Den ersten Kampf um Franck Ribery hat Bayern München verloren - doch auch ohne seinen Superstar will der deutsche Meister in Madrid Geschichte schreiben. "Wir müssen die Entscheidung des CAS akzeptieren und respektieren. Wir dürfen jetzt auch nicht lamentieren, obwohl uns im Finale ein sehr wichtiger Spieler fehlt. Wir werden nun eben ohne Franck versuchen, die Kirsche auf die Torte draufzusetzen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Finale der Champions League am Samstag gegen Inter Mailand.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte am Montag den Einspruch der Bayern gegen die Sperre von drei Europacup-Spielen für Ribery abgelehnt. Der französische Nationalspieler bleibt damit gesperrt. "Er war sehr traurig und enttäuscht, aber er hat sich bei uns bedankt, dass der Verein so um ihn gekämpft hat", beschrieb Rummenigge die Gefühlslage von Ribery.

Entsprechend zuversichtlich ist Rummenigge weiterhin, den bis 2011 laufenden Vertrag des 26-Jährigen verlängern zu können: "Wir werden jetzt Gespräche führen. Ich sehe das sehr optimistisch. Franck weiß, welche Qualität und Loyalität diese Bayern-Familie hat. " Schon nach der Entscheidung des CAS habe er Ribery gesagt, "dass ich sicher bin, dass Bayern nicht zum letzten Mal im Finale steht und er sich dann seinen großen Traum verwirklichen kann".

Haben im Moment "unglaublich hohe Sympathiewerte"

Ein großer Traum soll für die Münchner aber bereits am Samstagabend im Estadio Santiago Bernabeu in Erfüllung gehen. "Das ist ohne Übertreibung der wichtigste Titel. Wir haben schon jetzt eine überragende Saison erlebt. Wir werden nun alles daransetzen, das "Triple" zu gewinnen", meinte Rummenigge und sprach gleichzeitig Inter eine "unheimliche Qualität" zu: "Das wird ein Finale auf Augenhöhe. Beide Teams haben Respekt voreinander. Da ist die Tagesform entscheidend."

Schon jetzt hat der FC Bayern laut Rummenigge aber einen wichtigen Sieg errungen. "Bayern München hat in Deutschland immer sehr polarisiert. Aber ich habe den Eindruck, dass uns die ganze Nation am Samstag die Daumen drückt und wir im Moment unglaublich hohe Sympathiewerte haben. Da ist ein dramatischer Wechsel wahrzunehmen", sagte der frühere Nationalspieler.

Grund für den Wandel seien die Erfolge in der Champions League, "aber auch unsere Spielweise und unser Auftreten, das alles andere als arrogant war", verdeutlichte Rummenigge. Zudem habe Trainer Louis van Gaal einen wichtigen Teil dazu beigetragen: "Er lebt den Fußball sehr emotional. Wir sind alle glücklich, dass er unser Trainer ist."

Entspannter Blick in die Zukunft

Auch das Team um Kapitän Mark van Bommel und Arjen Robben lobte Rummenigge in den höchsten Tönen: "Wir haben eine Mannschaft, wie wir sie immer gesucht, aber nicht immer gefunden haben. Sie zeichnet großer Wille, Leidenschaft, Kampfgeist und große spielerische Qualität aus." Man habe erst beim Pokalfinale gegen Bremen (4:0) wieder gesehen, "mit welcher Schönheit, Leichtigkeit und Faszination eine deutsche Mannschaft Fußball spielen kann".

Stolz macht Rummenigge auch die Tatsache, dass Bayern im Gegensatz zu Inter einige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Schweinsteiger, Lahm, Müller, Badstuber, Contento oder Alaba integriert hat. Dies bezeichnete Rummenigge als "Philosophie der Zukunft". Viele Clubs in Europa würden den FC Bayern schon jetzt "als Vorbild" nehmen, zumal die Münchner auch noch profitabel wirtschaften würden: "Bayern kann der Zukunft relativ entspannt entgegensehen."