Die Zuschauer im Weser-Stadion wurden am Samstag Zeuge einer spektakulären Partie zwischen Werder und Borussia Dortmund. Für den Bremer Kapitän Frank Baumann war das Spiel ein Wechselbad der Gefühle.

Erst verursachte der Defensivspieler mit seinem Foul an Nelson Valdez einen Elfmeter, den Alexander Frei zur Dortmunder Führung nutzte. Dann besorgte Baumann selbst per Kopf den 1:1-Ausgleich.

Schließlich musste er mitansehen, wie sein Team einen schon sicher geglaubten Sieg in der turbulenten Nachspielzeit noch verspielte. Im Interview lässt Frank Baumann das verrückte 3:3 Revue passieren.

Frage: Herr Baumann, das Spiel war für die Zuschauer ein Highlight. Wie haben Sie die ereignisreiche Schlussphase empfunden?

Frank Baumann: Das war ein Wechselbad der Gefühle. Wir erzielen kurz vor dem Ende des Spiels den vermeintlichen Siegtreffer, haben uns aber offensichtlich zu früh gefreut und kassieren dann doch noch den Ausgleich. Das ist natürlich sehr ärgerlich.

Frage: Hat Werder gegen Dortmund also zwei Zähler verloren?

Baumann: Wir haben ja lange zurückgelegen. So gesehen kann man mit dem Punkt zufrieden sein. Wenn man aber kurz vor dem Abpfiff der Partie führt und das dann noch verspielt, darf man nicht zufrieden sein. Ja, wir haben zwei Punkte verloren und sind sehr enttäuscht.

Frage: Wieso hat es nicht für einen Sieg gereicht?

Baumann: Wir waren beim Ausgleichstreffer in der Defensive in Unterzahl. Das darf nicht passieren. Wir haben geführt, die Führung müssen wir dann auch verwalten.

Frage: Dem Trainer dürfte das ebenso wenig gefallen haben. Ist Thomas Schaaf in der Kabine laut geworden?

Baumann: Der Trainer ist nicht laut geworden, aber er hat deutlich gemacht, dass wir die Führung in der Schlussphase mit allem, was wir haben, verwalten müssen.

Frage: Muss sich Ihre Elf den Vorwurf gefallen lassen, in der ersten Spielhälfte nicht genug in die Offensive investiert zu haben?

Baumann: Wir haben schon nach vorne gespielt, waren in unseren Aktionen aber nicht zwingend genug und haben nicht immer die richtigen Mittel gewählt. Wir haben zu viel durch die Mitte probiert und dabei teilweise zu ungenau gespielt.

Frage: Etwas zu ungenau war Ihr Tackling in der 59. Minute. Schiedsrichter Michael Kempter entschied auf Strafstoß für Dortmund. Zu Recht?

Baumann: Ja ich denke schon. Vielleicht habe ich sogar noch ein bisschen den Ball getroffen, aber der Elfmeter geht in Ordnung.

Frage: Auf der Gegenseite erzielten Sie per Kopf den Ausgleich zum 1:1. Hatten Sie nach dem verschuldeten Elfmeter das Gefühl, etwas gut machen zu müssen?

Baumann: Nein, das nicht. Wir lagen zurück und ich bin mit in den Strafraum gegangen, um für zusätzlichen Druck zu sorgen. Die Flanke kam super und ich habe den Ball gut erwischt.

Frage: Für einen Sieg hat es dennoch nicht gereicht. Werder steht jetzt auf Platz 10. Das kann Ihren Ansprüchen nicht gerecht werden, oder?

Baumann: Natürlich haben wir uns das anders vorgestellt. Wenn wir gewonnen hätten, wären wir oben mit dabei gewesen. So ist das alles andere als zufrieden stellend. Die Tabelle ist aber noch sehr eng zusammen, mit zwei Siegen ist man wieder oben dran. Darauf dürfen wir uns aber nicht verlassen. Wir haben eine große Chance verpasst, uns oben festzusetzen.

Aus Bremen berichtet Timo Strömer