Natürlich würde Felix Magath gerne Meister werden. Zugeben will er das aber weiterhin nicht. Partout nicht. Irgendwie verständlich. Schließlich kommt der VfL Wolfsburg der ersten Deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte immer näher, je mehr der Trainer diese in weite Ferne redet.

Und das klingt dann so: "Der FC Bayern hat die bessere Mannschaft und auch das bessere Restprogramm. Drei Punkte Vorsprung sind nichts. Ich würde unsere Meisterschaftschance gering beziffern und vielleicht bei zehn Prozent anlegen. Ich weiß nicht, ob mir jemand widersprechen kann, wenn ich sage: 'Der FC Bayern wird Meister.'

Oh, natürlich könnte man "Schlawiner" (Uli Hoeneß) Felix Magath widersprechen. Man muss ihm sogar widersprechen, blickt man auf die Tabelle und verfolgt, wie der VfL seine Spiele gewinnt. Aber der Wolfsburger Trainer bleibt selbst dann noch bei seiner radikalen Außenseiter-Strategie, wenn sein Team durch Leistung und Ergebnisse andere Rückschlüsse anbietet.

Magath umkurvt die "M-Frage"

"Wenn wir gegen die Bayern gewinnen, dürfen Sie mich nach der Meisterschaft fragen", hatte sich der 55-Jährige nach dem 25. Spieltag noch aus dem Interview gerettet und dabei in der Tat nicht versprochen, dass er darauf zum gegebenen Zeitpunkt dann auch antworten würde. Der VfL watschte den Rekordmeister bekanntlich mit 5:1 ab und Magath mied die "M-Antwort" weiterhin wie der Teufel das Weihwasser: "Über die Meisterschaft brauchen wir im Moment noch nicht zu reden."

Ja, aber wann denn dann?, schien man die stirnrunzelnden Journalisten auf der Pressekonferenz geradezu denken zu hören. Der Trainer hatte schließlich ein Einsehen und ließ sich Anfang April als Spitzenreiter zu einer für seine Verhältnisse waghalsigen Prognose hinreißen: "Wenn wir nach dem 34. Spieltag noch da stehen, dann wären wir wirklich ganz oben angekommen."

Das klang dann schon ein bisschen nach Matthias Sammers ebenso legendärer wie sympathischer Feststellung: "Das nächste Spiel ist immer das nächste."

Wolfsburg feiert auch "schmutzige Siege"

Magath ist mit dem FC Bayern bereits Meister geworden und weiß, wie turbulent es auf der Zielgeraden im Titelkampf zugehen kann, wenn es nur noch um das blanke Ergebnis geht. "Typisch Bayern", ist mittlerweile schließlich eine historische Floskel in Deutschlands Eliteliga. Immer häufiger fällt auch aktuell in der Berichterstattung wieder die Bezeichnung des "schmutzigen Sieges", gefolgt von der Feststellung: "So spielt ein Meister!"

Allerdings bezieht sich dabei momentan niemand auf den deutschen Rekordmeister. Nach dem glanzlosen 2:1-Sieg in Mönchengladbach am vergangenen Wochenende hatte Felix Magath noch beinahe entschuldigend erklärt, man müsse der Mannschaft auch mal zugestehen, ein schwächeres Spiel zu machen. "Wir werden nächste Woche wieder stärker sein."

Das nötige Quäntchen Glück

Natürlich hatte Wolfsburg nun - eine Woche später - gegen Leverkusen auch gute Phasen. Doch mit dem unerklärlichen Einbruch in der zweiten Halbzeit schien der VfL nach dem Ausgleich sogar einer Niederlage nahe. Simon Rolfes traf die Latte. Die Strafstoßentscheidung zur Wolfsburger 1:0-Führung in Halbzeit eins war ohnehin nicht zwingend, im Gegenzug hätten sich die "Wölfe" in der Schlussphase über einen Elfmeterpfiff gegen Jan Simunek nicht beschweren können.

Wolfsburg verbucht also "schmutzige Siege" und spielt, wie man als potenzieller Meister spielen muss. "Wir waren heute wieder einmal ein glücklicher Sieger", bestätigt Magath, argumentiert sein Team dann aber gleich wieder in die Außenseiterrolle: "Der FC Bayern wird Meister. Ein 1:0 ist das, was die Bayern auszeichnet: Das Ergebnis zu erzielen, das sie brauchen."

Wolfsburg macht's wie Bayern

Allerdings wird dies den Bayern nicht viel nützen, wenn die "Wölfe" weiterhin so ausgezeichnet bayerisch spielen und ihrerseits die Ergebnisse erzielen, die sie brauchen.

Schließlich konnte Wolfsburg mit dem Sieg über Leverkusen den Langzeitrekord von Borussia Mönchengladbach aus der Saison 1986/87 einstellen und ebenfalls zum zehnten Mal in Folge drei Punkte auf dem eigenen Konto verbuchen. Den Vereinsrekord hat das Team ohnehin bereits gebrochen.

Misimovic macht's wie Magath, der Erfolg gibt ihnen recht

Als nächstes wartet nun Cottbus. In elf Spielen verlor der VfL gegen Energie nur ein Mal. Kaum vorstellbar, dass die Siegesserie von Grafite, Dzeko, Misimovic und Co. ausgerechnet in der Lausitz reißen soll.

Aber selbst im Falle des elften Sieges in Folge wird man aus Niedersachsen wohl keine selbstbewussten "M-Antworten" auf chronische "M-Fragen" hören. Warum auch? Felix Magath und der VfL Wolfsburg machen mit ihrer Bescheidenheit schließlich momentan alles richtig.

"Wenn wir die letzten zwei, drei Spiele noch da oben stehen, dann kann man was sagen", verspricht zwar Top-Vorbereiter Zvjezdan Misimovic. Doch man erinnert sich an die Aussage seines schlitzohrigen Trainers vor dem Spiel gegen die Münchner Bayern und mag einfach nicht so recht daran glauben...

Michael Wollny