Redet man über die beste Neuverpflichtung der vergangenen Sommerpause, kommt man folgerichtig zum Namen Jupp Heynckes. Mit der Vorstellung des 64-Jährigen als neuen Trainer ist Bayer Leverkusen ein echter Coup gelungen.

Und die Chemie stimmte von Anfang an. Nun hat Bayer die Chance, als erst drittes Team in der Geschichte der Bundesliga die Hinrunde mit einer weißen Weste zu beenden - ungeschlagen. Dass dies gelingt, davon ist Heynckes überzeugt. Dennoch warnt er im Interview mit bundesliga.de vor Mönchengladbach.

Er zollt dem kommenden Gegner seiner Elf großen Respekt und bekundet, dass dies durchaus ein Spiel mit dem Prädikat wertvoll für ihn persönlich sei. Weiterhin zieht Heynckes ein Fazit der Hinrunde und erklärt, warum Leverkusen auch in der Rückrunde eine große Rolle spielen wird.

bundesliga.de: Herr Heynckes, was stimmt Sie zuversichtlich, dass Leverkusen als Tabellenführer in die Winterpause gehen wird?

Jupp Heynckes: Die Mannschaft hat zwar in den vergangenen beiden Spielen nicht so überzeugend agiert wie in den Wochen davor. Allerdings ist sie sehr lernwillig und -fähig. Wir haben das Berlin-Spiel aufgearbeitet, in der Woche gut trainiert. Und wir haben zum Hinrundenabschluss ein Heimspiel, in dem wir uns unseren Fans noch einmal überzeugend präsentieren wollen.

bundesliga.de: In Berlin hat sich Ihre Mannschaft lange Zeit schwer getan. Dennoch fiel kurz vor Schluss der Führungstreffer. Berlin schlug aber zurück. Konnten Sie sich am Ende überhaupt über den einen Punkt freuen?

Heynckes: Wie das Ergebnis letzten Endes zustande gekommen ist, war für uns natürlich ärgerlich. Aber im Endeffekt hat sich die Hertha das Remis verdient. Das muss man dann auch mal so akzeptieren.

bundesliga.de: Die Winterpause fällt aufgrund der WM sehr kurz aus. Zudem gibt es in der Hinrunde kein Wochenende ohne Bundesliga. Wird daher das Fitnesstraining das entscheidende Kriterium im Trainingslager sein?

Heynckes: Die Teams werden aufgrund der Kürze der Pause ja nicht auf einem niedrigen Niveau beginnen. Natürlich wird ein wesentlicher Trainingsaspekt im Bereich der Fitness liegen. Aber mit Fitness allein ist es nicht getan.

bundesliga.de: Am 27. Januar 2007 haben Sie Ihre letzte Niederlage als Bundesliga-Coach kassiert. Haben Sie das Verlieren "verlernt"?

Heynckes: Nein. Aber ich habe natürlich nichts dagegen, das Erfahren einer Niederlage so lange wie möglich vor mir herzuschieben.

bundesliga.de: Wann war Ihnen nach Ihrem Kurzengagement in München klar, dass Sie wieder voll ins Trainergeschäft einsteigen wollen ?

Heynckes: Nachdem ich das Angebot des seriösen Clubs Bayer 04 Leverkusen erhalten hatte.

bundesliga.de: Diese Frage hören Sie sicher oft, aber warum wird Leverkusen in der Rückrunde dieser Saison eine bessere Rolle spielen als noch vor einem Jahr?

Heynckes: Weil die Mannschaft stabiler geworden ist, reifer und souveräner. Sie ist mit dem Team des Vorjahres nicht mehr zu vergleichen.

bundesliga.de: Zum Abschluss der Hinrunde geht es gegen Mönchengladbach. Mit den "Fohlen" verbindet Sie so Einiges. Ist dies ein besonderes Spiel für Sie?

Heynckes: Die Borussia ist "mein Club", aber darauf kann und werde ich selbstverständlich am Samstag keine Rücksicht nehmen. Bisher habe ich mich immer gefreut, wenn die Gladbacher gepunktet haben. Mit dieser Einstellung werde ich mich diesmal nicht auf die Bank setzen.

bundesliga.de: Die Borussia präsentierte sich in den vergangenen Wochen stark. Wie schwer wird es für Bayer, die Hinrunde mit einem Sieg zu beenden?

Heynckes: Michael Frontzeck ist ein guter Trainer, er macht das mit seiner Truppe richtig klasse. Es wäre fahrlässig, diese Mannschaft zu unterschätzen. Allerdings wissen wir, was wir zu leisten imstande sind. Wir wollen diese Partie gewinnen, und dazu sind wir auch in der Lage.

bundesliga.de: Es scheint ja fast schon normal, dass die Bundesliga sich zu einem Krimi entwickelt. Nur fünf Punkte trennen die ersten sechs Teams. Was ist Ihrer Meinung nach in der Rückrunde wichtiger: schön spielen oder nervenstark auftreten?

Heynckes: Diese Frage beantwortet sich von selbst. Nur schön zu spielen hat noch keiner Mannschaft genutzt. Als wir zu Saisonbeginn in Freiburg 5:0 gewonnen haben und der SC dennoch mit Lob überschüttet wurde, da meinte Trainer Robin Dutt damals sinngemäß: "Ich kann es nicht mehr hören." Im Fußball zählt nun einmal das Ergebnis. Aus diesem Grund sind starke Nerven äußerst hilfreich.

bundesliga.de: Abschließende Frage. Welche Attribute legen Sie Ihrer Mannschaft für das Geleistete in der Hinrunde unter den Weihnachtsbaum und mit welchen guten Vorsätzen schicken Sie sie ins Neue Jahr?

Heynckes: Meine Spieler haben Außerordentliches geleistet. Wie diese junge Mannschaft die vielen Ausfälle wichtiger Spieler kompensiert hat, war fabelhaft. Die Truppe ist willig, erfolgshungrig und konzentriert aufgetreten. So und nicht anders wird es auch 2010 sein.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz