Generationen-Treff beim 1. FC Köln: Die Legende und amtierender Präsident Wolfgang Overath und das Idol Lukas Podolski im Doppel-Interview mit bundesliga.de - über ihre Freundschaft, die Erwartungen für den weiteren Saisonverlauf und ihre langfristigen Ziele mit dem FC.

bundesliga.de: Herr Podolski, wie hat sich Ihr persönlicher Kontakt entwickelt? Ist der Präsident für Sie ständiger Ansprechpartner?

Lukas Podolski: Es gibt immer wieder Gespräche zwischen uns, bei denen wir uns über alles Mögliche austauschen - über Dinge, die den Verein betreffen ebenso wie über Privates.

Wolfgang Overath: Wir im Verein wissen, was für ein positiver Kerl er ist. Und natürlich muss man sich auch menschlich verstehen, sonst funktioniert das sowieso nicht. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis und reden über alles. Dabei gebe ich ihm gerne Tipps, aber ich erwarte auch, dass Lukas zu mir kommt, wenn dieses oder jenes aus seiner Sicht verändert werden müsste.

bundesliga.de: Wie würden Sie Ihr Verhältnis genau beschreiben?

Podolski: Als eine von Respekt getragene Freundschaft.

Overath: Ja, das trifft es. Zum persönlichen Verhältnis kommt natürlich das Geschäft, und auch darüber reden wir vernünftig. Lukas weiß, was wir von ihm erwarten. Denn er hat hier eine Sonderstellung. Vor vier Jahren war er ein junger, unbeschwerter Kerl. In seiner jetzigen Rolle hat er auch eine neue Aufgabe. Er muss andere führen, ist nun ein Leader in dieser Mannschaft. Heute ist er sich viel mehr über das Ganze bewusst - wie er auftritt, wie er mit den Leuten umgeht und viele Dinge mehr. In den vier Jahren ist er unerhört gereift. Das kommt ihm selbst zugute, aber auch dem Club. Denn wir profitieren ja davon, dass er diese Verantwortung übernimmt.

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihre Position im Vergleich zu früher?

Podolski: Natürlich hat sich diese Rolle deutlich verändert für mich als Nationalspieler, der doch schon einiges miterlebt und viel Erfahrung gesammelt hat. Und selbstverständlich ist auch, dass man von sich aus Verantwortung übernimmt auf dem Platz und außerhalb.

bundesliga.de: Ist das Ziel, als Führungsspieler mit dem 1. FC Köln etwas aufzubauen, die große persönliche Herausforderung?

Podolski: In jedem Fall. Aber wir müssen Geduld haben und können nicht sagen: In ein, zwei Jahren holen wir die Schale. Wir müssen Stück für Stück etwas aufbauen.

Overath: Am Anfang meiner Präsidentschaft habe ich einen Fehler gemacht, von der Vision zu sprechen - im ersten Jahr aufsteigen, im zweiten den Klassenerhalt schaffen, im dritten ein Stück nach vorne kommen, im vierten der Schritt weiter nach oben. Tatsächlich sind wir im ersten Jahr zwar aufgestiegen, im zweiten aber gleich wieder abgestiegen. Ich habe nicht gedacht, dass die Umsetzung unserer Planungen so schwer würde. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der FC im Grunde genommen immer zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga bewegt. Auf diesem Niveau ist es sehr schwer, gute Spieler zu bekommen. Erst seit zwei, drei Jahren gelingt uns das.

bundesliga.de: Die übergroßen Erwartungen der Fans sind zum Saisonbeginn erst einmal nicht erfüllt worden.

Overath: In einer Medienstadt wie Köln gibt es nur Schwarz und Weiß. Wenn wir gut spielen, reißen die Leute das Stadion ab. Spielen wir schlecht, gibt es gleich jede Menge Druck von außen.

Podolski: Unser Saisonstart war schwierig, ist auch ein wenig unglücklich verlaufen. Aber der Verein hat viel Potenzial. Wir wollen alle gemeinsam nach vorne. Und deshalb habe ich mich auch mit dem Herzen für meinen Verein entschieden.

bundesliga.de: Wie sind Ihre Erwartungen für den weiteren Saisonverlauf

Overath: Auch dieses Mal ist es wieder schwer, in der Bundesliga zu bleiben, obwohl wir mit Lukas Podolski und Maniche wirklich zwei überragende Leute geholt haben. Wenn eine Mannschaft nach dem Aufstieg in München, Hamburg oder Dortmund antritt, braucht es niemanden, der für Motivation sorgt. Im zweiten Jahr droht immer die Gefahr, dass dies zum Alltag wird. Aber ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Wir haben trotz der anfänglichen Schwierigkeiten mit Verletzungen bei Milivoje Novakovic, Geromel und Lukas Podolski, der sich wie Maniche auch wieder an regelmäßige Einsätze gewöhnen muss, sehr viel Qualität in unserer Mannschaft.

bundesliga.de: Als Nationalspieler haben Sie in dieser Saison auch noch die WM in Südafrika im Blick.

Podolski: Das muss man getrennt sehen. Die wichtigste Aufgabe für mich in einer sicherlich schweren Saison liegt erst einmal im Verein. Mit der Nationalmannschaft geht es zunächst einmal um die Qualifikation zur WM. Das trauen wir uns zu, auch dort haben wir ausreichend Potenzial, um unsere Ziele zu erreichen. Das haben wir auch im Hinspiel gegen Russland bewiesen, gegen das wir nun im Oktober nicht verlieren dürfen.

bundesliga.de: Welche Perspektiven sehen Sie für den 1. FC Köln auf Sicht?

Overath: Die über dreißig oder vierzig Jahre gewachsene Tradition ist einerseits sehr positiv. Anderseits drücken die Erinnerungen an eine große Zeit und einen außergewöhnlichen Club natürlich gewaltig auf die junge Generation. Andere Mannschaften haben sich noch in Garagen umgezogen, als es bei uns schon das Geißbockheim gab. Was wir in Köln zurzeit haben, braucht sich vor nichts anderem in Deutschland zu verstecken. Stadion: sensationell. Logen und Werbung: überragend. Mitglieder: von 12.000 vor fünf Jahren auf jetzt über 50.000. Trainingsgelände: einzigartig. Begeisterung, Emotionen und Euphorie: unbeschreiblich, obwohl wir den Fans zehn Jahre lang immer nur ein Rauf und Runter angeboten haben. Was uns jetzt noch fehlt, ist auf dem grünen Rasen vorwärtszukommen. In dieser Hinsicht haben wir Nachholbedarf.

Podolski: Früher war der FC - wie Bayern München heute - die Nummer eins in Deutschland, mit den besten Spielern, dem besten Trainingsgelände, das sich jeder zum Vorbild genommen hat. Dahin wollen wir wieder. Das dauert halt, wenn es in den vergangenen Jahren ein solches Auf und Ab gegeben hat. Viele Fans erwarten natürlich, dass so etwas schneller zu erreichen ist. Aber das erfordert Zeit und Ruhe. Intern zu wissen, wie die nächsten Schritte aussehen, ist wichtig.

Overath: Auch dafür haben wir Lukas zurückgeholt. Wenn es uns gelingt, um ihn herum eine Mannschaft aufzubauen, die nach vorne schauen kann, müssen wir wahrscheinlich das Stadion um 20.000 oder 30.000 Plätze erweitern. Das Potenzial in Köln ist das größte in Deutschland überhaupt.