicht tot sind!"

Friedrich betonte vor allem den Zusammenhalt im Team: "Wir haben uns gegenseitig in die Pflicht genommen und weiter nach vorne gespielt." Dass Hertha den Spieß nicht noch komplett umdrehte, lag unter anderem an einem Ex-Berliner: "Löwen"-Keeper Gabor Kiraly, bewies nicht nur im Elfmeterschießen seine Klasse. "Er hat super gehalten", zollte Pal Dardai seinem ungarischen Landsmann großen Respekt.

Doppelschlag wirkt befreiend

Der Mittelfeldspieler unterstrich ebenfalls die engagierte Leistung nach dem doppelten Rückstand. "Wir haben in der Offensive schon lange nicht mehr so gute Szenen gehabt", stimmte Dardai seinem Kapitän zu. Als Konsequenz fordert auch er, den Mut machenden Kampfgeist ins schwere Auswärtsspiel am Sonntag bei 1899 Hoffenheim zu transportieren. "Das müssen wir auch am Wochenende zeigen."

Nach einer schwachen ersten Hälfte hatte der Bundesligist mit zunehmender Spieldauer die Kontrolle in der Allianz Arena übernommen und sich erstklassige Chancen erarbeitet. Der "Doppelschlag" von Neuzugang Adrian Ramos mit dessen erstem Saisontreffer und "Joker" Valeri Domovchiyski wirkte wie Balsam auf die Wunden der angeschlagenen Berliner.

Kacar-Comeback macht Hoffnung

Anlass zur Hoffnung gab vor allem das Comeback von Gojko Kacar, der mit seiner Dynamik die Wende im zweiten Durchgang herbeiführte. Der serbische Mittelfeldspieler, der bereits zwei Saisontreffer auf seinem Konto hat und schon beim Saisonstart bester Herthaner war, hat seine Muskelverletzung weitgehend auskuriert und wurde von Trainer Lucien Favre ins kalte Wasser geworfen.

Zudem gibt es Verstärkung auf der Torwart-Position: Nach der Verletzung von Jaroslav Drobny reagierten die Club-Chefs und verpflichteten den vereinslosen Timo Ochs, der schon gegen Hoffenheim spielen soll.

"...irgendwann schaffst du es"

Weniger optimistisch klang einzig Maximilian Nicu, der trotz der Kacar-Rückehr eine harte Zeit für seine Mannschaft prognostiziert. "Wir haben sehr schwere Wochen vor uns. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn wir mal ein Spiel gewinnen."

Und so war es dem 33-jährigen Dardai mit seiner großen Erfahrung vorbehalten, das Motto der nächsten Wochen für die Berliner auszugeben: "Es ist wie im Leben: Wenn du eine unglückliche Phase hast, dann dauert es lange, bist du heraus kommst. Du musst lange dafür arbeiten - aber irgendwann schaffst du es..."

Aus München berichtet Johannes Fischer