Für Edmund Becker und den Karlsruher SC läuft es in dieser Saison nicht rund.

Nach 25 Spieltagen belegen die Badener den 18. und letzten Tabellenplatz. Für Edmund Becker eine ungewohnte Erfahrung, ging es unter seiner Leitung doch seit Anfang 2005 mit dem KSC steil bergauf.

Im ersten Teil des Interviews mit bundesliga.de spricht der KSC-Trainer über mangelndes Fortune, das Spielsystem und mögliche Konsequenzen im Abstiegsfall.

bundesliga.de: Herr Becker, ein Radiosender hat vor der Partie gegen Mönchengladbach die Hörer dazu aufgerufen, Glücks-Centstücke für den KSC zu spenden. Liegt der 18. Platz tatsächlich nur am mangelnden Glück?

Edmund Becker: Sicherlich nicht nur. Da würden wir es uns zu leicht machen. Fakt ist, dass wir absolut hinterherhinken, was das Toreschießen betrifft. Das hat sicherlich in der einen oder anderen Situation auch mit Qualität zu tun, aber andererseits muss ich schon sagen, dass wir vom Glück nicht gerade geküsst sind, was den Abschluss betrifft. Und unter dem Aspekt ist ja auch die Aktion unseres Medienpartners Radio Regenbogen als Unterstützung für uns zu sehen - und solche tut immer gut.

bundesliga.de: Haben Sie in Ihrer bisherigen Karriere schon einmal etwas Vergleichbares erlebt? Dass eine Mannschaft eigentlich gut spielt - zumindest in vielen Spielen - aber einfach zu wenig Torgefahr entwickelt bzw. die vorhandenen Chancen nicht nutzt?

Becker: Nein, so etwas habe ich in der langen Zeit noch nicht erlebt. Den Aufwand, den wir betreiben und auch phasenweise die Art, wie wir spielen - wie zum Beispiel in Wolfsburg oder in der zweiten Halbzeit bei Bayern - da sind wir gut dabei und spielen auch Chancen heraus, aber machen die Tore nicht. Weder als Spieler noch als Co-Trainer kann ich mich an so eine lange Phase erinnern, in der man spielerisch gut dabei ist, aber für den Aufwand überhaupt nichts erntet. Das ist schon außergewöhnlich.

bundesliga.de: Fingen die Probleme schon in der Rückrunde der vergangenen Saison an, als in den letzten zwölf Spielen nur noch ein einziger Sieg gelang?

Becker: Mit Sicherheit. Auf der anderen Seite ging es dreieinhalb Jahre nur steil bergauf. Da kommt dann mal eine Phase, in der man nicht mehr mit der letzten Konzentration, Laufbereitschaft oder Aggressivität die Spiele bestreitet. Und dann stimmen auch die Ergebnisse nicht mehr, weil wir nur Erfolg haben können, wenn alles am höchsten Level passiert. Da haben wir am Ende der letzten Saison schon nachgelassen. Und in dieser Saison ist unser Level vorne im Abschluss bisher bei weitem nicht so hoch wie er sein müsste, um in der Bundesliga zu bestehen.

bundesliga.de: Rückblickend auf die letzten Monate: Haben Sie auch Fehler gemacht?

Becker: Wenn jemand in einer verantwortungsvollen Position ist, und das schließt Bundesligatrainer mit ein, und er sagt, er habe keine Fehler gemacht, dann ist er entweder Superman oder er hat Probleme, sich Fehler einzugestehen. Sicherlich sind mir auch Fehler unterlaufen, auch wenn ich da jetzt nicht ins Detail gehen möchte.

bundesliga.de: Viele Fans haben die schlechten Ergebnisse primär am 4-2-3-1-System festgemacht...

Becker: Wir haben uns teilweise auch den gegnerischen Mannschaften angepasst. Wir können nicht nach München oder Wolfsburg fahren und sagen, wir spielen 4-4-2 und hauen die mit 3:0 oder 4:0 aus dem Stadion. Da sind wir auch gefordert, defensiv gut zu stehen, was uns letzte Saison stark gemacht hat. Das haben wir über weite Strecken auch in vielen Spielen gut praktiziert, leider ist uns dieses Jahr zu selten das 1:0 gelungen. Wir sind sechs Mal 1:0 in Führung gegangen und haben vier dieser Spiele gewonnen. Da sieht man, wie wichtig es ist, das erste Tor zu schießen. Das haben wir zu oft nicht geschafft, und das ist mit ein Grund dafür, warum die Ergebnisse nicht gestimmt haben. Alle Offensivkräfte hatten im Training und im Spiel die Chance zu zeigen, dass sie Tore erzielen können. Das hat nicht ganz so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Deshalb wird meiner Meinung nach die Systemfrage zu hoch bewertet. Ich habe nie einem Stürmer oder Mittelfeldspieler verboten, in den Strafraum zu gehen - ganz im Gegenteil. Die Vorgabe war immer, bei eigenem Ballbesitz mit vier Mann vor dem gegnerischen Tor präsent zu sein.

bundesliga.de: Sportdirektor Rolf Dohmen hat Ihnen wiederholt das Vertrauen ausgesprochen. Wie sehr hilft diese Rückendeckung bei der täglichen Arbeit?

Becker: Das ist schon wichtig. Wenn man weiß, dass Präsidium und Management hinter einem stehen, ist das eine gute Sache.

bundesliga.de: Würden Sie im Falle eines Abstiegs definitiv Trainer bleiben? Oder kam Ihnen auch schon der Gedanke, alles hinzuwerfen?

Becker: Alles hinwerfen? Von meiner Seite aus kam dieser Gedanke noch nie. Was für Vorstellungen der Verein in diesem Fall hätte, kann ich natürlich nicht sagen. Aber von meiner Seite aus kommt das nicht infrage.

Das Interview führte Christof Greiner


Lesen Sie morgen Teil 2 des Interviews: Edmund Becker über Mario Eggimann, Tamas Hajnal, Maik Franz und das Spiel gegen Mönchengladbach!