München - "Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst", sagte George Best einst über den Verbleib seines Vermögens. Der ehemalige nordirische Profi-Fußballer, der in den 60er und 70er Jahren zu Europas besten Fußballern zählte, gilt wohl auch posthum als eher ungeeignetes Vorbild, wenn es um die Wahl der passenden Wertanlage geht - für Privatpersonen im Allgemeinen, im Besonderen aber für Manager und Sportdirektoren von Fußball-Vereinen.

Die sollen das vorhandene Kapital nämlich möglichst gewinnbringend investieren. Am besten in neue Spieler, die der Mannschaft sofort helfen, den nächsten Schritt zu tun. So wie beispielsweise ein Szabolcs Huszti, der nach dreijährigem Gastspiel beim russischen Club Zenit St. Petersburg wieder zu Hannover 96 zurückgekehrt ist und sich bei seinem alten Arbeitgeber eingefügt hat, als wäre er nie weg gewesen.

Ungarischer Transfercoup



"Das war schon fast weltklasse, fantastisch, was er die letzten Spiele geleistet hat", schwärmt Ron-Robert Zieler, der Stammkeeper der "Roten", von seinem neuen Teamkollegen Huszti. Der Ungar hat an der Leine eingeschlagen, wie es sich Sportdirektor Jörg Schmadtke nicht besser hätte vorstellen können. Nach drei Spieltagen führt der 29-Jährige die Scorer-Liste der Bundesliga mit überragenden sieben Punkten an.

Dabei war mit diesem Raketenstart des Ungarn anfangs nicht unbedingt zu rechnen. Huszti, der in 18 seiner 25 Einsätze für Zenit in der vergangenen Saison als Joker bestritt, fehlte die Spielpraxis. Er wirkte eingerostet, als er in Hannover ankam. Trotzdem setzte Trainer Mirko Slomka ihn in allen vier Qualifikations-, bzw. Playoff-Spielen ein, ungeachtet seiner Leistung. Und der Plan des 45-Jährigen ging auf. Im Europapokal sammelte Huszti die Praxiserfahrung, die er brauchte, um in der Bundesliga für Hannover aktuell der entscheidende Faktor zu sein.

Der Linksfuß ist der Dreh- und Angelpunkt des 96-Spiels. In drei Einsätzen - zwei davon in der Startelf - erzielte er zwei Treffer selbst und bereitete fünf weitere vor. Im 4:0-Derby-Sieg gegen den VfL Wolfsburg legte er sogar alle Tore auf - ein Kunststück, das zuletzt Mesut Özil im Jahr 2009 gelungen war. "Er liebt es hier zu spielen und schwärmt immer von dem Stadion, das zeigt er auch auf dem Platz", weiß Steven Cherundolo. Dort ist Huszti der unumstrittene Regisseur: Standards, Flanken, Pässe - Huszti ist überall und allüberragend. Einziger Wermutstropfen: Bei einer Quote von zwei Treffern bei nur drei Torschüssen dürfte er aus HSV-Sicht wohl ruhig noch häufiger selbst den Abschluss suchen.

Vom Back up zum Goalgetter



Ebenfalls als wahrer Glücksgriff hat sich Mario Mandzukic entpuppt. Galt der Kroate nach seinem Wechsel vom VfL Wolfsburg zum FC Bayern München anfangs als Nummer zwei hinter Mario Gomez, zeigt er seit dessen Verletzung, dass er sehr viel mehr ist als "nur" ein Ergänzungsspieler.

Der Stürmer ist der erste Neuzugang in der Geschichte des Rekordmeisters, der in den ersten fünf Pflichtspielen der Saison immer mindestens ein Tor erzielt hat. Insgesamt steht er nach Supercup, DFB-Pokal und drei Bundesliga-Spielen bei sechs Treffern und zwei Vorlagen. Einzig in der Champions League gegen Valencia blieb er ohne Scorer-Punkt. (Interview)

Auffällig am Neu-Bayer ist seine Vielseitigkeit. Mit seinen beiden Assists hat er schon jetzt fast die Marke von Gomez in der vergangenen Saison erreicht (drei). Seine drei Liga-Tore, für die er nur vier Großchancen benötigte, hat er mit rechts, links und per Kopf erzielt. Beweis genug für die Vielseitigkeit des 35-maligen Nationalspielers.

Japanischer Mr. Everything



"Ich kann mir vorstellen, dass er ähnlich erfolgreich werden kann wie Shinji Kagawa", sagt Japan-Kenner Guido Buchwald gegenüber bundesliga.de über Hiroshi Kiyotake. Schaut man sich den Einstand des 22-Jährigen beim 1. FC Nürnberg an, versteht man, wieso sich der Weltmeister von 1990 an den ehemaligen Dortmunder Wirbelwind erinnert fühlt. (Die Japaner in der Bundesliga)

Kiyotake prägt das Offensiv-Spiel der Franken wie kein Zweiter. Er spielte die meisten Pässe (93), verbuchte die meisten Torschüsse (fünf, wie Robert Mak) und legte bereits zwölf Mal für einen Kollegen auf (nur Huszti hat noch mehr Vorbereitungen). Bei den Ballkontakten liegt er teamintern hinter Javier Pinola auf Rang 2 (143) und ist Herr der Standards (20). Drei davon, zwei Ecken und ein Freistoß, dienten als direkte Torvorlage. Insgesamt war der 1,72 Meter große Mittelfeldregisseur an allen fünf Treffern des "Clubs" beteiligt: vier Mal als Vorbereiter, bzw. Initiator und ein Mal als Schütze.

Im Süden angekommen



Große Hoffnungen weckte auch die Verpflichtung Max Kruses bei den Fans und Verantwortlichen des SC Freiburg. Mit 13 Toren und acht Assists war der Offensiv-Allrounder der Top-Scorer des FC St. Pauli in der vergangenen Zweitliga-Saison. Beim Sport-Club ist er auf dem besten Weg, diese Marke zu überbieten.

Nach drei Partien, in denen er jeweils in der Startelf stand, verbucht er bereits vier Scorer-Punkte auf seinem Konto (zwei Tore, zwei Vorlagen). Nachdem er den Breisgauern am 1. Spieltag gegen Mainz 05 mit seinem ersten Tor den ersten Punkt der Saison sicherte, trumpfte er zwei Wochen später beim 5:3-Torfestival gegen 1899 Hoffenheim groß auf, erzielte einen Treffer und bereitete zwei weitere vor. Damit war er an zwei Drittel der SCF-Tore beteiligt. Bemerkenswert ist Kruses Chancen-Verwertung: Von drei Großchancen nutzte er zwei.

Der Unbezwingbare



Mit einer solchen Vollstrecker-Quote kann der nächste Neuzugang nicht mithalten. Allerdings ist das auch gar nicht Fabian Giefers Aufgabe bei Fortuna Düsseldorf. Vielmehr soll er Tore verhindern, was ihm bisher sehr gut gelungen ist. Nach drei Spieltagen steht beim Aufsteiger hinten immer noch die Null - nicht zuletzt wegen Giefer.

Der 22-Jährige, der in der Sommerpause aus Leverkusen in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt wechselte, ist der einzige Keeper im deutschen Profifußball, der noch kein Gegentor kassiert hat. Elf Torschüsse musste der 1,96-Meter-Mann bereits entschärfen, sechs davon hielt er fest.

Somit ist Giefer nicht nur einer der Gründe, aus denen die Bundesliga über Düsseldorf als das "Fort Knox" am Rhein spricht, sondern auch eine überaus vernünftige Investition - wenn auch nicht ganz nach dem Geschmack des großen George Best.

Gregor Nentwig