Gelsenkirchen - Schalke 04 hat mit dem 2:0-Erfolg über Benfica Lissabon in die Erfolgsspur zurückgefunden - und Klaas Jan Huntelaar mit dem vierten Torerfolg im vierten Pflichtspiel in Serie seinen Ruf als personifizierte Torgarantie untermauert.

Zufrieden war der Niederländer nach der Partie aber nicht nur wegen seines ersten Champions-League-Tores für Schalke. Im Interview erklärt er, warum er die Mannschaft jetzt auf einem guten Weg sieht - und wie die Verständigung in der Offensive funktioniert.

Frage: Nach 165 Tagen hat Schalke wieder einen Heimsieg feiern können, den ersten dieser Saison. Wie fühlt sich das an?

Klaas Jan Huntelaar: Ich bin sehr erleichtert, dass wir gewonnen haben. Wir standen nach der Niederlage im ersten Spiel schon unter Druck. Wir brauchten diese drei Punkte für die Champions League, um unsere Chancen aufrechtzuerhalten. Jetzt haben wir genauso viele Punkte wie Benfica und sind wieder im Rennen - daher war dieser Sieg sehr, sehr wichtig für uns.

Frage: Wie schätzen Sie die Chancen in der Champions-League-Gruppe jetzt ein?

Huntelaar: Es sind noch vier Spiele, und noch ist alles offen. Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir noch einige gewinnen. Das muss unser Ziel sein. Ich denke, es sind mindestens noch zwei Siege nötig, um in die nächste Runde einzuziehen.

Frage: Zu Beginn der Partie hatte Schalke einige Anlaufschwierigkeiten.

Huntelaar: Das stimmt, in der ersten Halbzeit hatten wir zunächst ein paar Probleme. Da haben wir auch nicht ruhig genug gespielt, hatten manchmal nicht genug Geduld und haben zu viele Fehler gemacht. Aber Benfica war in dieser Phase auch nicht so gut, dass sie uns ernsthaft in Gefahr gebracht haben. In der zweiten Hälfte haben wir dann richtig guten Fußball gespielt und am Ende auch verdient gewonnen.

Frage: Was hat den Unterschied ausgemacht zu Benfica?

Huntelaar: Wir haben uns gesteigert und in der zweiten Halbzeit ein wirklich gutes Spiel gemacht. In konditioneller Hinsicht, aber auch mental waren wir stärker als der Gegner. Wir haben das Spiel kontrolliert. Wir haben uns unsere Chancen erarbeitet, gut miteinander kombiniert und verdient zwei Treffer gemacht.

Frage: Sind die Köpfe jetzt wieder frei?

Huntelaar: Unsere Köpfe waren eigentlich auch schon vor dieser Partie frei. Aber wenn wir gewinnen, ist natürlich alles noch besser.

Frage: Fährt die Mannschaft jetzt mit neuem Selbstvertrauen nach Nürnberg?

Huntelaar: Natürlich können wir das mitnehmen. In den letzten drei Partien haben wir uns immer weiter gesteigert. Seit dem Freiburg-Spiel haben wir guten Fußball gespielt. Wir spielen nicht nur mit langen Bällen, sondern versuchen immer mehr zu kombinieren und flach zu spielen. Das ist wichtig für mich und auch für Raul. Der Erfolg gibt uns Recht. Und mit dem Sieg jetzt gegen Benfica können wir noch selbstbewusster auf unsere nächsten Spiele in der Bundesliga schauen.

Frage: Wie klappt denn eigentlich die Verständigung mit Raul und Jefferson Farfan oder auch Jose Manuel Jurado und Ivan Rakitic?

Huntelaar: Wir reden ein bisschen Deutsch, ein bisschen Spanisch und ein bisschen Englisch - und der Rest passiert aus dem Gefühl heraus. Auf dem Platz muss man nicht immer viel reden. Und je besser es für die Mannschaft läuft, desto besser klappt auch das Zusammenspiel.

Frage: Schalke ist zunehmend offensiver ausgerichtet, gegen Benfica nur noch mit einem defensiven Mittelfeldspieler. Ist das auf Dauer nicht zu offensiv?

Huntelaar: Wir sind zwar offensiv aufgestellt und suchen über unsere offensiven Leute die Attacken nach vorne. Aber wir kommen auch mit zurück und arbeiten defensiv entsprechend mit. Wenn wir als Mannschaft so zusammen arbeiten und so kompakt auftreten, dann ist es für den Gegner immer schwierig.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte