Der Star ist nicht immer der Spieler oder Trainer. Der Star ist auch das Stadion. Mehr als 20.000 Besucher sind allein im Jahr 2009 ins RheinEnergieStadion geströmt, ohne dass ein Spiel des 1. FC Köln zu sehen gewesen wäre. Stadionführungen sind für Fans jeden Alters längst zu einer weiteren Attraktion in der Bundesliga geworden.

Im RheinEnergieStadion organisieren die Kölner Sportstätten GmbH - eine einhundertprozentige Tochter der Stadt Köln – die Führungen. Über 940 waren es im Vorjahr, und kaum eine Führung gleicht der anderen. Denn der Rahmen kann vollkommen unterschiedlich sein.

18 Stadionführer für das RheinEnergieStadion

"Wir hatten ein Pärchen, für das wir zur Silberhochzeit eine private Führung übernommen haben. Wir hatten auch schon eine gemeinsame Veranstaltung mit 210 Besuchern, die von sieben Stadionführern begleitet wurden", erklärt Hubert Röser, Pressesprecher der Kölner Sportstätten.

Auf eine Auswahl von 18 Guides können die Kölner zurzeit zurückgreifen, viele davon sind engagierte Studenten der benachbarten Sporthochschule. Es gibt ein Handbuch für die Stadionführer, das die wichtigsten Daten und Zahlen zur langen Geschichte des ehemaligen Müngersdorfer Stadions enthält, dessen Grundstein 1923 gelegt wurde.

Originelle Idee für Kindergeburtstage

Am Sonntagnachmittag sind Zahlen und Fakten aber nicht gefragt. Die kleine Juliane feiert ihren 6. Geburtstag und hat zehn Freundinnen und Freunde zu einer Stadiontour eingeladen. Jetzt sind pädagogisches Geschick und das richtige Händchen für Kinder wichtig, um fast anderthalb Stunden kurzweilig zu füllen.

"Wer ist schon Fan vom 1. FC Köln", fragt Stadionführerin Miriam Helle und vier, fünf Finger gehen zaghaft in die Höhe. Janis, Daniel und Alina haben sogar schon mal ein Bundesligaspiel vom FC im Stadion gesehen. Heute sitzen und stehen aber keine Zuschauer auf den über 50.000 Plätzen; die Kinder versuchen das schwierige, weiß eingefärbte Wort "Rheinenergie" auf den Sitzplätzen der Westtribüne zu lesen.

Podolskis Kabinenplatz begehrt

Die nächsten Stationen sind die Trainerbank und der Stadionrasen. Besser gesagt, der Rand des Rasens. Denn die wichtigste Regel bei allen Führungen lautet: Das Spielfeld darf nicht betreten werden. Miriam Helle erklärt, wie die zwei Farben des Rasen zustande kommen und warum der Platz in der Mitte etwas höher ist. Die Kinder wissen aber schon, was so ein Rasen braucht, um zu wachsen.

Wie der Trainer vom 1. FC Köln heißt, wissen sie aber nicht. "Jogi Löw", ruft Janis. Aber Lukas Podolski kennen die meisten Mädchen und Jungen schon. Deshalb wollen auch alle auf seinem Platz in der Kabine sitzen, wohin die Stadionführerin die Kinder jetzt gebracht hat.

"Wo ist denn Hennes der Siebte begraben?"

Gebannt hören alle zu, was Miriam Helle über das aktuelle Maskottchen Hennes XIII zu erzählen weiß: über sein eigenes Hennes-Mobil, mit dem er zu den Heimspielen gefahren wird. Oder über die Video-Kamera in seinem Stall, damit jeder den Hennes beobachten kann. Bei "Wo ist denn Hennes der Siebte begraben?" ist sogar die Stadionführerin überfragt.

Grundsätzlich gilt für die Kölner Stadionführungen, dass sie zum rheinischen und kölschen Lebensgefühl passen sollen. "Unsere Guides sollen ihre Informationen kompetent, aber locker rüberbringen – egal ob vor Schulklassen oder Business-Gruppen. Das funktioniert im Sommer auch in kurzen Hosen und T-Shirt, die Besuchergruppen sind eigentlich immer begeistert", meint Röser.

Fans dazugewonnen

Für Juliane und ihre Gäste geht nach vielen weiteren spannenden Stationen die Führung zu Ende. "Wer ist denn jetzt Fan vom 1. FC Köln", will Miriam Helle noch mal wissen. "Iiiiiich", schreien alle und jetzt schnellen elf Finger in die Luft. Eindeutig: Der Star war diesmal das Stadion.