Die erhoffte Aufholjagd im Kampf um die Champions-League-Plätze ist ins Stocken geraten. Nach zwei Unentschieden in Folge muss Bayer Leverkusen den Blick sogar eher nach hinten richten und auf Hannover 96 aufpassen. Beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart offenbarte die "Werkself" alte Schwächen. Mittelfeldmotor Lars Bender sieht die Rheinländer im Interview mit bundesliga.de dennoch auf einem "guten Weg".

bundesliga.de: Lars Bender, Bayer Leverkusen hat gegen den VfB Stuttgart kurz vor Schluss den Sieg noch aus der Hand gegeben. Sehen Sie trotz des 2:2-Unentschiedens Fortschritte?

Lars Bender: Ja. Wir haben wieder flott angefangen. Wir wollten das Spiel auch für die Zuschauer attraktiv gestalten. Bis zum 1:1 hat Stuttgart nicht viel gezeigt. Der Ausgleich hat uns ein bisschen aus der Bahn geworfen. Das war schade. Wir sind ganz gut aus der Halbzeit gekommen. Dann schwächen wir uns selbst, es kommt eins zum anderen. Und dann bekommst Du am Ende noch so ein Gegentor, das ist bitter, denn es wäre viel mehr drin gewesen. Dennoch denke ich, dass positive Ansätze zu sehen waren. Es ist jetzt wichtig, dass wir uns durch das Remis nicht komplett verrückt machen lassen. Wir müssen ruhig weiterarbeiten und sind auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Zum wiederholten Male hat die Mannschaft einen Vorsprung verspielt. Warum gibt der Bayer-Elf eine Führung keine Sicherheit?

Bender: Wir haben es in dieser Saison aber auch oft schon anders erlebt. Viele haben uns dann nach einem Rückstand vorgeworfen, dass wir mit der falschen Einstellung ins Spiel gegangen seien und nicht konzentriert waren. Wir haben Spiele dann aber hintenraus gedreht. In die letzten Spiele sind wir ganz gut reingekommen, haben dann aber immer wieder unsere Rückschläge und Dämpfer abbekommen. Die müssen wir abstellen. Wir haben genug Qualität, um so ein Spiel auch anders zu gestalten.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit den ersten drei Spielen der Rückrunde?

Bender: Man hat gesehen, dass wir auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht. Leider haben wir aber immer wieder diese Rückfälle. Die müssen wir vermeiden. Dann zeigen wir auch wieder ein anderes Gesicht. Insgesamt spielen etwas mutiger und sind nicht mehr so verunsichert wie in der Hinrunde. Es macht Spaß. Wir haben eine positive Stimmung. Die müssen wir aber nun auch in Punkte ummünzen. Schade, dass wir das Spiel gegen Stuttgart nicht über die Zeit geschaukelt haben.

bundesliga.de: Bei der großen Aufholjagd im Kampf um die Champions-League-Plätze darf man sich aber nicht viele solcher Punktverluste leisten.

Bender: Der Rückstand ist sicher groß. Wir haben uns vor dem Rückrundenstart gesagt, dass wir Woche für Woche unsere Punkte holen wollen. Und wenn wir dann am Ende noch einmal in Reichweite kommen, wollen wir es durchziehen. Aber es wird natürlich schwierig, wenn man immer wieder Punkte liegen lässt. Wir versuchen, diese Dinge abzustellen und erfolgreicher zu spielen.

bundesliga.de: Und Leverkusen darf auch Hannover 96 nicht außer Acht lassen. Selbst der Europa-League-Platz ist keinesfalls sicher.

Bender: Es gab in dieser Saison schon andere Situationen, als wir einmal zwei Spiele in Folge verloren haben, in der Tabelle weiter abgerutscht sind und weit von den Plätzen entfernt waren, auf denen wir uns vor der Saison gesehen haben. Wir hatten schon viele Drucksituationen in der Saison und haben sie bewältigt. Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen.

bundesliga.de: Sie haben im Stadionheft an die Zuschauer appelliert und um Unterstützung gebeten. Wie bewerten Sie die Reaktion des Publikums, das anders als nach dem Sieg gegen Mainz nicht gepfiffen hat?

Bender: Das Vorwort im BayArena Magazin war nicht als Kritik gedacht. Wir versuchen, unseren Job bestmöglich zu machen. Dass nicht alles gelingt, ist völlig klar. Wir wissen auch, dass wir nicht die grandiose Saison spielen und verstehen auch den Unmut. Aber für uns Spieler war es ein bisschen irritierend, dass auch nach einem Sieg die Pfiffe kommen. Die Reaktion der Fans war diesmal positiv. Wir sind auf einem guten Weg als Mannschaft zusammen mit den Fans.

bundesliga.de: Am nächsten Samstag gastiert die "Werkself" beim Tabellenführer Borussia Dortmund. Keine einfache Aufgabe?

Bender: So wie Dortmund den Großteil der Saison schon wieder spielt, sind sie ein Titelaspirant. Das ist klar. Aber wir haben uns in dieser Saison auswärts bislang sehr ordentlich präsentiert. Wir gehen selbstbewusst an die Aufgabe heran und versuchen, die kleine Chance zu nutzen. Natürlich wird es schwierig, dort zu bestehen. Aber vielleicht können wir dem BVB ein Bein stellen.

bundesliga.de: Das Duell mit Ihrem Zwillingsbruder Sven droht nach seiner beim Spiel in Nürnberg erlittenen Verletzung zu platzen.

Bender: Ich habe nur kurz mit ihm geschrieben. Er hat noch eine Untersuchung, es sah nicht so gut aus.

bundesliga.de: Sie wurden gegen Stuttgart selbst in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Was war los?

Bender: Ich habe einen Schlag abbekommen, ein bisschen oberhalb des Sprunggelenks vielleicht auf einen Nerv. In der zweiten Halbzeit war es nicht mehr auszuhalten. Da musste ich runter. Es wäre der falsche Ehrgeiz gewesen auf dem Platz zu bleiben. Ich muss mich nicht durchschleppen, wenn wir ohnehin nur mit zehn Mann gespielt haben. Es geht um die Mannschaft, dann muss man auch einmal vom Platz.

bundesliga.de: So konnten Sie Ihren letzte Woche in Bremen mit 13,9 gelaufenen Kilometern aufgestellten Rekord nicht wieder brechen.

Bender: (lacht) Nein, es ist auch nicht mein Ziel, dass ich Woche für Woche versuche, die meisten Kilometer zu laufen. Es müssen viele Wege gemacht werden, ich bin ein Läufertyp. Aber ich schaue nicht auf diese Statistiken, die sind Nebensache. Natürlich ist es schön, wenn man viel läuft und gewinnt. Das tut dann doppelt gut.


Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski