München - Es hatte schonmal ein bisschen was von Champions-League-Finale, als in der Allianz Arena der goldene Konfettiregen über den Stars des FC Barcelona niederging. 2:0 hatten Andres Iniesta und Co. gegen den Gastgeber Bayern München gewonnen und dafür sogar einen Silberpokal erhalten - in zehn Monaten wollen sich dann aber die Bayern im "echten" Finale den ganz großen Traum vom Triumph im eigenen Stadion erfüllen.

Zunächst jedoch kehrt der graue Alltag zurück: Braunschweig statt Barcelona. Am kommenden Montag wartet auf den FC Bayern in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig die erste Pflichtaufgabe einer Saison, an deren Ende nach einem tristen Jahr möglichst drei Titel stehen sollen.

Entsprechend war das Spiel gegen den Champions-League-Sieger schnell abgehakt, zumal beide Teams ohnehin nicht in Bestbesetzung antraten.

Ersatz-Flügelzangen im Einsatz

Um gegen Braunschweig gerüstet zu sein, schonte Trainer Jupp Heynckes den Großteil seiner vermeintlichen Stammelf, zudem fehlten die beiden Superstars Arjen Robben und Franck Ribery wegen Verletzungen. "Ich wollte keinen Spieler 180 Minuten belasten", sagte Heynckes, nachdem die Bayern am Dienstag bereits gegen den AC Mailand (5:3 i.E.) gespielt hatten.

Als Muster ohne Wert wollte er das Spielchen gegen Barca, das ohne Weltfußballer Lionel Messi oder den Weltmeister Xavi antrat, aber nicht verstanden wissen. "Ich habe einige Erkenntnisse gewinnen können, wie wir zum Beispiel am Montag Arjen und Franck ersetzen können", sagte Heynckes.

Gegen Barcelona, das einige Male seine Klasse andeutete, durften sich zunächst Takashi Usami als "Robben" und David Alaba als "Ribery" versuchen. In der Schlussphase bildeten Thomas Müller und Toni Kroos die Ersatz-"Flügelzange". An die Originale, die nach Knöchelverletzungen wenigstens auf eine Rückkehr zum Bundesliga-Start am 7. August gegen Borussia Mönchengladbach hoffen, reichte keine Besetzung heran. Dennoch ist Heynckes überzeugt, "dass wir hochkarätige Spieler ein, zwei Spiele ersetzen können".

Boateng bringt Stabilität

Wenigstens zeigte Neuzugang Jerome Boateng bei seiner Premiere in der Innenverteidigung, dass er der im vergangenen Jahr äußerst anfälligen Bayern-Defensive die nötige Stabiltät verleihen könnte. Er selbst sprach von "einem guten Test vor dem Pokal", wollte daraus aber keine Ansprüche ableiten: "Ich fühle mich gut, aber der Trainer entscheidet, ob ich spiele."

Heynckes war mit der Vorstellung von Boateng "sehr zufrieden". Trotz Trainingsrückstand habe der von Manchester City verpflichtete Nationalspieler "gegen einen Klassegegner sehr sicher" gestanden: "Wir haben über 90 Minuten nur eineinhalb Torchancen zugelassen." Die führten allerdings zu zwei Treffern durch den überragenden Thiago (42./75.).

Bloß kein böses Pokal-Erwachen

Auch wenn die Generalprobe daneben ging, zeigte sich Heynckes für den Start und die gesamte Saison "sehr zuversichtlich". Noch habe sein FC Bayern aber "viel Arbeit" vor sich. Man müsse "etwas verschüttete Automatismen" wieder hervorholen, zudem die Organisation und das taktische Verständnis verbessern.

Spätestens am Montag sollte die gröbste Arbeit erledigt sein, damit der FC Bayern in der ersten Runde nicht wieder einmal ein böses Pokal-Erwachen erlebt - man denke nur an Weinheim, Homburg oder Vestenbergsgreuth. Auch gegen Braunschweig hatte es 1982 schon ein Aus gegeben, damals in der zweiten Runde. Entsprechend warnte auch Kapitän Philipp Lahm vor dem Zweitliga-Spitzenreiter und vor Überheblichkeit: "Braunschweig hat den Schwung des Aufstiegs mitgenommen, die dürfen wir nicht unterschätzen."